„Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet bin; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen bin. Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben; eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist, und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.“ (Phil 3,12-14).

Dieser sehr bekannte Text enthält viele praktische Lektionen für uns. Drei Lektionen möchte ich herausgreifen. Diese sollten wir uns zu Herzen nehmen und in unserem Leben anwenden.

 

  1. Von Christus ergriffen sein heißt, Christus nachzujagen.

Paulus sagt uns hier, dass Jesus Christus in sein Leben gekommen ist und von ihm Besitz ergriffen hat. Er hat Paulus zu Seinem Eigentum gemacht und ihn für Sich und Seine Ziele in Anspruch genommen. Eine vergleichbare Aussage finden wir auch in Galater 2,20, wo Paulus sagt: „… nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“ Hier erklärt Paulus ganz klar, dass das Fundament, um von Christus ergriffen zu sein, darin besteht, dass Christus für ihn gestorben und ihn mit Seinem kostbaren Blut als Eigentum erkauft hat. Paulus weiß: Ich gehöre Jesus. Er hat mich erlöst, ich bin ganz Sein! Paulus hat dies erlebt und er war von Christus ergriffen. Die Frage ist, hast du das auch erlebt? Bist auch du von Jesus ergriffen? Hat Er dich gepackt? Hat Jesus Christus dich erfasst? Ist das, was du über Jesus hörst und von Ihm weißt, für dich herzergreifend? Hat Er dich in Seinen Bann gezogen, mit Seiner Herrlichkeit, mit Seiner unvergleichlichen Größe und Erhabenheit, mit Seiner unendlichen Gnade, mit Seiner unübertrefflichen Liebe, die Er am Kreuz bewiesen hat? Hat Er dich mit Seiner Weisheit, mit Seiner ganzen Person, mit all Seinen Werken gepackt? Bist du von der Tatsache ergriffen, dass der, der in Gottes Gestalt war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein. Dass Er sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch erfunden wurde, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod am Kreuz? Hat dich das in Beschlag genommen? Bist du von diesem Jesus Christus so gepackt, dass du nicht ohne Ihn leben könntest und wolltest? Ganz gleich, wohin du auch vor Ihm fliehen und dich vor Ihm verstecken würdest, du weißt genau, dass der Gedanke an Jesus dich nicht mehr loslässt? Ja, und du weißt auch: Du willst gar nicht vor Ihm weglaufen! Du kannst es nicht verdrängen, du kannst es nicht ignorieren: Dieser Jesus hat dich ergriffen und Er wird dich nicht mehr loslassen! Er hat dein Herz erobert! Ist dies bei dir der Fall? Ist dir Jesus so begegnet, dass du Ihn nicht mehr loslassen kannst und es auch nicht mehr willst?

Wenn dies nicht auf dich zutrifft, dann bete ich, dass Seine mächtige Hand dich heute ergreift, sodass auch du von dir sagen kannst: „Ich bin von Christus ergriffen!“, dass du nicht einfach kühl und herzlos diese Botschaft hörst, sondern dass es dich in deinem Inneren aufrüttelt, dass du Jesu Stimme in deinem Herzen hörst, die zu dir sagt: „Du bist mein! Du gehörst nicht länger dir selbst. Du lebst für mich und zu meiner Ehre!“

Doch woran merkst du, ob du wirklich von Christus ergriffen bist? Ein Merkmal dafür finden wir in Paulus‘ Aussage: „… ich jage ihm nach, damit ich es auch ergreifen möge …“ (Phil 3,12b). Ein Mensch, der von Christus ergriffen ist, der wird auch Christus ergreifen wollen. Paulus vergleicht sich hier mit einem Athleten, der in der Laufbahn rennt, der das Ziel im Visier hat, das er um jeden Preis erreichen will. Das Ziel, das Paulus vor Augen hat, ist die unendliche und vollkommene Gemeinschaft mit Jesus Christus – frei von Sünde, frei von Schwächen, frei von allem, was die Gemeinschaft mit Christus betrüben könnte. Das ist es, wonach sich Paulus ausstreckt. Das ist es, was er von ganzem Herzen, mehr als alles andere will, denn er liebt seinen Herrn! Jesus ist sein ein und alles. Und daher strebt er mit aller Kraft diesem einen Ziel entgegen: Jesus allein! Paulus geht es hier nicht um die goldenen Gassen; er visiert nicht die Perlentore des himmlischen Jerusalem an, er will seinen Erlöser, „den, der mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben hat“ (Gal 2,20). Er, Christus, ist es, um den es Paulus geht! Wenn Jesus Christus dich wirklich ergriffen hat, dann wirst auch du Ihn ergreifen wollen!

 

  1. Von Christus ergriffen sein heißt, Christi Vollkommenheit nachzujagen.

Aber warum sehnt Paulus sich so sehr nach Christus? Warum ist Christus für ihn das höchste und größte Ziel?

