es tut mir leid

Ein „Es tut mir leid“ ist nicht genug

In unserer Kultur ist unsere erste Reaktion, wenn wir uns etwas zu Schulden kommen lassen, der Satz: „Es tut mir leid!“ Diese Aussage hat nahezu vollständig die biblische Vorstellung von Vergebung verdrängt. Obwohl es ein guter Anfang zur Versöhnung sein kann, reicht der Satz nicht aus, wenn Sünde im Spiel ist. Nur echte Vergebung kann die Sünde zwischen uns beseitigen.

Zu viele von uns gebrauchen diese „Es tut mir leid“-Haltung wenn wir aneinander schuldig geworden sind. Dies wird insbesondere dann zum Problem, wenn die Tragweite und das Ausmaß unserer gegenseitigen Verfehlungen mehr biblische Kraft benötigen, um eine vollständige Wiedergutmachung zu erreichen (vgl. Röm 1,16). Viele Christen, die ich begleitet habe, praktizieren keine biblische Vergebung in ihren Beziehungen. Wenn ich sie darum bitte, mir zu erläutern, wie sie einander vergeben, kommt in nahezu allen Fällen das „es tut mir leid“-Mantra vor.

Eine Illustration von Entschuldigung

Ein „Es tut mir leid“ war niemals dafür gedacht, echte Sünde auszuräumen. „Es tut mir leid“ eignet sich eher für Situationen in denen es nicht um Sünde geht. Wenn ich beispielsweise meiner Frau die Tür vor der Nase zuknalle, weil ich nicht gesehen habe, das sie direkt hinter mir war. In diesem Fall war meine Handlung zwar nicht von Sünde motiviert, aber es war trotzdem ein Problem für sie.

Hier wäre ein „es tut mir leid“ angebracht, um dadurch meine Liebe zu ihr auszudrücken und um zu verdeutlichen, dass es nicht meine Absicht war, ihr weh zu tun. Über einen Fehler traurig zu sein, muss nicht zwangsläufig heißen, dass du Buße tun musst, wenn du nicht gesündigt hast.

Eine Illustration von Vergebung

Peppen wir dieses Beispiel ein bisschen auf. Angenommen, ich war wütend auf meine Frau und wir beide wollen aus dem Zimmer stürmen. Ich gehe zuerst durch die Tür und schlage sie ihr bewusst vor der Nase zu. Jetzt zu sagen, „es tut mir leid“, wäre eine erbärmliche, unvollständige und unbiblische Reaktion. In diesem Moment wollte ich sie aufgrund meines sündigen Zorns verletzen, in welcher Weise auch immer. Jakobus zeigt, dass mein Problem in meinem bösen Herzen liegt, das sich im sündigen Zorn auf meine Frau ausdrückt:

Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher: aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr begehrt und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen; ihr streitet und führt Krieg.

Jakobus 4,1-2

In solchen, einer von der Sünde motivierten Situation, müsste ich sowohl Gott als auch meine Frau aufsuchen, und sie beide um Vergebung bitten, indem ich das Chaos, das ich angerichtet habe, gründlich beseitige. Immer wenn Sünde involviert ist, kann nur die biblische Vergebung das bewirken, was wirklich notwendig ist.

  • Vergebung bringt ins Bewusstsein, dass Sünde begangen wurde.
  • Vergebung ist Teil der Buße.
  • Vergebung befreit den Sünder von seiner Tat.
  • Vergebung gestattet es dem Geschädigten, den Sünder von seinem Vergehen freizusprechen.
  • Vergebung bestätigt das Zeugnis des Evangeliums: Christus starb für unsere Sünden.
  • Vergebung ehrt Gott, indem die Notwendigkeit der Sendung seines Sohnes gesehen wird.
  • Vergebung fördert Demut.
  • Vergebung beseitigt Sünde zwischen zwei Menschen.
  • Vergebung versetzt dem Fortschreiten der Sünde den Todesstoß.
  • Vergebung zeigt anderen, wie man mit Sünde umgehen muss.

Ein „es tut mir leid“ erlaubt es zwei streitenden Menschen nicht, diese Dinge zu erreichen. Stattdessen entzieht ein „es tut mir leid“ der Buße das Leben und die Kraft, während die Schuld ungeklärt bleibt. „Es tut mir leid“ erfordert keinerlei Handlungsbedarf. Es ist lediglich eine Aussage, die keine Antwort des Geschädigten verlangt.

