Gesetzlichkeit vs. Evangelium

Der Begriff „Religion“ hat in den letzten Jahren sehr an Ansehen eingebüßt. Viele haben versucht, die Religion gegen den Glauben auszuspielen, indem sie sagten, dass das Christentum keine Religion, sondern eine Beziehung sei.

Das klingt nett, trifft aber nicht wirklich den Kern der Sache. Glaube und Religion schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich vielmehr. Das Christentum ist eine Religion, die sich auf die Beziehung zu Jesus Christus gründet. Tatsächlich ist das Christentum die einzig wahre Religion in der Welt, weil sie als einzige Religion von dem einzig wahren Gott gegründet wurde. Die christliche Religion ist ein allumfassende Leben des Vertrauens, der Anbetung, der Nachfolge und der Liebe zu Gott und den Mitmenschen, geschaffen durch das erneuernde und kräftigende Werk des Heiligen Geistes. Die christliche Religion basiert auf unserer Beziehung mit Christus, durch das Evangelium, allein aus Gnaden und allein durch den Glauben.

Nichtsdestotrotz ist jede Kritik an Religion angebracht, wenn es sich um eine von Menschen gemachte Religion handelt. Wenn wir in diesem Sinn von Religion sprechen, dann beziehen wir uns entweder auf all die falschen Religionen dieser Welt (wie z.B. den Islam oder den Buddhismus) oder aber wir meinen damit religiöse Bräuche, die Menschen zusätzlich zur Schrift erfunden haben, und die im Grunde nur das Gewissen der Menschen belasten. Diese letztgenannte Variante entsprach zum Beispiel der Religion der Pharisäer und später der Judaisten. Das fundamentale Problem der Pharisäer und Judaisten bestand nicht in ihrem Übereifer für religiöse Wahrheiten, sondern darin, dass sie ihre eigenen religiösen Ansichten zu göttlichen und somit zu verbindlichen Wahrheiten machten! Basierend auf ihren selbstgemachten Regeln beurteilten (und richteten) sie die Herzen anderer und tyrannisierten selbst diejenigen, die Christus bereits freigemacht hatte. Und genau das ist auch das Problem aller Formen von Gesetzlichkeit in unseren heutigen Gemeinden: Wir erfinden Gesetze, rund um Gottes Gesetz; wir versuchen, unsere Vorlieben auf Gottes Prinzipien anzuwenden; wir sagen: „Du darfst nicht!“, obwohl Gott sagt: „Du darfst!“

Gleichzeitig müssen wir aber auch verstehen, was Gesetzlichkeit nicht ist. Gesetzlichkeit bedeutet nicht, Gott und Seinem Gesetz gehorsam zu sein. Gesetzlichkeit bedeutet nicht dem zu gehorchen, was Christus uns befohlen hat. Gesetzlichkeit bedeutet nicht, ein Leben in der Heiligung führen zu wollen. Gesetzlichkeit bedeutet nicht, Gott gefallen zu wollen und Ihn in allem was wir tun zu verherrlichen. Gesetzlichkeit bedeutet nicht, „eifrig zu sein in guten Werken“ und die geistliche Frucht hervorzubringen.

Gesetzlichkeit ist nicht bloß ein fehlgeleitetes Christentum – es ist eine völlig andere Religion! Durch Gesetzlichkeit ziehen wir die Aufmerksamkeit auf uns, während das Evangelium auf Jesus Christus verweist. Bei der Gesetzlichkeit geht es um unsere eigene Ehre, das Evangelium gibt Gott allein die Ehre. Gesetzlichkeit entstammt der Selbstverherrlichung, das Evangelium entstammt aber der Anbetung Gottes. Und die Ironie an der Gesetzlichkeit ist, dass es die Menschen nicht dazu bringt, sich noch mehr anzustrengen, sondern dahin führt, dass sie aufgeben.

Burk Parsons

Burk Parsons ist Senior Pastor der Saint Andrew’s Chapel in Florida sowie der Herausgeber der Zeitschrift Tabletalk.

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