So begegnet dir kein Unglück – Gedanken zu Psalm 91

James Chalmers, ein schottischer presbyterianischer Missionar, wurde im Jahre 1866 von der Londoner Missionary Society in den Südpazifik ausgesandt. Während seines fünfunddreißigjährigen Dienstes an der Missionsfront verlor er zwei Ehefrauen. Aber die Trauer führte nur zu größerer Hingabe. Er schwor sich, seine Trauer in dem Werk für Christus zu begraben. Im Frühling 1907 war er gemeinsam mit Oliver Tomkins zu einer Erkundung entlang der Küste von Neu Guinea am sogenannten Fly River unterwegs. Die beiden gingen an Land. Als sie nicht zurückkehrten, schickte man einen Suchtrupp los, der bald mit schrecklichen Neuigkeiten zurückkehrte. Chalmers und Tomkins waren erschlagen, in Stücke gehackt, gekocht und gegessen worden, noch bevor der Suchtrupp angekommen war.

Wie passt dieses Ereignis zu Psalm 91,7-12?

Tausend fallen an deiner Seite, zehntausend an deiner Rechten – dich erreicht es nicht. Nur schaust du es mit deinen Augen, und du siehst die Vergeltung an den Gottlosen. Denn du hast gesagt: „Der HERR ist meine Zuflucht!“; du hast den Höchsten zu deiner Wohnung gesetzt; so begegnet dir kein Unglück, und keine Plage naht deinem Zelt. Denn er bietet seine Engel für dich auf, dich zu bewahren auf allen deinen Wegen. Auf den Händen tragen sie dich, damit du deinen Fuß nicht an einem Stein stößt.

Kann es sein, dass James Chalmers und Oliver Tomkins einfach zu wenig Glauben besaßen, um dieser Verheißung zu vertrauen? Ganz sicher nicht!

Hebräer 11,33-35 berichtet von Gläubigen, die aufgrund ihres Glaubens „des Schwertes Schärfe entgingen“, während die Verse 36-38 von Gläubigen erzählen, die aufgrund ihres Bekenntnisses „den Tod durch das Schwert starben.“

Könnte es daher sein, dass sich diese Verheißung der Sicherheit aus Psalm 91 nur auf die Zeit des Alten Testamentes beschränkte? Nein! Psalm 44,23 schreit: „Ja, deinetwegen werden wir umgebracht den ganzen Tag, als Schlachtvieh werden wir angesehen.“ Selbst zu alttestamentlichen Zeiten schien diese Verheißung bereits vergeblich zu sein.

Könnte es sein, dass Psalm 91 eine Prophezeiung auf den Messias ist und sich nur auf ihn bezieht? Vielleicht entkommt nur der Messias dem Schwert? Nein! Satan versuchte Jesus in der Wüste. Er zitierte genau diesen Psalm und drängte Jesus förmlich dazu, diese Verheißung für sich in Anspruch zu nehmen. Jesus wies das zurück und gesellte sich damit zu den „zehntausend“ die neben dir fallen (vgl. Ps 91,7).

Was also dann? Ich denke, Jesus lehrt uns, dass Verheißungen wie diese aus Psalm 91 folgendes bedeuten: Kein Unglück wird den Gläubigen begegnen, sondern nur das, was Gottes Liebe zulässt, und selbst dieses „Unglück“ wird sie nicht überwinden. Paulus fragt: „Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot?“ Und er antwortet: „Nein! In all diesem sind wir mehr als Überwinder!“ (vgl. Röm 8,35-37).

Der Psalmist verkündete den Gläubigen diese absolute Sicherheit nicht, weil er naiv war, sondern weil er unter dem Einfluss des Heiligen Geistes eine unbezwingbare Hoffnung verspürte, dass Gott sein Volk regiert und für es sorgt. Das Unglück kann sie nicht einfach befallen! Wenn es doch den Anschein hat, dann muss es eine herrliche Befreiung geben, auf die wir vertrauensvoll warten müssen. Zu welchem Ergebnis könnten wir sonst kommen, wenn wir zwei Psalmen wie jene miteinander vergleichen.

Psalm 44,23: „Ja, deinetwegen werden wir umgebracht den ganzen Tag.“

Psalm 34,20: „Vielfältig ist das Unglück des Gerechten, aber aus allen rettet ihn der HERR.“

Und hat Jesus nicht genauso mit seinen Jüngern geredet?

Lukas 21,16: „… und sie werden einige von euch töten.“

Lukas 21,18: „Und nicht ein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen.“

Hält dich Furcht vor einem Wagnis mit Gott ab? Fürchte dich nicht! Kein endgültiges Übel kann dich befallen! James Chalmers and Oliver Tomkins sind mehr als Überwinder durch denjenigen, der sie geliebt hat.

© Desiringgod. Die Wiedergabe erfolgte mit freundlicher Genehmigung.