Das Wunder des Gebets

Haben Sie sich schon einmal darüber gewundert, dass Gebet existiert? Ich meine, Verwunderung über die Tatsache, dass Geschöpfe mit ihrem Schöpfer reden können. Ganz sicher haben Menschen, die das Gebet nicht für erstaunlich halten, sich niemals (oder zumindest nicht intensiv genug) darüber Gedanken gemacht, welche zwei Parteien sich beim Gebet eigentlicht gegenüberstehen. Denn mein Bild von dem Gott, an den ich mich im Gebet wende, und meine Sicht von mir selbst, sind hierbei sehr entscheidend.

Für viele ist Gott ein herzensguter Kerl, der möchte, dass es uns immer und in allen Lebenslagen so gut wie möglich geht. Das Gebet wirkt dann oft wie ein Versuch, Gott auf die Dinge aufmerksam zu machen, die uns zu unserem Glück noch fehlen und die Seiner Aufmerksamkeit eventuell entgangen sein könnten. Zumindest scheint dies die Vorstellung vieler Menschen zu sein.

Das biblische Gottesbild

Die Bibel gibt uns jedoch ein völlig anderes Bild von Gott. Hier ist Gott der große Herrscher des gesamten Universums, der alles weiß, dem nichts entgeht und dem es auch an nichts fehlt. Tag und Nacht empfängt Er von den Engeln des Himmels unablässig Anbetung und Ehre (vgl. Offb 4,8). Ist es da nicht erstaunlich, dass dieser Gott, der uns weder braucht noch uns gegenüber zu etwas verpflichtet wäre, sich dazu herablässt, mit uns in Kontakt zu treten?

Gebet ist ein wesentlicher Bestandteil vieler Religionen und Kulturen. Und meistens steht es in Verbindung mit großen Bemühungen, die dem Anliegen des Beters vor Gott Aufmerksamkeit verleihen sollen. Trotz aller Askese und Bemühung wissen diese Beter jedoch nie zu einhundert Prozent, ob ihr Anliegen auch wirklich Gehör findet. Die Wirksamkeit der buddhistischen Gebete, die auf Gebetsfahnen geschrieben werden, sind zum Beispiel davon abhängig, dass der Wind sie fort und (hoffentlich) an den richtigen Ort trägt, damit sie dort, mit viel Glück, auf ein offenens Ohr stoßen. Das Drehen fernöstlicher Gebetsmühlen bedarf eines monotonen und anhaltenden Wiederholens eines Gedankens oder Wunsches, damit das „Gebet“ Wirkung zeigen kann. Im Buch „Der kniende Christ“ wird uns von asiatischen Betern berichtet, die sich um eine Götzenfigur versammelnd und sie mit klebrigen Papierkugeln bewerfen. Auf dem Papier stehen die Anliegen des „Beters“, und wenn die Papierkugel an dem Götzen haften bleibt, stehen die Chancen gut, dass das Gebet erhört wird.

Es geht mir nicht darum, auf diese Menschen und ihre Nöte verächtlich herabzusehen. Vielmehr soll dieses Beispiel uns helfen, unsere Wertschätzung des Gebets zu steigern. Warum machen viele heidnische Religionen sich solch eine große Mühe, um mit der göttlichen Welt in Kontakt zu treten? Ganz sicher, weil ihnen bewusst ist, dass das Göttliche für uns Menschen nicht einfach so erreichbar ist. Die Abhängigkeit von göttlicher Macht geht mit einer großen Unsicherheit einher, ob das „Göttliche“ auch willens ist, zu helfen.

Wie anders ist doch der wahre lebendige Gott. So stellt sich Gott in 5. Mose 4 mit den Worten vor:

Denn ein barmherziger Gott ist der HERR, dein Gott. Er wird dich nicht aufgeben und dich nicht vernichten und wird den Bund deiner Väter nicht vergessen, den er ihnen geschworen hat.

5. Mose 4,31

Gott gibt sich seinem Volk im Alten Testament immer wieder in unglaublich vertrauter Weise zu erkennen. Aber vielmehr noch: Er verpflichtet sich selbst dazu, sein Erbarmen nicht von seinem Volk weichen zu lassen und Ihnen zu helfen, wenn sie sich in ihrer Not an Ihn wenden.

Dieses persönliche Erbarmen Gottes beschränkt sich aber nicht auf sein Volk Israel. Schon König Salomo weiß, dass Gott „alle Völker der Erde“ im Blick hat, mit dem Ziel, dass auch sie seinen großen und herrlichen Namen erkennen und Ihn fürchten (vgl. 1Kön 8,41-43).

Daher fordert Petrus auch alle Gläubigen, ganz gleich welcher Herkunft, dazu auf:

Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit, indem ihr alle eure Sorgen auf ihn werft, denn er ist besorgt um euch.

