Gedanken über das Sterben

Die Bibel ist das einzige Buch der Welt, das uns Menschen an vielen Stellen und teils sehr präzise über den Tod und das Sterben aufklärt. Kurz nach meinem 84. Geburtstag nahm ich mir die Zeit, jede Bibelstelle nachzuschlagen, die etwas über den Tod und das Sterben sagt; und glaubt mir, es war eine intensive aber sehr lehrreiche Zeit. Nun kann ich mit Isaak sagen: „Siehe, ich bin alt und weiß nicht, wann ich sterbe“ (1. Mose 27,2).

Die christliche Botschaft handelt nicht nur vom Leben, sondern auch vom Tod. Worte wie Sünde, Leben, Tod und Auferstehung haben für den christlichen Glauben eine große Bedeutung. Daher ist es nur gut und nützlich, darüber nachzudenken und sich darauf vorzubereiten.

Laut einer Studie (von 2002) liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 76,9 Jahren. Wenn diese Zahl stimmt, dann wäre ich schon lange überfällig. Doch ich weiß weder die Zeit noch den Ort oder die Umstände meines Todes. Aber eines weiß ich ganz sicher: Ich werde sterben. Wann, wo und wie steht völlig und unabänderlich in dem Plan des Einen, der allein weise ist und alle Dinge in der Welt führt und leitet. Er ist mein liebevoller himmlischer Vater, der niemals einen Fehler macht.

Hiob stellte einmal die Frage: „Sind meine Tage nicht nur noch wenige?“ (Hiob 10,20). So wie Isaak, weiß auch ich nicht den genauen Tag, an dem ich sterben werde, doch ich weiß, dass es schon bald sein wird – mein erschöpfter Körper, meine zitternden Hände, meine schwachen Augen und die 84 Jahre, die hinter mir liegen, sind mir täglich deutliche Warnungen. Da wäre es doch sehr unklug, nicht ernsthaft und sorgfältig über diesen Tag nachzudenken. Und auch die Bibel fordert uns an mehreren Stellen dazu auf, die Dauer unseres Lebens zu beachten und Dinge in Ordnung zu halten, weil es sein kann, dass wir schon bald und unerwartet von der Welt der Sterbenden in die Welt der Lebendigen übergehen. Daher sind der Tod und das Sterben Themen, die jeden von uns betreffen.

Allerdings wäre es auch unklug, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, ohne dabei seine Ursache zu bedenken: die Sünde! „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Römer 6,23). Und es wäre unklug, dieses Thema zu bedenken, ohne dabei die Auferstehung vom Tode zu berücksichtigen, da nur sie dem Gläubigen im Angesicht von Leid und Tod Hoffnung und Mut geben kann.

Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferstanden. Und wenn Christus nicht auferstanden ist, dann wäre unsere Botschaft sinnlos und mit ihr unser Glaube. Zudem würden wir als falsche Zeugen vor Gott befunden werden, weil wir bezeugt haben, dass Gott Christus von den Toten auferweckt hat – was Er aber nicht getan hätte, wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe. Denn wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe, wäre auch Christus nicht auferstanden. Und wenn Christus nicht auferstanden wäre, dann wäre unser Glaube umsonst, wir wären noch immer in unseren Sünden und alle, die im Vertrauen auf Christus gestorben sind, wären dahin. Würden wir daher nur in diesem Leben auf Christus hoffen, so wären wir die bemitleidenswertesten Menschen. Nun ist Christus aber von den Toten auferstanden, als Erstlingsfrucht der Verstorbenen. Denn wie durch einen Menschen der Tod kam, so kommt durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht; jeder nach seiner Ordnung: zuerst Christus als Erstling, und nach ihm alle, die zu Christus gehören, bei seiner Wiederkunft.

1. Korinther 15,13-23

Denn er (Gott) hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er für alle beglaubigte, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat.

Apostelgeschichte 17,31

Ja, wir hatten in uns selbst schon das Todesurteil, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, der uns auch vor dem sicheren Tod errettet hat uns uns weiterhin retten wird. Auf ihn hoffen wir, dass er uns in Zukunft retten wird.

2. Korinther 1,9-10

Der Tod ist das erschreckendste und gravierendste Ereignis, das uns begegnen kann. Daher sollten wir ihm auch die entsprechende Beachtung schenken. Ich möchte einige Bibelverse nennen, die uns dabei helfen sollen.

Gottes Wort sagt uns, dass …

… wir bedenken sollen, dass wir sterbe müssen (Psalm 90,12).

… der Tod als Strafe dient (1. Mose 3,19-24).

… wir den Zeitpunkt unseres Todes nicht kennen (1. Mose 27,2).

… der Tod bitter sein kann, es jedoch nicht sein muss (1. Samuel 15,32).

… Gott das Leben gibt und es nimmt (Hiob 1,21).

… der Tod der Gläubigen in Gottes Augen kostbar ist (Psalm 116,15).

… Gott die Seelen der Gläubigen vom Tode erretten, ihre Augen von Tränen trocknen und ihre Schritte vor dem Fall bewahren und ihnen Leben schenken wird (Psalm 116,8-9).

… für den Gläubigen der Tag des Todes herrlicher ist als der Tag seiner Geburt (Pred 7,1).

… die Liebe stärker ist als der Tod (Hohelied 8,6).

… Gott keine Freude hat am Tod der Gottlosen (Hesekiel 33,17).

… in der neuen Welt kein Tod mehr sein wird (Lk 20,36).

… Gott sich auch durch den Tod seiner Kinder verherrlichen kann (Joh 21,19).