Um Vergebung zu bitten ist etwas völlig anderes als ein „es tut mir leid“. Es erfordert, dass die Beteiligten sich aktiv darum bemühen, die Sünde zu klären und zu beseitigen.

Technisch betrachtet erfordert ein „es tut mir leid“ keine Antwort, weil es zu verstehen gibt, dass die geschehene Tat in den Bereich von „ist nicht so schlimm“ gehört. Die Bitte um Vergebung stellt den Geschädigten in die Verantwortung, auf die Bitte des Schuldigen zu reagieren.

Die Notwendigkeit einer Antwort

Wenn wir zurück zu unserem Beispiel mit der zugeschlagenen Tür kommen, bei dem Sünde – nämlich Zorn – im Spiel war, können wir nun sehen, wie ein „es tut mir leid“ die Sache nicht verbessert. Es ist 1) unbiblisch, 2) nicht befreiend und 3) lieblos, weil echte Sünde zwischen den Beteiligten steht.

Wenn ich meine Frau Lucia nicht um Vergebung bitte, hätte sie nicht die Gelegenheit, mich von meiner Sünde freizusprechen (Dasselbe trifft auf den Herrn zu: Wenn ich Gott nicht darum bitte, mir meine Sünde zu vergeben, wird er mich nicht davon freisprechen. Vgl. 1Joh 1,9).

Der Bereich von Bekenntnis und Vergebung

Ich würde meine Lucia mit meiner Sünde, die ihre Seele beeinträchtigt, allein lassen, ohne ihr dabei die Möglichkeit zu geben, die Angelegenheit zu klären. Sie könnte gewissermaßen die Bereitschaft zur Vergebung haben, wenn sie es für sich mit dem Herrn ausmacht (vgl. Lk 23,34). Aber ohne gegenseitige Vergebung, die die Sünde beseitigt, würde unsere Beziehung angespannt bleiben, was uns davon abhalten würde, echte Gemeinschaft zu genießen.

Zusätzlich dazu, dass Lucia nicht von den Auswirkungen meiner Sünde befreit wird, würde ich ebenfalls nicht davon befreit werden. Wie bei einer Krebszyste in meinem Körper, befände ich mich ständig in tödlicher Gefahr, weil die Kraft des Evangeliums die Sünde niemals neutralisiert hat. Die einzige Lösung besteht für mich darin, dass ich mich vor Lucia und dem Herrn demütige und sie um Vergebung bitte.

Beginne mit einem Bekenntnis

Während unserer gesamten Ehe gab es nicht einen Moment an dem ein „es tut mir leid“ als Entschuldigung ausgereicht hätte, wenn ich gegen sie gesündigt habe. Obwohl ein „es tut mir leid“ ein hervorragender Start in ein echtes versöhnliches Gespräch sein kann, so sollte es doch niemals dieses Gespräch ersetzen. Vergebung muss erbeten und von Gott und Lucia gewährt werden. Und das Gespräch um Vergebung beginnt immer mit einem Bekenntnis.

Deine Sünde einer Person zu beichten bedeutet, mit dieser Person übereinzustimmen, dass deine Tat falsch war. Das Wort „bekennen“ bedeutet „zustimmen“. Du kannst keine biblische Vergebung ohne Sündenbekenntnis erfahren – ohne denjenigen, an denen du schuldig geworden bist, zuzustimmen, dass deine Handlung falsch (d.h. sündig) war.

Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.

1. Johannes 1,9

Die Person, gegen die gesündigt wurde, muss wissen, dass du das Ausmaß deiner Taten verstanden hast. Es muss dir ein Anliegen sein, dass sie verstehen, warum es schrecklich, falsch und nicht zu entschuldigen war, was du getan hast. Alle Betroffenen müssen sich bezüglich der Schuld im Klaren sein.

Es ist so, als sei der Schuldige wie ein Anwalt, der sich selbst für seine Taten zur Rechenschaft zieht. In einer solchen Situation werden halbherzige Entschuldigungen niemals funktionieren. Wurdest du jemals gebeten, jemandem zu vergeben, hast dich dabei aber verwundert gefragt, ob der- oder diejenige wirklich verstanden hat, wie sehr dich ihr Verhalten verletzt hat?

