Freiheit durch Gottes Weisheit

So bewahrt und tut sie! Denn das ist eure Weisheit und eure Einsicht in den Augen der Völker, die all diese Ordnungen hören. Und sie werden sagen: Ein wahrhaft weises und verständiges Volk ist diese große Nation! 5. Mose 4,6

Die biblische Vorstellung vom Gesetz Gottes ist oftmals weit vom heutigen Verständnis entfernt. Worte wie „Gesetz“ oder „Ordnung“ haben einen negativen Nachklang, da wir damit aufwendige Bürokratie oder unsinnige Verbote verbinden. Doch Gott hatte seinem Volk Gesetze und Anordnungen gegeben, damit die Welt um Israel herum darin die Weisheit Gottes erkennen konnte. Aber wodurch zeichnete sich diese göttliche Weisheit aus? Ich denke vor allem darin, dass Gott in seinem Gesetz Dinge festlegte, die absolut notwendig waren, weil sie Gottes heiligen Charakter und das menschliche Bedürfnis nach Erlösung aufzeigen, während Er in anderen Dingen Freiheit gab. Die Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern veranschaulicht, dass sie Gottes Gesetz überstrapaziert und seines ursprünglichen Sinnes beraubt hatten, indem sie anfingen, Regeln hinzuzufügen, durch die das ganze Leben bis ins kleinste Detail reguliert wurden.

Auch in einigen christlichen Kreisen ist eine solche Gesetzlichkeit ein großes Problem, da Dinge als verbindlich festgelegt werden, über die Gottes Wort selbst nichts sagt. Wir Menschen brauchen beides: sowohl Regeln, die uns Grenzen aufzeigen – da wir nicht unser eigener moralischer Kompass sein können – als auch Freiheit. Das mosaische Gesetz wird beiden Aspekten gerecht. Der Gläubige bekam absolute Verbote an die Hand, aber zugleich erhielt er auch Gesetze in Form von Prinzipien. So war z. B. die Ehe mit Frauen anderer Religionszugehörigkeit verboten. Doch innerhalb der aufgestellten Regel lag es in der freien Entscheidung des Einzelnen, seinen Ehepartner zu wählen. Wir haben viel Grund in dieser Gesetzgebung Gottes gnädiges Wesen zu erkennen. Er gab uns keine Regeln, um unser Leben einzuschränken, sondern um uns einen Rahmen der Freiheit zu geben, in dem wir unsere Persönlichkeit entfalten können.

Als Gottes Volk wollen wir Gottes Weisheit und Gnade in seinem Gesetz erkennen.

Gebet: Unser Vater im Himmel, wir danken dir für dein Wort. Wir brauchen Regeln, damit die Sünde eingegrenzt wird. Doch du willst uns nicht versklaven, sondern uns eine Anleitung zum Leben geben. Hab dank für deine Weisheit und Gnade, die wir in deinem Wort finden. Amen!

Diese Andacht ist ein Auszug aus dem Buch Leben als Gottes Volk – Tägliche Andachten aus den fünf Büchern Mose, dass beim Herold Verlag erschienen ist.

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Andreas Münch

Andreas Münch ist Mitarbeiter der Herold-Schriftenmission. Nebenher studiert er Theologie am Martin-Bucer Seminar. Andreas ist verheiratet mit Miriam und Vater von drei Söhnen.