Ist Weihnachten ein heidnisches Fest

Ist Weihnachten ein „heidnisches“ Fest?

Ist Weihnachten ein „heidnisches“ Fest? Diese Frage wird jedes Jahr erneut aufgeworfen. Dieser Artikel gibt darauf eine klare Antwort.

Alle Jahre wieder tauchen zur Weihnachtszeit nicht nur altbekannte Weihnachtslieder aus der Versenkung auf, sondern ebenfalls die Kritik am bekanntesten Fest der Christenheit. Die Kritik, dass Weihnachten ein „heidnisches“ Fest sei. Dieser Vorwurf kommt zumeist aus zwei Lagern: von grundsätzlichen Kritikern des Christentums als auch von übereifrigen Christen. Erstere wollen mit ihren Ausführungen die Glaubwürdigkeit des historischen Christentums erschüttern. Letztere befürchten, gegen Gottes Willen zu handeln, da die Bibel uns nirgendwo ausdrücklich befiehlt, die Geburt Jesu zu feiern. 

Was ist von diesem Vorwurf zu halten?

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass die Bibel uns für die Geburt Jesu keine konkrete Zeitangabe mitteilt. Die nächste historische Verortung dürfte die Angabe vom Evangelisten Lukas sein, der schrieb:

Es geschah aber in jenen Tagen, dass eine Verordnung vom Kaiser Augustus einging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. Diese Einschreibung geschah als erste, als Quirinius Statthalter von Syrien war.

Lukas 2,1-2

Lukas verdeutlicht, dass die Geburt Jesu ein tatsächliches historisches Ereignis war. Er hielt es jedoch nicht für erwähnenswert, uns das genaue Datum mitzuteilen. 

Auch wenn wir heute das genaue Datum der Geburt Jesu anhand der biblischen und außerbiblischen Quellen nicht mehr ermitteln können (zumindest nicht auf den Tag genau), so gilt es als ziemlich sicher, dass Jesus nicht am 25. Dezember geboren wurde. 

Wieso feiert dann ein Großteil der Christenheit heute am 25. Dezember die Geburt Jesu?

Sollen wir überhaupt feiern?

Zuvor möchte ich noch kurz auf die Frage eingehen, warum die Christenheit die Geburt Jesu überhaupt feiert? Schließlich wird uns nirgendwo im Neuen Testament befohlen, dies zu tun. Nun, dass die Geburt Jesu für uns Christen ein Grund zum Feiern ist, müsste eigentlich nicht erst erklärt werden. Schließlich verkündigten die Engel den Hirten:

Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird. Denn euch ist heute ein Retter geboren, der ist Christus, der Herr, in Davids Stadt.

Lukas 2,10-11

Mit der Menschwerdung Jesu erfüllten sich viele Verheißungen aus dem Alten Testament. Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer, dem Vorläufer Jesu, lobte Gott und sprach:

Und du, Kind [d. i. Johannes der Täufer] wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesicht des Herrn hergehen, seine [d. i. Jesus] Wege zu bereiten, um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, mit der uns der Aufgang aus der Höhe besuchen wird, um denen zu leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, und unsere Füße zu richten auf den Weg des Friedens.

Lukas 1,76-79

Grund zum Feiern gab es also allemal. Auch wenn wir im Neuen Testament keinen Befehl oder ein Beispiel davon finden, dass die frühe Kirche die Geburt Jesu gefeiert hätte, so ist dies kein hinreichender Grund, die Geburt Jesu nicht zu feiern. 

Im Alten Testament gab Gott seinem Volk den Befehl, bestimmte jährliche Feste zu feiern, die an Sein Heilshandeln erinnern sollten (vgl. 5. Mose 16,1-17). Abschließend heißt es da:

Denn der HERR, dein Gott, wird dich segnen in all deinem Ertrag und in allem Tun deiner Hände, und du sollst wirklich fröhlich sein.

5. Mose 16,15

Einige Christen mögen der Meinung sein, dass nur das erlaubt ist, was auch ausdrücklich in der Bibel steht. Das wird der Bibel jedoch nicht gerecht. Vielmehr ist es so, dass alles erst einmal prinzipiell erlaubt ist, sofern es  klaren Aussagen von Gottes Wort nicht widerspricht. Auf unsere Frage bezogen bedeutet das: Die Bibel befürwortet eher die Feier der Geburt Jesu, als das sie diese verbietet!