Ein Grund dafür ist, dass Paulus um seine eigene Unvollkommenheit weiß und Christus und Seine Vollkommenheit nötig hat: „Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet bin; ich jage ihm aber nach […] Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben“ (Phil 3,12a+13a). Paulus bekennt, dass er noch lange nicht am Ziel angekommen ist. Er hat die Vollkommenheit noch nicht erreicht. Vor ungefähr dreißig Jahren war ihm der auferstandene Christus begegnet und hatte ihn in den Dienst als Verkündiger Seines Evangeliums berufen. Seit dreißig Jahren befand sich Paulus im Wettlauf auf Christus hin – im Wettlauf der Heiligung –, mit dem Ziel, Christus immer ähnlicher zu werden, zu Christi Vollkommenheit zu gelangen, um diese ungetrübte Gemeinschaft mit Ihm zu haben. Und in dieser Zeit hat Paulus vieles getan und erlebt. Kaum jemand kannte Gottes Wort so gut, wie er, kaum jemand hatte vor so vielen Menschen die Herrlichkeit Christi verkündigt. Er hatte Tag und Nacht für die Geschwister gebetet, gekämpft und gelitten. Er wurde gefangengenommen, ins Gefängnis gesteckt, durfte Wunder erleben und selber Wunder tun. Einmal wurde er sogar in den Himmel entrückt. Und doch bekennt Paulus, dass er noch nicht vollkommen ist. Mit wem vergleicht er sich hier? Wer ist sein Maßstab für Vollkommenheit? Natürlich niemand anderer als der wahrhaftig vollkommene Jesus Christus.

Stellen wir uns vor, ein Urwaldbewohner, fernab von jeder Zivilisation, betrachtet seine Lehmhütte und vergleicht sie mit der Lehmhütte seines Nachbarn. Er kommt zu dem Schluss, dass seine Lehmhütte ein vollkommenes Meisterwerk der Architektur ist. In seinen Augen kann es nichts Vollkommeneres geben als diese Hütte. Das Problem dabei ist aber, dass er bisher nichts Größeres als diese Lehmhütten gesehen hat. Doch was geschieht, wenn dieser Mann aus seinem Umfeld herausgenommen und direkt vor die Skyline von New York gestellt wird. Glaubst du, er wird sich noch seiner Lehmhütte rühmen? Wenn Paulus von Vollkommenheit spricht, dann weiß er, dass Christus der alleinige Maßstab für Vollkommenheit ist. Und im Vergleich mit Christus ist Paulus durch und durch unvollkommen, er ist noch lange nicht am Ziel. Er ist ehrlich mit sich selbst, denn er weiß, wie sehr er sich noch von Christus unterscheidet!

Wie steht es um dich? Erkennst du deine Unvollkommenheit an? Doch unsere Unvollkommenheit beschränkt sich nicht bloß auf unsere Erkenntnis – ja, es gibt noch sehr vieles, das wir nicht wissen und noch erkennen müssen (vgl. 1 Kor 13,9). Sie beschränkt sich nicht nur auf unser Verhalten – denn wir alle begehen Fehler, handeln lieblos, übersehen andere (vgl. Jak 3,2). Diese Dinge allein zeigen schon, dass wir einen weiten Weg zur Vollkommenheit vor uns haben. Doch unsere Unvollkommenheit zeigt sich auch in den Dingen, die wir tun sollten, aber nicht tun (vgl. Jak 4,17). Unsere Unvollkommenheit umgibt uns Tag für Tag, Stunde um Stunde, in fast jedem Bereich unseres Lebens. Um diese Unvollkommenheit einzugestehen, genügt nicht nur die Feststellung: „Nun, keiner von uns ist perfekt!“ Nein, wir brauchen dieselbe Einsicht, die auch Paulus hatte, dessen Erkenntnis der eigenen Unvollkommenheit eine heilige Unzufriedenheit in ihm weckte, sodass er sich nach der Vollkommenheit Christi sehnte! Paulus wollte nicht dort stehenbleiben, wo er war, er wollte Christus immer ähnlicher werden.