Biblische Vergebung überlässt nichts dem Zufall. Es ist so, als sei die überführte Person auf einer Mission, um von ihrer Schuld befreit zu werden, die nicht eher ruht, bis sie völlige Vergebung von Gott und den Geschädigten erhalten hat. Diese biblische Sichtweise ist der Grund dafür, warum der Schuldige klar und deutlich sagen möchte, wie er seine Schuld betrachtet. Diese Art des Bekenntnisses bringt alle Beteiligten auf denselben Stand – sie alle stimmen überein.

Ein aufrichtiges Bekenntnis bringt alle Beteiligten dazu, dass sie um Vergebung bitten, Vergebung gewähren und Vergebung erhalten. Deshalb ist es so wichtig, Sünde beim Namen zu nennen. Hier ist ein Beispiel, wie so etwas aussehen könnte:

„Lucia, was ich dir angetan habe, war falsch. Ich war zornig, als ich so reagierte. Weder war es im Sinne Gottes noch war es dir förderlich (vgl. Eph 4,29). Was ich gesagt habe, war falsch und hat dich verletzt. Was ich wollte, war mir wichtiger als das, was Gott wollte. Du hast es nicht verdient, so behandelt zu werden. Ich liebe dich und ich bin mir dessen bewusst, was ich getan habe. Wirst du mir vergeben?“

Wann immer du gegen eine Person gesündigt hast, stelle sicher, dass sie sich über drei Dinge im Klaren ist:

  1. Du bist dir deiner Schuld bewusst.
  2. Du weißt um die Auswirkungen deiner Schuld
  3. Deine Bitte um Vergebung ist deutlich.

Ehre das Evangelium

Was ich hier beschreibe, geht weit über eine Entschuldigung oder ein Einfaches „es tut mir leid“ hinaus. Was ich hier beschreibe, führt dich zum Herzen des Evangeliums. Das Evangelium klärt uns darüber auf, dass Sünde real ist und Konsequenzen für den Schuldigen und den Verletzten hat. Das Evangelium sagt uns, dass es Heilung von unseren Sünden gibt.

Aber wir haben gemäß der Bibel eine Verantwortung vor Gott und anderen unser Chaos in Ordnung zu bringen. Wenn wir unsere Sünde nicht bekennen, keine Vergebung für unsere Sünden suchen und andere darum bitten, uns zu vergeben, dann entehren wir dadurch das Evangelium, indem wir dessen Kraft dämpfen und seinen Nutzen herunterspielen.

Der Zweck des Evangeliums besteht darin, Sünder von ihren Sünden zu befreien. Christus kam, um die Gefangenen freizulassen. Dies geschah zunächst bei unserer Errettung und es geschieht auch weiterhin für den Rest unseres Lebens, während wir in der Heiligung voranschreiten. Wenn wir die Einstellung unserer Kultur annehmen, indem wir lediglich „es tut mir leid“ sagen, nehmen wir unbewusst auch „ihren“ Jesus an. Dieser ist nichts weiter als ein guter Mensch, aber nicht der Sohn Gottes, der für unsere Sünden starb.

Als Christen wissen wir es besser und wir sollten auch besser handeln. Hör also auf dich zu entschuldigen und sage nicht, „es tut mir leid“, wenn weitaus mehr notwendig ist. Wenn du gesündigt hast, dann bitte um Vergebung und vergebe freimütig, wenn dich jemand bittet. Das ist die Kraft des Evangeliums, die in dir wirkt.

Fragen zur Reflexion

  • Fällt es dir schwer, deine Sünden zu bekennen und um Vergebung zu bitten? Wenn ja, warum?
  • Neigst du eher dazu, dich mit einem „es tut mir leid“ zu entschuldigen, wenn ein Bekenntnis und die Bitte um Vergebung angebrachter wären?
  • Wie aufrichtig bist du, wenn du jemanden um Vergebung bittest? Machst du es deinem gegenüber leicht, dir zu vergeben, weil du Sünde klar und deutlich beim Namen nennst?
  • Hast du jemals jemandem vergeben, obwohl du seine Aufrichtigkeit anzweifeltest?
  • Würdest du deine engsten Beziehungen als vergebungsbereite Beziehungen bezeichnen?
  • Bekennt man in deinem Zuhause einander die Sünden?

© Rick Thomas. Die Wiedergabe erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Autors.


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