Offenbar hat die frühe christliche Kirche dies ebenso gesehen, wenn auch die historische Entstehung des Weihnachtsfestes nicht hundertprozentig rekonstruiert werden kann. 

Warum der 25. Dezember?

Man ist sich jedoch weitestgehend darüber einig, dass die Anfänge im 4. Jahrhundert anzusiedeln sind. Am 25. Dezember feierten die Römer den Geburtstag von Sol Invictus, der „unbesiegbaren Sonne“. Dies war ein Sonnenkult, anlässlich der Wintersonnenwende, an dem der „Sieg des Lichtes“ über die dunkelste Nacht gefeiert wurde. Die Christen, die eine Gegenkultur lebten, nutzten (vielleicht auch aus evangelistischen Gründen) diesen heidnischen Feiertag, um der Geburt ihres Herrn Jesus Christus zu gedenken, der von sich selbst sagte:

Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. 

Johannes 8,12

Auch Maleachi 3,20 konnte von der frühen Kirche als Begründung herangezogen werden, die Geburt Jesu an diesem speziellen Tag zu feiern, da dort vorausschauend vom Messias gesagt wird:

Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und Heilung ist unter ihren Flügeln. Und ihr werdet hinausgehen und umherspringen wie Mastkälber. 

Maleachi 3,20

Ist Weihnachten also ein heidnisches Fest?

Wichtig zu verstehen ist, dass die frühe Christenheit niemals einem heidnischen Sonnenkult folgte, sondern vielmehr aus Gottesfurcht und Freude am neuen Leben durch Christus, diesen besonderen Tag nutzte um den Sieg ihres Erlösers über alle finsteren Mächte zu feiern. 

Mit der Ausbreitung des Christentums und dem Untergang des römischen Weltreiches, verdrängte auch die Feier der Geburt Jesu die heidnischen Bräuche, sodass heute so gut wie niemand mehr an Sol Invictus denkt, wenn vom 25. Dezember die Rede ist. Auch kommt manchmal das Argument, dass mit der Christianisierung Europas heidnische germanische Bräuche Einzug in unsere Weihnachtsfeierlichkeiten erhielten. Hier muss jedoch festgehalten werden, dass der Kern der Weihnachtsbotschaft – nämlich, dass Gottes Verheißungen sich in der Sendung seines Sohnes erfüllten – schon Bestandteil des Weihnachtsfestes war, bevor die ersten christlichen Missionare europäischen Boden betraten (oder den eines anderen Kontinents).

Dass die vielen Völker, die mit dem Evangelium im Laufe der Zeit erreicht wurden, ihre bisherigen Bräuche teilweise ihrem neuen Glauben anpassten ist, sofern sie biblischen Aussagen nicht widersprechen, weniger problematisch (so unterscheidet sich die Art der Musik im christlichen Gottesdienst ja auch von Kultur zu Kultur). Dass es dabei auch bestimmt zum Synkretismus kam (der Vermischung von mehreren Religionen) ist genauso bedauernswert wie das, was wir heute in unserer Gesellschaft erleben, nämlich dass das Weihnachtsfest von der breiten Maße nur noch als ein romantisches Konsumfest angesehen wird, ohne christlichen Inhalt.

Aber – und das ist der Punkt – die wahre christliche Kirche feiert seid jeher, die Geburt ihres Erlösers und Retters Jesus Christus, und nichts anderes. Womöglich wird in den kommenden Jahren die christliche Bedeutung von Weihnachten noch weiter aus dem Blick der Gesellschaft und Öffentlichkeit geraten. Das wäre zwar schade, aber letztendlich wird sich für die wahre Gemeinde Jesu nichts grundlegend ändern. Wir werden weiterhin die Geburt unseres Retters feiern, weil wir nach wie vor davon überzeugt sind, dass es stimmt, was Paulus in 2. Timotheus 1,9-10 über Gott sagte:

Der hat uns gerettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Retters Christus Jesus, der den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

2. Timotheus 1,9-10

So betrachtet ist Weihnachten kein heidnisches Fest, sondern ein Anlass, das Kommen Jesu in diese Welt zu feiern. In diesem Sinne, Frohe Weihnachten!