Unser barmherziger und treuer Hohepriester

„Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an. Daher musste er in jeder Hinsicht den Brüdern ähnlich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hoherpriester würde in dem, was Gott betrifft, um die Sünden des Volkes zu sühnen; denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden“ (Hebr 2,16-18).

Weil Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes von der Jungfrau Maria empfangen wurde (vgl. Lk 1,26-28), können wir sicher sein, dass unser Retter von Adams Sünde unbefleckt und deshalb der vollkommene Mittler zwischen uns und Gott ist. Doch auch wenn die Geburt unseres Herrn übernatürlich war, müssen wir bemerken, dass Gott, der Vater, nicht ganz bei null anfing, als Er seinen Sohn auf die Erde sandte. Unser Vater erschuf keinen neuen Menschen aus dem Staub der Erde, wie bei der Erschaffung Adams. Stattdessen verwirklichte sich Jesu Menschwerdung innerhalb von Adams Linie (vgl. Lk 3,23-38).

Jesu Menschlichkeit ist deshalb unserer gleich, auch wenn der Sohn Gottes bei der Inkarnation nicht die gefallene Natur Adams annahm. Sowohl was die Gene als auch seine Erfahrung betrifft, war Jesus mit dem Rest von Adams Nachkommen verbunden, während er heilsmäßig nur mit denen verbunden ist, die ihr Vertrauen in Ihn allein setzen.

Christus ist, wie die 35. Frage und Antwort aus dem Heidelberger Katechismus erklärt, „seinen Schwestern und Brüdern in allem gleich, doch ohne Sünde“. Er besitzt alles Notwendige, um wahrer Mensch zu sein, und weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, eine menschliche Kreatur und völlig abhängig vom Schöpfer zu sein. 

Im Gegensatz zu seinen gefallenen Brüdern und Schwestern, die diese Abhängigkeit in Adam ablehnten, versuchte Jesus nie, unabhängig vom Vater zu leben. Das entsprach selbst dann noch der Wahrheit, als Satan Christus unglaubliche Belohnungen in der Hoffnung versprach, dass Jesus dieselbe Autonomie wie Adam wählen würde (vgl. Mt 4,1-11). 

Die Verzweigungen dieser Entscheidung waren gewaltig, wie uns der Autor des Hebräerbriefes in der obigen Bibelstelle erklärt. Indem Er als einer von uns lebte und der Versuchung widerstand, wurde Jesus dazu befähigt, Versöhnung für Sein Volk zu erwirken und den Zorn des Vaters abzuwenden. Auch indem Er unsere Natur annahm und die Versuchung erduldete, ging Jesus uns im Kampf gegen das Böse voraus, um uns zu zeigen, dass völlige Abhängigkeit von Gott der einzige Weg ist, wie wir die Sünde bezwingen können. Aufgrund Seiner Menschlichkeit lernte er die Macht der Versuchung kennen, was Ihn dazu befähigt, Mitleid mit unseren Schwachheiten zu empfinden, und uns, als unser Mittler, uns das geben zu können, was wir brauchen, um uns gegen das Böse zu wappnen. Johannes Calvin schrieb: „Nichts geschieht uns, was der Sohn Gottes nicht selbst erlebt hätte, damit er Mitleid mit uns habe; lasst uns auch nicht daran zweifeln, dass er so mit uns ist, als würde er mit uns leiden.“

Coram Deo

Unser Retter wurde tatsächlich versucht. Dennoch gab Er der Sünde nie nach. Weil er siegte, sowohl in Seiner Menschlichkeit als auch in Seiner Göttlichkeit, kann uns der verherrlichte Christus genau das geben, was wir brauchen, um gegen das Böse zu bestehen. Wir sind durch den Glauben mit dem ganzen Christus vereint. Deshalb profitieren wir sowohl von Seiner Göttlichkeit als auch von Seiner verherrlichten Menschlichkeit. Dies ist ein großes Mysterium, aber wir dürfen zu Ihm gehen, wenn wir versucht sind und Ihm bezüglich der Mittel vertrauen, die wir brauchen, um die Sünde zu überwinden.

Burk Parsons

Burk Parsons ist Senior Pastor der Saint Andrew’s Chapel in Florida sowie der Herausgeber der Zeitschrift Tabletalk.

Dieser Artikel erschien zuerst bei ligonier.org. Die Übersetzung und Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber.