Der Räucheraltar

Viele der Einrichtungsgegenstände der Stifthütte erfüllten einen praktischen Nutzen. Der Leuchter spendete Licht an einem dunklen Ort, während der Tisch einen Ablageplatz für die Schaubrote bot. Unterdessen erfüllte der Räucheraltar den praktischen Zweck, die Luft mit einem angenehmen Duft zu erfüllen.

In vieler Hinsicht waren diese Dinge gewöhnliche Möbelstücke, wenn sie auch aus purem Gold hergestellt, reichlich verziert und eines Königs würdig waren. Bei den täglichen priesterlichen Ritualen waren alle Sinne bedacht: Sehen, Riechen und Schmecken wurde durch den Leuchter, den Räucheralter und den Tisch mit den Schaubroten angeregt, während die Priester bei ihrer Amtsausübung den Klang der Glöckchen an ihrer Kleidung hörten. Die ganze Angelegenheit war als eine göttliche Erfahrung aller Sinne strukturiert und das nicht, weil Gott dieselben Sinne wie wir hätte, sondern als Wertschätzung der Güte Gottes, die Er uns mit unseren Sinnen gegeben hat. Nur das Beste vom Besten war gut genug, um es dem Schöpfer des Universums darzubieten.

Zusätzlich zum praktischen Nutzen und der sinnlichen Erfahrung, erfüllten die Einrichtungsgegenstände in der Stiftshütte eine symbolische Rolle für Gottes Volk. Der siebenarmige Leuchter symbolisierte Gottes Segen, indem er die zwölf Schaubrote beleuchtete, die wiederum die zwölf Stämme Israels darstellten. Der Leuchter selbst war vermutlich eine Miniatur der Feuersäule, die an Gottes Gegenwart während der Wüstenwanderung erinnern sollte. Der Räucheraltar diente dann entsprechend als Gegenstück zum Leuchter, indem er die Wolkensäule symbolisch darstellte.

Des Weiteren symbolisierte der beständig aufsteigende Rauch selbst die Gebete von Gottes Volk, die beständig vor dem Herrn aufstiegen. In der Stiftshütte konnte Räucherwerk nur von dem Priester dargebracht werden, der daher als ein Mittler zwischen Gott und dem Volk diente und deren Gebete symbolisch in die Gegenwart des Allmächtigen brachte. Diese Vorstellung wird in Psalm 141,2 ausgedrückt, wo David zum Herrn betet:

Lass als Rauchopfer vor dir stehen mein Gebet.

Psalm 141,2

Einen bemerkenswerten Verstoß gegen dieses Gebot finden wir in 2. Chronik, wo König Usija ins Heiligtum ging und selbst Räucherwerk darbrachte, entgegen dem Protest der Priester. Anstatt dass Gott daran Gefallen hatte, wurde er mit Lepra geschlagen, was ihn kultisch unrein werden ließ, sodass er zukünftig den Tempel nicht mehr betreten durfte (vgl. 2Chr 26,16-21).

Der Räucheraltar war ebenfalls mit den anderen Opferritualen in Israel verbunden. Wenn, aufgrund des Versagens des Hohen Priesters, ein Sündopfer erforderlich war, dann wurde das Blut des Opfertieres auf die Hörner des Räucheraltars geschmiert und vor ihm ausgegossen (vgl. 3Mo 4,3-7). Ein Sündopfer für die ganze Gemeinde erforderte ein ähnliches Opfer, wobei ein Teil des Blutes auch hier an die Hörner des Altars geschmiert wurde, während der Rest auf dem weniger heiligen Brandopferaltar ausgegossen wurde (vgl. 3Mo 4,13-18). Dennoch waren selbst diese regelmäßigen Sündopfer nicht ausreichend, um die angesammelte Verunreinigung durch die Sünde des Volkes zu tilgen. Um zu verhindern, dass das Land als göttlicher Wohnort ungeeignet wurde, musste der Hohe Priester einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag, ins Allerheiligste gehen. Mit sich trug er Räucherwerk, das ihn in eine geschützte Rauchwolke einhüllte, unter dessen Schutz konnte er das Blut des Reinigungsopfers auf den Gnadenthron der Bundeslade anbringen (vgl. 3Mo 16,12-13).

Während das Räucherwerk ein wesentlicher Aspekt der Anbetung in der Stiftshütte und später im Tempel war, ist es für den Gottesdienst im neuen Bund nicht länger nötig. Im neuen Tempel, der Gemeinde, wurde das alte priesterliche Ritual durch das ersetzt, was es eigentlich symbolisierte: die Gebete der Heiligen (vgl. Offb 5,8; 8,3-4). Wir benötigen nicht länger einen priesterlichen Mittler, der unsere Gebete und Bitten vor Gott bringt, da wir uns im Namen Christi, unserem großen Hohen Priester direkt Gott nahen können. Er ist jedoch nicht nur unser Anwalt: Er selbst ist auch das Opfer für unsere Sünden (vgl. 1Joh 2,2).

Als unser wahrer Hohe Priester hat Er sein eigenes Blut in das himmlische Urbild der Stiftshütte vor dem himmlischen Gnadenthron gebracht und so eine ewige Sühnung für sein Volk erwirkt (vgl. Hebr 9,11-14). Das befähigt uns, fruchtlos vor Gott zu treten, ohne die Überschattung einer schützenden Rauchwolke, sondern sicher durch die Besprengung mit dem Blut Christi als dem Mittler des neuen Bundes (vgl. Hebr 12,24). Der Schreiber des Hebräerbriefes fasst zusammen:

Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht!

Hebräer 12,28

Mögen unsere Dankgebete gleich Räucherwerk täglich zu Gott emporsteigen. 


From Ligonier Ministries and R.C. Sproul. © Tabletalk magazine.

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