Neben Johannes 3,16 gehört der 23. Psalm eindeutig zu den bekanntesten und beliebtesten Abschnitten der ganzen Bibel. Viele von uns haben ihn bereits im Kindesalter auswendig gelernt. Und ohne jeden Zweifel wurde dieser Psalm auch in den meisten Krankenzimmern, an nahezu allen Sterbebetten und auf Beerdigungen zitiert. Und auch in der Musik, in der Kunst, in Romanen und Filmen taucht dieser beliebte Psalm unzählige Male auf. Und tatsächlich ist dieser Psalm besonders bei Christen so beliebt, weil er auf schlichte und doch wunderschöne Weise das Vertrauen in Gottes Güte behandelt, und weil Jesus sich selbst als der gute Hirte zu erkennen gibt, der uns auf unserem Lebensweg begleitet und uns auch in den Tälern der Todesschatten nicht alleine lässt.

Der Hirte und seine Schafherde waren für die Menschen zur Zeit des Alten und Neuen Testaments ein sehr vertrautes Bild. Ganz sicher hatte David, als er diesen Psalm schrieb, seine eigenen Erfahrungen als Hirte vor Augen: wie er sich um seine Schafe sorgte, sie beschützte und sogar sein Leben für sie riskierte (vgl. 1Sam 17,34-35). David wusste, was es heißt, Schafe zu hüten. Und so schrieb er Gott ein Loblied, in dem er Gott als den wahren Hirten seines Volkes bildlich darstellt.

Charles Spurgeon weist darauf hin, dass der 23. Psalm nicht zufällig an dieser Stelle im Buch der Psalmen steht. Denn der 23. Psalm „folgt dem 22. [Psalm], dem Psalm des Kreuzes. Dort gibt es keine grünen Weiden, keine stillen Wasser. Erst nachdem wir die Worte ‚Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!‘ betrachtet haben, können wir uns dem ‚Der Herr ist mein Hirte‘ zuwenden. Wir müssen wissen, wie hoch der Preis war und welches Leiden unser Hirte erdulden musste, ehe wir in der Lage sind den Trost seiner Führung und seines Schutzes zu erfahren.“ Spurgeon hat so Recht damit! Dieser Psalm hat nur dann einen Sinn, wenn wir uns auf den Hirten konzentrieren und nicht auf das Schaf (wie es leider manche modernen Prediger gerne tun!).

Wie viele Christen haben in diesem Psalm ihren größten Trost in den härtesten Stunden erlebt. Wie viele von ihnen haben erkannt, dass der wahre Trost dieses Textes darin liegt, dass Christus selbst unser Hirte ist, der uns im Leiden vorausgegangen ist, der alles auf sich nahm, damit wir in Gottes ewigem Reich der Herrlichkeit unter Seiner Gegenwart leben dürfen (vgl. Offb 7). Es steckt so viel mehr im 23. Psalm und in der Darstellung des guten Hirten als diese sechs Verse.

Die Tiefe dieses Psalms sehen wir, wenn wir uns dem Geschehen in Johannes 10,1-18 zuwenden. Nachdem Jesus in eine hitzige Diskussion mit den Pharisäern verwickelt ist und Er ihnen ohne Umschweife sagt, dass ihre Sünde für immer auf ihnen bleiben würden, sofern sie nicht an Ihn als den Messias glaubten, greift Er nun das Thema des guten Hirten auf – wohlwissend, dass nicht nur im 23. Psalm, sondern auch in einigen prophetischen Schriften der gute Hirte auf Gott selbst bezogen war, als den Hüter Israels – und wendet diese Bezeichnung auf sich an: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirte der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme, und er ruft die eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. Wenn er die eigenen Schafe aller herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie fliehen vor ihm, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen …“

Jesu Worte sind bildlich und doch sehr deutlich: Alle, die vor Ihm kamen, waren Diebe und Räuber, aber die wahren Schafe haben nicht auf sie gehört. „Ich bin die Tür“, sagt Jesus. „Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ Und alles, wovon wir im 23. Psalm lesen, bezieht Jesus dann auf sich selbst. Er ist der gute Hirte, von dem David sprach. Er ist es, der uns auf grüne Weiden führt. Er gibt uns Leben im Überfluss. Und Er fährt fort mit den Worten: „Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe“ (V. 14-15). Dieselbe Vertrautheit und Abhängigkeit, die David gegenüber JAHWE empfand, wenn er Ihn „mein Hirte“ nennt, besteht auch zwischen denen, die Christus „meine Schafe“ nennt und deren Hirte Er ist. Wer Christus wirklich zum Hirten hat, wer wirklich Christi Schaf ist, der kennt Christus durch den Glauben und der ist Christi Eigentum, erkauft durch das Blut Jesu zur Erlösung von den Sünden.

Gegen Ende des Neuen Testaments finden wir diese Vertrautheit und Abhängigkeit der Erlösten zu ihrem Erlöser erneut in wundervoller Weise durch Johannes dargestellt:

„Danach sah ich: Und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmenzweigen in ihren Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme: Das Heil ist bei unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm!“

Johannes sieht hier die große Schar der Erlösten, die für immer im Hause des HERRN bleiben und denen Güte und Barmherzigkeit folgen alle Tage ihres Lebens. Dann berichtet Johannes weiter:

„Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und die vier lebendigen Wesen, und sie fielen vor dem Thron nieder auf ihre Angesichter und beteten Gott an und sprachen: Wahrlich! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank und Ehre und Macht und Stärke gebührt unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Und einer von den Ältesten ergriff das Wort und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind, und woher kommen sie? Und ich sprach zu ihm: Herr, du weißt es! Und er sprach zu mir: Das sind die, welche aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes.“

In diesen Versen wird Johannes und uns gesagt, wer diese mit weißen Gewändern Bekleideten sind: Es sind die, welche durch das Tal der Todesschatten gegangen sind. Ihr Hirte war stets an ihrer Seite, bei jedem ihrer Schritte. Und Er hat sie sicher durch das dunkle Tal in das Licht der Herrlichkeit geführt. Nun dürfen sie, mit weißen Gewändern bekleidet und reingewaschen von ihren Sünden, durch das Blut ihres Erlösers vor Ihm stehen.

„Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nie mehr hungern und nie mehr dürsten; auch wird die Sonne nie mehr auf ihnen lasten noch irgend eine Hitze; denn das Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu lebendigen Wasserquellen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offb 7,9-17).

Das Lamm, das sein Blut für uns vergossen hat, ist der gute Hirte aus Psalm 23: Christus, der sein Leben ließ für seine Schafe! In Gottes ewigem Reich werden wir niemals mehr hungern oder dürsten, denn Christus wird uns weiden und zu lebendigten Wasserquellen leiten; Er deckt den Tisch für uns! Wir werden Ruhe finden im Schatten der Güte Gottes, wo die Macht des Todes für immer gebrochen sein wird und alle Tränen von unseren Augen abgewischt werden. Weil Jesus Christus mein Hirte ist, werde ich bleiben im Hause des HERRN immerdar, und nur Güte und Barmherzigkeit werden mir folgen alle Tage meines Lebens – in Ewigkeit!

 

Riddlebarger

 

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