Abrahams Nachkommen

„Darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast.“ 1. Mose 22,17-18

Die Verheißungen des Bundes Gottes mit Abraham reichen weit. Drei völlig unterschiedliche und dennoch zusammengehörige Verheißungen bilden das Herz dieses Gnadenbundes: ein Nachkomme, ein Land und ein universaler Segen. Jedes einzelne dieser Elemente erfüllte sich im Herrn Jesus Christus. Daher verwundert die Aussage Jesu nicht, dass Abraham sich über seinen, d.h. Jesu, Tag freute (vgl. Joh 8,56).

Die Verheißung eines Nachkommen

Wie schon bei Adam und Eva, so bildete auch bei Abraham die Ankündigung eines Nachkommens den Mittelpunkt der göttlichen Verheißung. Und Jahre später war dies auch bei David der Fall. Die Verheißung eines gerechten Nachkommen zieht sich wie ein roter Faden durch jede Bundesverheißung. Zugegeben, die Identifizierung des Nachkommens ist zuweilen kompliziert, weil die Verheißung sich manchmal auf mehrere Personen bezieht, ein anderes Mal wiederum auf eine Einzelperson.

Zunächst war dieser verheißene Nachkomme ein leiblicher Nachkomme Abrahams. Gott kündigte an, dass Abraham zu einem Vater vieler Nationen werden würde (vgl. 1Mo 17,5). Sowohl aus der Verbindung mit Hagar als auch mit Ketura gingen Nationen hervor, aber der Nachkomme der Verheißung war Isaak, der Sohn von Sarah. Von Isaak stammen Jakob und später das gesamte Volk Israel ab. Die Entstehung dieser leiblichen Nachkommenschaft war für das Kommen Jesu wesentlich, da Er der Linie Abrahams entstammt. Aus Israel kam der Christus „nach dem Fleisch“ (Röm 9,4-5). Es musste diese irdischen Nachkommen geben, damit Gottes Christus kommen konnte. Israel, als Abrahams direkter Nachkomme, war das Mittel, durch das sich die messianischen Verheißungen Gottes erfüllen sollten.

Doch darüber hinaus handelte es sich dabei auch um geistliche Nachkommen. Die Verheißung Gottes, dass die Nachkommen Abrahams zahlreicher sein würden als die Sterne am Himmel und der Sand am Meer, ging weit über seine leiblichen Nachkommen hinaus. Jesus verdeutlichte, dass die leibliche Abstammung von Abraham nicht automatisch mit der geistlichen identisch war (vgl. Joh 8,39). Dasselbe thematisiert Paulus, wenn er sagt, dass nicht alle aus Israel auch wirklich Israeliten sind (vgl. Röm 9,6-8). Die wahren Kinder Abrahams zeichnen sich durch ihren Glauben aus (vgl. Gal 3,7). Die Nationalität ist irrelevant. Die Zugehörigkeit zu Christus macht einen zu einem wahren Nachkommen Abrahams und zum Erben der Verheißung (vgl. Gal 3,29).

Doch am bedeutsamsten ist, dass der ultimative Nachkomme Christus selbst ist. Obwohl das Wort, das mit „Nachkomme“ oder „Same“ übersetzt wird, sich sowohl auf eine Anzahl von Menschen als auch auf eine Einzelperson beziehen kann, ist es hier in der Einzahl geschrieben – „der Same“. Als Paulus seine inspirierte und messianische Interpretation der Verheißung an Abraham niederschrieb, formulierte er bewusst: „Er spricht nicht: ‚und seinen Nachkommen‘, wie bei vielen, sondern wie bei einem: ‚und deinen Nachkommen‘, und der ist Christus“ (Gal 3,16). Mit gutem Grund beginnt das Neue Testament damit, dass es uns Jesus sowohl als den Sohn Davids als auch den Sohn Abrahams vorstellt (vgl. Mt 1,1).

Die Verheißung des Landes

Auch die Verheißung des Landes war eine Schlüsselkomponente des abrahamitischen Bundes, und auch sie ist sowohl irdischer als auch geistlicher Natur. Zunächst bezog sich das Land auf ein reales, geografisches Territorium. Dennoch beinhaltete die Landesverheißung eine geistliche Botschaft, die weit über die geografischen Grenzen hinweg reicht. Das verheißene Land war ein Symbol für die Freude an der Ruhe in der Gegenwart Gottes. In diesem symbolischen Sinne weist uns das Land auf Jesus hin, der uns eine geistliche Ruhe bringt und uns mit Gott versöhnt (vgl. Mt 11,28 und Kol 1,22). Während es im Alten Testament einen „Jesus“ (gemeint ist Josua) gab, der für das Volk die irdische Ruhe in Form des Landes errang (vgl. Hebr 4), ist Jesus das Ideal. Er bringt Sein Volk aus allen Generationen und Orten in die verheißene Ruhe. Die Aussage, dass die Nachkommenschaft „das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen“ wird, bedeutet lediglich, dass die Feinde die Ausbreitung der Nachkommenschaft nicht stoppen kann. Um es mit der Sprache des Neuen Testamentes zu sagen: Christus wird seine Gemeinde bauen und nicht einmal die Pforten der Hölle können dies verhindern.

Die Verheißung universellen Segens

Dass Gott Abraham segnen und durch seine Nachkommen die ganze Erde segnen würde, richtet die Verheißung direkt auf Christus. Das Einzige, was an den Nachkommen Abrahams in irgendeiner Weise als Segen für die ganze Welt ausgelegt werden kann, ist Jesus, der ultimative Nachkomme der Verheißung. Paulus gab uns, vom Heiligen Geist geleitet, eine geistliche Deutung des abrahamitischen Segens als er sagte, dass Christus zum Fluch wurde, indem er an einem Kreuz hing, „damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen komme“ (Gal 3,13-14). Dies hebt ein zentrales messianisches Thema des Alten Testaments hervor: die Verheißung des Messias war niemals nur eine jüdische Verheißung. Der einzige Anspruch, den Abrahams irdische Nachkommen an Christus stellen konnten war, dass er aus derselben Linie stammte wie sie (vgl. Röm 9,4-5). Abrahams Linie war dazu auserwählt, dass der Messias durch sie in die Welt kommen sollte, aber alle Nationen der Erde profitieren von dem Messias. Letztendlich beschränkt sich der Bund Gottes mit Abraham auf eine einzige Person, durch die jedoch Gottes Gnade zu allen Geschlechtern der Erde kommt (vgl. 1Mo 12,1-3).

© Ligonier Ministries @ Tabletalk Magazine. Die Wiedergabe erfolgte mit freundlicher Genehmigung.