Glaube daher nicht, wenn du täglich die Bibel liest, betest und regelmäßig den Gottesdienst besuchst, grobe Sünden vermeidest, versuchst, dich zu beherrschen und freundlich zu allen bist, du seist damit schon am Ziel. Spurgeon hatte völlig recht, als er sagte: „Du bist nicht reif, wenn du eine hohe Wertschätzung von dir selbst hast. Wer sich selbst rühmt, ist nur ein Säugling in Christus, wenn er überhaupt in Christus ist. Junge Christen mögen viel von sich denken, doch Christen, die wachsen, halten nichts von sich selbst. Reife Christen wissen, dass sie noch weniger als Nichts sind. Je heiliger wir sind, umso mehr werden wir trauern über unsere Schwächen und umso bescheidener ist auch unsere Selbsteinschätzung.“

Paulus hatte eine realistische Selbsteinschätzung. Er wusste um seine eigene Unvollkommenheit. Doch dabei handelte es sich keineswegs um Selbstmitleid, denn Selbstmitleid ist nichts weniger als eine Form verkappten Stolzes. Für Paulus war seine Unvollkommenheit ein Ansporn dafür, sich nach der Vollkommenheit Christi auszustrecken. Und Paulus war damit nicht allein. Der Apostel Johannes schreibt in seinem ersten Brief an die Gemeinde: „Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie auch jener rein ist“ (1 Joh 3,2). Johannes sagt, hier, dass jeder, der seine Hoffnung auf Christus setzt, jetzt schon damit anfangen wird, sich zu reinigen, jetzt schon alles geben wird, sich jetzt schon danach ausstrecken wird. Wenn du von Christus ergriffen bist und dich nach seiner Vollkommenheit sehnst, dann wirst du jetzt schon an deiner Unvollkommenheit arbeiten, die du so sehr verabscheust. Ja, wir sind vollkommen heilig gemacht in Jesus Christus, aber wir sind noch lange nicht vollkommen in unserer Heiligung. Darum sei jetzt schon ein demütiger und lernender Jünger, der nicht seine guten Taten hervorhebt, sondern seine Unvollkommenheit, seine Schwächen, seine Sünden bekennt und andere auf Christi Vollkommenheit hinweist.

Zeuxis von Herakleia war einer der berühmtesten Maler der Antike. Es wird berichtet, dass er besonders realistische Gemälde erschuf. Eines Tages malte er ein Bild von einem Jungen mit Trauben in der Hand. Zeuxis wurde von den Menschen sehr für dieses Werk gerühmt, denn man sagte, die Trauben in der Hand des Jungen wirkten so echt, dass sich sogar Vögel auf dem Bild niederließen, um sie zu essen. Doch Zeuxis war trotz dieses Lobs sehr unzufrieden. Er sagte: „Wären nicht nur die Trauben, sondern das ganze Bild so realistisch, dann würden die Vögel es nicht wagen sich dem Jungen zu nähern, um die Trauben aus seiner Hand zu essen.“

Was möchte ich mit dieser Geschichte sagen? Es ist möglich, dass einige Bereiche in deinem Leben sehr vorbildlich wirken; aber du weißt doch sehr gut, wie viel Unvollkommenheit in dir selbst existiert und dass du keinen Grund hast, auf dich selbst stolz zu sein. Deshalb gib dich niemals zufrieden mit den Fortschritten, die du in der Heiligung machst, sondern halte dir Christus vor Augen und jage Ihm nach!

Lass dich andererseits jedoch nicht von deiner Unvollkommenheit herunterziehen. Es kann sehr schnell geschehen, dass man frustriert ist, wenn man sich, sein eigenes Verhalten und die eigenen geistlichen Erfolge mit anderen vergleicht. Meine Frau und ich waren einmal gemeinsam in Tschechien im Urlaub und machten eine Radtour. Und plötzlich, ehe wir uns versahen, waren wir in ein professionelles Radrennen hineingeraten. Das war eine sehr peinliche Situation, denn an uns sausten viele Radfahrer vorbei, während wir, völlig außer Puste, vor den Augen aller Zuschauer unsere Fahrräder neben uns herschoben.

Ein ähnliches Gefühl kann uns befallen, wenn wir das Gefühl haben, alle um uns herum seien viel besser als wir, viel erfolgreicher, viel geistlicher. Und während wir geistlich gesehen noch mit Stützrädern unterwegs sind, rasen sie an uns vorbei. Ich glaube, den meisten von uns geht es so, wenn wir das Leben des Apostel Paulus betrachten, wenn wir Biografien von Glaubensvätern lesen, die wir bewundern. Aber wozu soll uns das führen? Soll uns das herunterziehen und frustriert zurücklassen? Oder sollte es uns nicht vielmehr dazu treiben, Christus noch intensiver nachzujagen? Unsere Unvollkommenheit hat den Zweck, dass sie uns noch näher in die Gegenwart und Abhängigkeit des vollkommenen Jesus treiben soll! Wenn der Heilige Geist dir deine Unvollkommenheit vor Augen führt, dann nur, damit du Jesus, den vollkommenen Erretter suchst und ergreifst!

 

  1. Von Christus ergriffen sein heißt, das zu vergessen, was hinter uns liegt.

„… eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten ist, strecke mich aber nach dem aus, was vorn ist und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus“ (Phil 3,13b-14).

