Zur Gemeinschaft erschaffen

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, weil er in Gottes Ebenbild erschaffen ist (vgl. 1. Mose 1,26). Gott selbst befindet sich von Ewigkeit her in der Gemeinschaft der Dreieinigkeit – und daher sind auch wir Menschen auf Gemeinschaft hin angelegt (vgl. 1. Mose 2,18).

In der gesamten Schöpfung finden wir unzählige Hinweise auf Gott und auf Sein Wesen. In Römer 1,20 spricht Paulus davon, dass im Grunde jeder Mensch Gottes „ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit“ an dem Erschaffenen wahrnehmen kann!

Erlebte Gemeinschaft

In Gottes Ebenbild erschaffen zu sein heißt zum Teil, dass wir Gott in gewissen Punkten ähnlich sind (vgl. Jak 3,9). Und eine dieser Gottes-Ähnlichkeiten ist eben unser Verlangen nach Gemeinschaft mit anderen. Unser Wunsch nach Gemeinschaft ist also gottgemäß – wir spiegeln so die Dreieinigkeit wider. Als Gott Eva erschuf, gab Er damit Adam die Möglichkeit, Gott im Punkt der Gemeinschaft ähnlicher zu werden. Ohne ein Gegenüber, das ihm entspricht und dem er seine Liebe entgegenbringen würde, wäre Adam nicht in der Lage gewesen, diesen göttlichen Wesenszug zu erfahren und Gott auf diese Weise ähnlich zu sein. Es ist vergleichbar damit, nur über Eiskreme zu reden oder aber Eiskreme zu essen. Ohne die Gemeinschaft mit Eva hätte Adam vielleicht ein theoretisches Wissen über diese Liebe gehabt, aber er hätte sie niemals wirklich erfahren. Er musste also erleben, was es heißt, jemanden zu lieben, der so ist wie er – das, was Gott von Ewigkeit her in der Dreieinigkeit erlebt (vgl. 1. Joh 4,7-8).

Deshalb lesen wir im Rahmen des Schöpfungsberichts davon, dass Gott es für „nicht gut“ erachtete, dass Adam alleine war (vgl. 1. Mose 2,18). Also schuf Er ein Gegenüber, das Adam entsprach – einen Freund, eine Gehilfin. Nun konnte Adam seinen Schöpfer auf eine viel tiefere Weise nachahmen, als dies vorher möglich gewesen war.

Gestörte Gemeinschaft

Allerdings wissen wir, dass dieser herrliche Zustand nicht lange anhielt. Bereits ein Kapitel später wird uns berichtet, wie die Sünde in diese wundervolle Welt einzog. Wir kennen die Geschichte – wie Adam und Eva sich gegen Gott wandten und sich für die Sünde entschieden. Und von diesem Moment an war ausnahmslos jeder Mensch ein Egoist (vgl. Röm 5,12). Die Liebe, die Adam und Eva einander entgegenbringen sollten, beanspruchten sie nun für sich selbst. Anstatt die Gemeinschaft mit dem anderen als Möglichkeit zu sehen, Gottes selbstlose Liebe widerzuspiegeln, drehte sich von nun an jeder um sich selbst.

Anstatt „nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht“ zu tun, indem „in Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst“ (Phil 2,3) neigt der Mensch dazu, sich selbst höher zu achten als andere – was heute gemeinhin als „Selbstachtung“ bezeichnet wird. Dies ist aber nichts anderes als durch die Sünde verursachter Egoismus. Gott, der Vater, wusste, dass selbstsüchtige Menschen niemals selbstsüchtige Menschen retten würden. Er musste seinen selbstlosen Sohn senden, damit dieser den Fluch wegnimmt (vgl. Eph 2,1-10).

Wiederhergestellte Gemeinschaft

Durch diese Botschaft der Errettung in Jesus Christus haben wir die Chance auf eine Neugeburt (vgl. Joh 3,7), damit wir einen neuen Blick, ein neues Verlangen und eine erneuerte Kraft bekommen, uns auf das auszurichten, was wirklich richtig und gottgemäß ist. Denn obwohl die auf Gott ausgerichtete Gemeinschaft des Menschen durch den Sündenfall zerstört wurde, haben wir in Jesus Christus die Möglichkeit, diese Gemeinschaft wiederzuerlangen – wenn wir dies wollen.