… der Tod keine Macht mehr über Gottes Kinder hat (Römer 6,9).

… unser Herr den Tod besiegt und durch das Evangelium das ewige Leben ans Licht gebracht hat (2. Timotheus 1,10).

… Gott die Macht hat, Tote aufzuerwecken (Hebräer 11,19).

… Christus der Lebendige ist, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt und dass er den Schlüssel (die Autorität) über den Tod und das Totenreich besitzt (Offenbarung 1,18).

… der Tod für alle Ewigkeiten vernichtet werden wird (Offenbarung 20,14 und 21,4).

… die Toten nach ihren Werken gerichtet werden (Offenbarung 20,12).

… alle, die in Christus sterben unter Gottes ewigem Segen leben (Offb 14,13).

… die Feiglinge aber und die Ungläubigen und Frevler und Mörder und Unzüchtigen und Götzendiener und alle Lügner Gottes Gericht – den zweiten Tod – erleiden werden (Offenbarung 21,8).

Der Tag meines Todes wird auch der Tag meiner Befreiung sein. Es gibt viele Dinge, von denen wir erst dann befreit und geheilt werden, wenn Christus als großer Retter wiederkommt. Blinde werden dann das erste Mal sehen, Hörgeräte, Rollstühle, Herzschrittmacher werden dann überflüssig sein, weil die Leiden der gegenwärtigen Welt vorüber sind – doch nicht nur körperliches Leid, auch die Sünde und jeder Überrest derselben wird für immer beseitigt sein und ich werde das erste Mal ein Leben in vollkommener und herrlicher Heiligkeit erleben. Das Werk der Heiligung in mir wird vollendet sein. Daher wird der Tag meines Todes der Beginn eines unübertrefflichen Lebens sein.

Sicherlich ist auch der Tod für Christen ein ernstes Thema. Wer es wagt, über den Tod zu lachen, ist ein Narr. Jeder, der stirbt, muss etwas zurücklassen – in meinem Fall wäre es meine geliebte Familie, meine treuen Freunde, meine Büchersammlung mit Werken von Männern, wie John Bunyan, Martyn Lloyd-Jones, John Owen und viele anderen, die mich geprägt und meinen Glauben gestärkt haben, von denen ich aber glaube, sie auf der anderen Seite zu sehen. Es ist also nichts Ungewöhnliches, wenn einem Christen bei dem Gedanken, sich aus diesem Leben verabschieden zu müssen, Tränen kommen. Doch wir sollten uns vor Augen halten, dass die Bibel uns tröstend verspricht, dass der Tag des Todes besser ist, als der Tag der Geburt (vgl. Prediger 7,1). Denken wir daran, dass der Tod uns nach Hause bringt; in dieser Welt sind wir nur Pilger und Fremdlinge.

Zwei Extreme sollten wir daher unbedingt vermeiden. Zum einen sollten wir uns nicht an die jetzige Welt klammern, und zum anderen sollten wir uns gedanklich nicht in der zukünftigen Welt verlieren. Herr, hilf mir, diese beiden Extreme zu vermeiden, und lass nicht zu, dass ich die Welt so lieb gewinne, dass ich sie nicht verlassen will, aber lass mich sie in einer Weise lieben, die mich bereitmacht, ihr deinem Willen entsprechend zu dienen.

Jetzt, mit 84 Jahren, denke ich sehr viel mehr über den Tod nach als in meinen jungen Jahren. Ich weiß, dass ich den Tod nicht zu fürchten brauche, weil mein Erlöser diesen Weg bereits für mich gegangen ist, und Er wird mir ganz gewiss dabei helfen. Er wartet auf mich und hat sogar eine zukünftige Bleibe für mich errichtet (vgl. Johannes 14,2-3). Sobald mein Tod mich aus dieser Welt herausführt, werde ich meinen Erlöser begegnen, meinem Mittler, meinem Hohepriester, meinem König und meinem Herrn. Dann werde ich erfahren, was der Apostel Paulus meinte, als er sagte: „Sterben ist für mich Gewinn!“ und was Gott durch Jesaja verheißen hat: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten“ (Jesaja 46,4).

Das ist die Botschaft, die ich an jeden richten möchte, der ohne Christus lebt. Und ich werde sie in einer doppelten Frage formulieren, die jeden von uns betrifft: „Hast du je darüber nachgedacht, dass du einmal Gott gegenübertreten wirst, und wenn ja, bist du darauf vorbereitet?“ Wir alle müssen eine Antwort auf diese Frage finden, denn wir alle werden einmal sterben und danach wartet Gottes Urteil auf uns (vgl. Hebräer 9,27). Der Tod ist etwas, vor dem wir nicht davonlaufen können. Also bist du bereit?

Lieber Freund, Gott, der Schöpfer, hat dich zu Seiner Verherrlichung erschaffen und Er wird dieses Ziel auch sicher erreichen – sei es durch Sein Gericht oder durch seine Gnade, durch Gerechtigkeit oder Barmherzigkeit, indem Er dich in Sein Reich des Friedens aufnimmt oder dich aus Seiner Gegenwart verdammt. Gott sei Dank, es gibt Hoffnung für dich! Wenn du dir deiner Schuld vor Gott bewusst bist, sie bereust und zu Christus, dem Erretter, fliehst, dann wirst du im Vertrauen auf Sein Opfer, auf Seine vollkommene Gerechtigkeit und Gnade die Vergebung deiner Sünden und neues ewiges Leben empfangen.

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Ernest C. Reisinger

Ernest C. Reisinger (1909-2004) war über viele Jahre Pastor einer reformiert-baptistischen Gemeinde in Amerika.