1. Petrus 5,6

Finden Sie diese Tatsachen nicht auch erstaunlich? Dass der große Gott, der alles erschaffen hat, der alle Menschen im Blick hat, auch um mich kleinen, unbedeutenden Kerl besorgt ist? Kann diese gewaltige Wahrheit noch getoppt werden?

Wer darf zu Gott kommen?

Ja, sie kann! Zu Beginn habe ich die Behauptung aufgestellt, dass das Gebet etwas Erstaunliches ist, wenn man sich vor Augen führt, welche zwei Parteien sich beim Gebet gegenüberstehen. Bisher haben wir uns wenig mit Gott, dem Hörer der Gebete beschäftigt. Doch wie steht es um uns? Wem sieht sich Gott gegenüber, wenn Er unsere Gebete hört? Auf diese Frage, wer zu Gott kommen darf, heißt es:

Jeder, dessen Herz und Hände frei von Schuld sind, der keine Götzen anbetet und keinen Meineid schwört.

Psalm 24,4

Und genau hier liegt das Problem. Denn Gott ist nicht nur barmherzig und besorgt um uns, Er ist auch heilig und kann keine Sünde in seiner Gegenwart dulden. Und wir? Keiner von uns hat ein Herz oder Hände, die „frei von Schuld wären“. Die beliebte Vorstellung, Gott würde uns so ansehen wie ein Vater, der seinem süßen Kind gegenüber steht, dem er keinen Wunsch abschlagen kann, ist schlichtweg falsch! Vielmehr sind unsere Voraussetzungen so, wie sie der Prophet Jesaja beschreibt:

Siehe, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören; sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört. Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Sündenschuld. Eure Lippen reden Lüge, eure Zunge spricht Falschheit.

Jesaja 59,2

Dieses schlechte Zeugnis gilt jedem Einzelnen, ohne Ausnahme. Von daher hat auch kein Einziger ein Anrecht auf Gottes Fürsorge, Hilfe oder Beistand. Unsere Schuld besteht nicht nur darin, dass wir falsche Dinge tun, sondern, dass unser Herz das Falsche liebt. Statt Gott, den Schöpfer und Herrscher des gesamten Universums zu verehren, wie es ihm gebührt, dreht sich unser Herz nur um unsere eigene Ehre, unsere Wünsche, unsere Anliegen.

Und genau hier kommt das größte Wunder des Gebets ins Spiel: Der Preis des Gebets!

Denn Gott, der reich ist an Erbarmen, hat um seiner vielen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir [geistlich gesehen] tot waren in unseren Sünden, mit Christus lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr gerettet!

Epheser 2,4-5

Damit Gott sich über Sünder erbarmen kann, ohne zugleich seine Liebe zu Gerechtigkeit und Wahrheit aufzugeben, musste Er den teuersten Preis bezahlen, indem Er Seinen einzigen Sohn, Jesus Christus, in den Tod schickte. Jesus, der Einzige, dessen Herz und Hände frei von jeder Schuld sind, erlitt an unserer Stelle den Tod – die Strafe für unsere Sünden – und schenkte uns seine vollkommene Gerechtigkeit, allein aus Gnade durch den Glauben. Nur so können wir in Gottes Gegenwart treten und auch dort bestehen. Jesus kam nicht auf die Erde, um den Menschen zu sagen, dass Gott gerne Gebete erhört, wenn man ihn nur bittet. Er kam, um uns von unserer Schuld zu trennen, die uns von Gott trennte.

Ein neuer Zugang zu Gott

Wer an Jesus Christus glaubt, dessen Gebete werden nicht auf der Grundlage religiöser Handlungen gesprochen. Wir müssen uns nicht vorher rituell reinigen, Berge erklimmen, Mühlen drehen, bestimmte Orte besuchen oder Ähnliches, um unsere Chancen auf die Erhörung unserer Gebete zu steigern. Durch den Glauben an Jesus kommen wir zu Gott, als zu unserem geliebten Vater, in der Autorität und auf der Grundlage dessen, wer Jesus ist und was Er am Kreuz getan hat. Eine andere und bessere Grundlage als Ihn kann es nicht geben. In Jesus haben wir den perfekten Fürsprecher, die ultimative Autorität.

Da wir nun einen großen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes … So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!

Hebräer 4,14.16

Ist es nicht wundervoll, sich all dieser Wunder des Gebets sicher zu sein!

Gepriesen sei Gott, der HERR, der allein Wunder tut! Ja, gepriesen sei sein herrlicher Name ewiglich, und die ganze Erde sei erfüllt von seiner Herrlichkeit! Amen, ja, Amen!

Psalm 72,18-1
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Benjamin Schmidt

Missionsleiter

Benjamin Schmidt ist verheiratet mit Hanna und Vater von zwei Töchtern und einem Sohn. Er ist Leiter der Herold-Schriftenmission sowie verantwortlich für die Zeitschrift Herold.