Echte Gemeinschaft

Der größte Ausdruck wahrer Gemeinschaft ist allein in dem dreieinigen Gott – dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist – zu finden. Er besitzt in sich die perfekte Harmonie und vollkommene Gemeinschaft. Wenn Du dich nach wahrer und harmonischer Gemeinschaft mit anderen Menschen sehnst, dann muss der dreieinige Gott Teil und Mitte dieser Gemeinschaft sein. Eine menschliche Gemeinschaft, in der diese Beziehung zum dreieinigen Gott fehlt, wird niemals so reich sein, wie sie sein könnte und sein sollte. Aus diesem Grund werden Nicht-Christen niemals eine solch tiefe Gemeinschaft empfinden, wie es unter Christen möglich ist. Ihnen fehlt der Heilige Geist – der Geist der Liebe und der Geist wahrer Gemeinschaft (vgl. 1Kor 2,14; Röm 5,5; Phil 2,1; 2Tim 1,7).

Ein Ehepaar kann, menschlich gesehen, eine noch so harmonische Beziehung haben, ihnen wird immer etwas Entscheindes fehlen, wenn zu ihrer Beziehung nicht auch die gemeinsame Beziehung zu Gott gehört, wenn sie nicht das Band des Heiligen Geistes verbindet und nicht beide die Gnade in Jesus Christus erfahren haben.

Als gläubiger Christ mit einem gläubigen Christen verheiratet zu sein, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Beziehung immer nur harmonisch und stets in der besten Gemeinschaft verläuft. Betrachten wir ein Beispiel: Richard und Linda haben als Ehepaar eine tiefe Gemeinschaft miteinander und vor allem haben sie den Heiligen Geist – also die Gemeinschaft mit ihrem Gott und Schöpfer, die tiefste Gemeinschaft, die ein Mensch haben kann. Gottes Geist wohnt in ihnen, Er erfüllt und erleuchtet sie, sodass sie Gottes Willen kennen und lieben. Er stärkt und motiviert sie im Kampf gegen die Sünde und für ein heiliges Leben. Er überführt sie, sodass sie ihre Sünde erkennen und bereuen (vgl. Spr 3,12; Hebr 12,6). Ihr Alltag ist absolut nicht perfekt – sie führen ihr Leben mit Gott und wachsen darin (vgl. Eph 4,1). Aber es gibt auch Aspekte, bei denen sie noch versagen und Veränderung brauchen (vgl. Hebr 5,12-14). Man kann sagen, sie führen ein Leben mit Höhen und Tiefen (vgl. 1Joh 1,7-10), aber dieses Leben führen sie zu jeder Zeit in der Gemeinschaft mit dem Herrn.

Vertraute Gemeinschaft

Ein solches Leben in der Gemeinschaft mit Gott, in der Verantwortung vor Ihm und in der Gemeinschaft mit anderen beinhaltet aber auch, dass man Vertrauen lernt. Denn wahre Gemeinschaft ist ohne gegenseitiges Vertrauen und einander anvertrauen nicht möglich. Misstrauen trübt Gemeinschaft.

In Bezug auf Gott dürfen wir ein besonders hohes Maß an Vertrauen haben, das uns im Hinblick auf unseren Nächsten so vielleicht fehlen mag. Denn Gott kennt unsere Gedanken und unsere schlechtesten Seiten – Dinge, bei denen wir glauben, dass sie unser Gegenüber nicht verstehen oder ertragen könnte. In Bezug auf unseren dreieinigen Gott dürfen wir wissen:

Es gibt keine Verdammnis mehr für die, die in Christus sind.

Römer 8,1

Gott ist vieles, über das wir uns freuen und das wir herrlich finden – aber eine der herrlichsten Tatsachen ist, dass Er uns niemals verdammen wird, wenn wir zu Christus, unserem Erlöser, gehören. All unsere Sünden – die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen – sind durch das kostbare Blut Jesu Christi gesühnt und werden von Gott niemals wieder gegen uns verwendet werden. In Christus sind wir gerechtfertigt, befreit, für unschuldig erklärt – und solange Christus existiert, wird sich an dieser Tatsache nichts ändern (vgl. Gal 5,1). Diese Wahrheit befreit (vgl. Joh 8,36).

Aber viel mehr noch als das: Gott hat uns auch dazu befreit, in Seiner Gegenwart zu leben. Wir können ohne Zögern zu Ihm kommen, um Ihm all unsere Gedanken, Sorgen, Zweifel und Nöte anzuvertrauen (vgl. Hebr 4,12-13). Wir brauchen uns nicht mehr vor Ihm zu fürchten, denn Er ist auf unserer Seite (vgl. 2Tim 1,7; Röm 8,31-39).


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