König David

Warum war König David ein Mann nach dem Herzen Gottes?

Jeder, der die Bibel kennt, weiß, dass König David ein großartiger Mann war. Aber auch, dass er eine Menge Dinge getan hat, die alles andere als großartig waren. Natürlich denken wir zuerst an die Sünde mit Batseba, an den Mord an ihrem Ehemann Uria und den anschließenden Versuch, all das zu vertuschen. Das ist nicht gerade das, was wir uns unter einem gottesfürchtigen Mann vorstellen, der seine „Lust hat am Gesetz des HERRN“ (vgl. Ps 1,2). Dann gab es da noch die unüberlegte Volkszählung, die auf Davids Stolz zurückzuführen war, ganz zu schweigen von einer Reihe Lektionen darüber, wie man seine Familie nicht führen sollte. Für einen Mann nach dem Herzen Gottes (vgl. Apg 13,22) folgte David seinem Herzen doch ziemlich oft.

Angesichts all dieser Fehler stellt sich uns die Frage, worin Davids Größe bestand. Man könnte jetzt leicht auf seinen Mut verweisen, auf seine Loyalität, seinen Glauben und seinen Erfolg als Leiter, Musiker und Krieger. Aber er war auch in anderer, weniger bekannter Hinsicht großartig. Vor allem bestand Davids Größe darin, dass er bereit war, über die Sünden anderer hinwegzusehen, während er es mit seiner eigenen Sünde sehr genau nahm.

David vergab bereitwillig

David war ein gnädiger Mann, der die Fehler anderer ertrug und seinen Feinden eine zweite Chance gab. Zweimal verschonte er Sauls Leben, obwohl seine Freunde ihm rieten, ihn zu töten (vgl. 1Sam 24 und 26). Obwohl Saul ihn bei jeder Gelegenheit bedrängte, freute sich David nicht über Sauls Tod, sondern weinte um ihn und um seinen Sohn Jonathan (vgl. 2Sam 1,17-27). David hieß Abner willkommen, als dieser sich vom falschen König Isch-Boschet abgewandt hatte, und weinte um ihn, nachdem Joab getötet Abner getötet hatte (vgl. 2Sam 3). David war mehr als großzügig zu Mefi-Boschet (vgl. 2Sam 9) und ungewöhnlich geduldig mit Schimi, der ihn verfluchte (vgl. 2Sam 19,16-23). Eins um andere Mal zeigte David, dass er nicht wie die Söhne der Zeruja dachte, die stets darauf aus waren, alte Rechnungen zu begleichen. David wusste, wie man vergab. Von Jesus selbst abgesehen kennen wir kaum einen, der seine Feinde so liebte, wie David es tat. Wie kein anderer alttestamentlicher König war David bereit, Rebellen wieder aufzunehmen und die Sünden derjenigen zu übersehen, die gegen ihn gewesen waren.

David tat bereitwillig Buße

Aber erstaunlicherweise führte Davids herzliche Haltung gegenüber seinen Feinden nicht dazu, dass er seine eigene Sünde leichtfertig nahm. Für gewöhnlich sind diejenigen, die barmherzig mit anderen sind, auch barmherzig zu sich selbst, und diejenigen, die hart zu sich selbst sind, sind auch oft hart zu anderen. Aber David war anders.

Er war barmherzig mit anderen und ehrlich zu sich selbst. Ich glaube, dass Davids Größe schlicht darin bestand: so sehr er auch gesündigt hatte, so versäumte er es doch nie, sich seiner Sünde zu stellen. Ich kann kein einziges Beispiel in der Bibel finden, in dem David zurecht für seine Fehler ermahnt wurde und er diese Ermahnung nicht annahm. Als Nathan ihn mit seinem Ehebruch und Mord konfrontierte und er erkannte, worauf Nathan hinauswollte, bekannte er schnell: „Ich habe gegen den HERRN gesündigt“ (2Sam 12,13).

Als Joab die Frau aus Tekoa zu David sandte, damit dieser seine Meinung über Absalom änderte, hörte er zu (vgl. 2Sam 14). Als Joab David dafür tadelte, dass er seinen verräterischen Sohn mehr liebte als seine treuen Diener, da tat David wozu Joab ihm riet (vgl. 2Sam 19,1-8). Joab gab David oftmals falsche Ratschläge, aber wenn er richtig lag, dann sah David dies ein und korrigierte seinen Kurs. So sehen wir, wie David nach seiner törichten Volkszählung schwer getroffen war und bekannte: „Ich habe sehr gesündigt mit dem, was ich getan habe“ (2Sam 24,10).

David wusste, wie man vergibt, aber er wusste auch, wie man Buße tut. Er beschuldigte niemals andere für seine Fehler. David entschuldigte sich nicht, indem er auf seine Familiengeschichte, den Druck oder die Anforderungen seines Leitungsamtes verwies. Er gebrauchte keine passive Sprache, indem er seine Sünde als eine Funktionsstörung oder einen Wachstumsprozess bezeichnete. Auch trauerte er nicht deswegen über seine Sünde, weil sie einen negativen Einfluss auf sein Königreich und seine Beziehungen hatte, er sah seine Verfehlungen in erster Linie als eine Beleidigung gegen den allmächtigen Gott an (vgl. Ps 51,6). Er lief niemals vor dem Licht davon, wenn es seine Dunkelheit offenbarte. Stattdessen biss er die Zähne zusammen, gab seine Schuld zu und brachte die Sache in Ordnung.

David übernahm Verantwortung für sein Handeln

Angesichts der Tatsache, wie selten heutzutage Sportler, Filmstars und Politiker aufrichtig und klar die Verantwortung für ihre öffentlichen Sünden übernehmen, sollten wir umso mehr darüber erstaunt sein, dass der König Israels – zweifellos der berühmteste Mann in der Geschichte Gottes unter dem alten Bund – demütig genug war, auf die Korrektur derer zu hören, die ihm nahe standen, und sich entsprechend zu verändern.

König David war ein Mann nach Gottes Herzen, weil er die Sünde hasste, aber es liebte, sie anderen zu vergeben. Was für ein besseres Beispiel von Gott könnte es geben? Gott heißt nicht nur einfach seine Feinde willkommen, sondern stirbt an ihrer Stelle (vgl. Röm 5,6-11). Er ist immer bereit, Barmherzigkeit zu erweisen und Übertretern eine zweite Chance zu geben. Dennoch nimmt Gott die Sünde nicht leicht. Er offenbart sie und fordert uns auf, sie auszurotten (vgl. Joh 16,8-11; Kol 3,5). Doch anders als David ist Gott niemals eigener Sünde schuldig. Gott zeigt seine Herablassung nicht dadurch, dass er sich selbst unter eine verdiente Rüge demütigt, sondern indem er die menschliche Natur annahm und das Kreuz auf sich nahm (vgl. Phil 2,5-8). David war großartig, aber nicht annähernd so großartig wie sein „großer“ Sohn Jesus Christus.

© Ligonier Ministries @ Tabletalk Magazine


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