Jeder Konflikt ist ein Test

Das Neue Testament verschweigt nicht die Tatsache, dass nahezu jede Ortsgemeinde im apostolischen Zeitalter Konflikte erlebte. Während die neutestamentlichen Autoren diese Dinge thematisieren, liefern sie uns zugleich unschätzbare Anweisungen, wie wir als Gläubige in Konfliktsituationen denken, handeln und miteinander umgehen sollen. Wenn wir die Gemeinden im Neuen Testament studieren und die Anweisungen, die ihnen hinsichtlich ihrer Konflikte gegeben wurden, beachten, können wir biblische Prinzipien erlernen, wie wir selbst Konflikte auf eine konstruktive und Christus-verherrlichende Weise lösen.

Ein Grundprinzip, dass wir bedenken müssen

Eines der wichtigsten Prinzipien, das mich in Konfliktsituationen jeglicher Art in Gemeinden leitet, habe ich im Galaterbrief entdeckt: Sobald Konflikte entstehen, sollte unser Verhalten unser neues Leben in Christus widerspiegeln. Es sollte deutlich werden, dass der Heilige Geist in uns lebt. Wir sollen die Frucht des Geistes darstellen und nicht die Werke des Fleisches. Wir sollen vom Heiligen Geist und nicht vom Fleisch beherrscht sein und uns kontrolliert verhalten. Es gab ernste Uneinigkeiten in den Gemeinden, die das gemeinsame Leben und die Einheit der Gemeinden bedrohte. Daher warnte Paulus die jungen Gläubigen: „Wenn ihr aber einander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet!“ (Gal 5,15).

Wenn diese jungen Christen nicht mit dem Streiten aufhören würden, hätte das fatale Folgen für die ganze Gemeinde. Nachdem Paulus vor der potenziellen gegenseitigen Zerstörung der gläubigen Gemeinschaft gewarnt hatte, forderte er seine Leser auf, „im Geist zu wandeln“ und nicht „die Begierde des Fleisches“ zu erfüllen (vgl. Gal 5,16).

Zeige nicht die Werke des Fleisches

Viele der Konflikte, die heute unsere Gemeinden plagen, rühren daher, dass die Gläubigen nach dem Fleisch und nicht nach dem Geist leben. In Galatien konzentrierte sich Paulus auf acht Sünden, die das soziale Leben betreffen und die Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde zerstören: „Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: … Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neidereien …“ (Gal 5,19-21, siehe auch 2Kor 12,20 für eine ähnliche Aufzählung).

Während du dir diese acht „Werke des Fleisches“ anschaust, bedenke Folgendes: der Heilige Geist steht im krassen Widerspruch zu all diesen Dingen. Galater 5,17 sagt: „Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt.“ Paulus’ Lasterkatalog dient als objektive Überprüfung unseres Verhaltens. Wenn du also das nächste Mal in einem Konflikt involviert bist, halte zunächst inne und denke nach. Du weißt, dass du den „Begierden des Fleisches“ nachgibst, wenn einer der oben genannten Sünden in deinem Verhalten oder deiner Einstellung zum Ausdruck kommt.

Die eine Sache, die Christen nicht tun sollen, wenn sie in einen Konflikt geraten, ist, zum alten Verhalten zurückzukehren, das von der alten Natur bestimmt wurde.

Zeige die Frucht des Geistes

Anstatt dass wir uns beißen und einander verzehren und dadurch die destruktiven Sünden des Fleisches offenbaren, wenn wir in einen Konflikt geraten, sollen wir „im Geist wandeln“, „durch den Geist geleitet werden“, „durch den Geist leben“ und „im Geist säen“ (vgl. Gal 5,16.18.25 und 6,8). Nichts Anderes als die innewohnende Gegenwart des Heiligen Geistes ist nötig, um die Gläubigen zu befähigen, den Begierden des Fleisches zu widerstehen und Christus-ähnlich zu leben.

Der Heilige Geist strebt danach, in jedem einzelnen Christen und in jeder lokalen Gemeinde einen Christus-ähnlichen Charakter zu formen. Diese Eigenschaften fördern ein gottesfürchtiges Verhalten und gesunde Beziehungen – also genau die Dinge, die die Gemeinde in Galatien so dringend brauchte. Paulus’ neun Beschreibungen von „der Frucht des Geistes“ formen ein zusammengesetztes Bild von einem Christus-ähnlichen Charakter und Verhalten: „Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit“ (Gal 5,22-23). Wir wissen, dass wir im Geist wandeln und durch den Geist geleitet werden, wenn wir in unserem alltäglichen Verhalten die „Frucht des Heiligen Geistes“ darstellen.

Die Frucht des Geistes liefert uns daher einen objektiven Maßstab für unsere Einstellung und unser Verhalten, wenn wir uns in einem Konflikt befinden. Daher sollten wir uns selbst Fragen: Zeige ich einen Christus-ähnlichen Charakter und das Leben des Heiligen Geistes, wenn ich mit jemandem anderer Meinung bin? Hoffentlich können wir alle die Frage mit „Ja“ beantworten.

Wenn wir uns inmitten eines heftigen Konflikts wiederfinden, brauchen wir eine bestimmte Frucht des Heiligen Geistes, die uns sicher durch diesen Sturm leitet: Selbstbeherrschung (vgl. Gal 5,23). Ein Mangel an Selbstbeherrschung ist eines der Hauptprobleme in einem Konflikt. Aber der Heilige Geist stattet uns mit der Kraft aus, der alten Natur nicht nachzugeben, die sich in Sünden wie Zorn, Eifersucht, Hass und Rachsucht manifestiert.

Christen, die ihre Emotionen und Gedanken durch die Kraft des Heiligen Geistes kontrollieren lassen, sind in der Lage, einen Konflikt konstruktiv anzugehen und eine gerechte Lösung zu finden. Dies sind Gläubige, die ihre Brüder und Schwestern in Christus nicht „beißen und verschlingen“.

Im Kontrast dazu haben Menschen, die „nach dem Fleisch“ leben, ihre Emotionen nicht im Griff. Sie zeigen nicht die Frucht des Heiligen Geistes und sind potenziell gefährlich, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen und um die Ehre Gottes geht.

Konflikte gehören zu den größten Herausforderungen, wenn es darum geht, „im Geist zu wandeln“. Wir müssen erkennen, dass jeder Konflikt ein Test ist, ob wir einen Christus-ähnlichen Charakter und die Realität des Evangeliums in unserem Leben zeigen oder nicht. Werden wir als Christen die herrlichen Früchte des Heiligen Geistes darstellen oder die Hässlichkeit des Fleisches?

© Ligonier Ministries @ Tabletalk Magazine. Die Wiedergabe erfolgte mit freundlicher Genehmigung.