In diesem Vers sehen wir, welche Auswirkung die realistische Selbsteinschätzung des Paulus auf sein Leben hat: Es bewirkt ein Ausstrecken nach dem, wozu Gott ihn in Christus berufen hat, und ein Vergessen dessen, was ihm in der Vergangenheit so wichtig und erstrebenswert schien. Kein erfahrener Läufer würde in der Rennbahn einen Blick nach hinten werfen. Er weiß, dass dieses Zurückblicken ihn behindern und eventuell sogar zu Fall bringen wird. Es gibt gewisse Dinge aus der Vergangenheit, die wir unbedingt hinter uns lassen sollten, wenn sie uns davon abhalten, Fortschritte im Glauben zu machen. Das können Erfolge sein, aber auch persönliches Versagen. Paulus hätte zurückblicken und sagen können: „Ich habe mehr als zehn Gemeinden gegründet, viele tausend Predigten gehalten, …“ und er hätte dort stehenbleiben und sich darauf ausruhen können. Aber er vergisst, was hinter ihm liegt und streckt sich aus nach vorne.

Dieser Vers erinnert mich an einen Glaubensbruder, den ich vor längerer Zeit besuchte. Er war Mitbegründer eines christlichen Werks und erzählte mir, wie viel er in der Vergangenheit mit Gott erleben durfte. Und während er dies erzählte, strahlte er voller Freude. Aber dann hielt er inne und berichtete mir, wie es derzeit bei ihm aussieht, dass er sich gerade im Scheidungsprozess befand und es in seinem Glaubensleben einfach keinen Fortschritt mehr gab. Es war erschütternd zu sehen, dass sein Leben mit Gott scheinbar regelrecht verstaubte, weil er an einem Punkt aufgehört hatte in der Rennbahn zu laufen.

Wie steht es um dich? Hältst du dich an dem fest, was hinter dir liegt? Vielleicht kannst du von deinem wundervollen Bekehrungserlebnis berichten – aber welchen Wert hat es, wenn du heute nicht Jesus Christus nachfolgst? Welchen Wert haben deine Tränen, die du bei deiner Bekehrung vergossen hast, wenn du heute nicht über deine Sünde weinst? Welchen Wert hat es, dass du damals brennend warst im Geist und voller Liebe, wenn du heute kalt bist und nicht sagen kannst, dass Christus dein Herz ergriffen hat? Ruh dich nicht aus auf den Dingen, die du in der Vergangenheit erlebt hast.

Doch das betrifft nicht nur die Erfolge, sondern auch dein Versagen in der Vergangenheit darfst du getrost hinter dir lassen. Das heißt nicht, dass du aus deinem Denken alles ausradierst, denn wir wissen, dass Paulus häufig seine vergangenen Gräueltaten als Verfolger der Gemeinde Jesu erwähnte. Aber das, was in der Vergangenheit geschehen ist, darf dich nicht darin lähmen, Jesus Christus heute mit ganzem Herzen nachzufolgen. Es gibt Dinge in deinem Leben, bei denen du richtig versagt hast, bei denen du andere – und bestimmt auch dich selbst – richtig enttäuscht hast, wo du richtig tief in Sünde gefallen bist. Vielleicht sind es Dinge, die dich noch heute belasten. Vergiss all das. Lass die Vergangenheit vergangen sein. Denke nicht, dass dein Versagen dich in der Nachfolge, in deinem Wettlauf disqualifiziert. Dein Versagen von gestern darf dein Bestreben von heute nicht behindern – im Gegenteil! Wenn du solch große Fehler und Sünden in der Vergangenheit begangen hast, dann gibt es nur eine Richtung, in die du gehen solltest: Strecke dich nach vorne, nach Christus aus, dem vollkommenen Opfer für all deine vergangenen, gegenwärtigen und auch zukünftigen Sünden. Vielleicht gibt es bestimmte Sünden in deinem Leben, gegen die du fortwährend kämpfst aber immer wieder versagst? Vielleicht kämpfst du gegen Pornografie und fällst so oft, dass du dich fragst: „Macht es überhaupt Sinn, wieder aufzustehen und den Kampf immer wieder auf mich zu nehmen?“ Vielleicht ist deine Zunge das Problem, du sagst viele falsche unbedachte Dinge und möchtest am liebsten aufgeben? Gib nicht auf! Renne den guten Lauf bis zum Ziel!

Aber was macht Christus mit unseren Unvollkommenheiten? Erträgt Er sie? Nein, mehr als das: Er trägt sie! Er hat nicht nur die Strafe für unsere Unvollkommenheiten auf Sich genommen, sondern Er trägt uns auch bis zum Tag unserer Vollendung und verändert uns! Er hat uns nicht nur gerechtfertigt, Er heiligt uns auch und Er wird uns verherrlichen! Paulus erwartet hier keine Vollkommenheit von anderen durch ein Fünf-Schritte-Programm oder ähnliches. Er weiß, dass wahre Vollkommenheit nur durch die Person und das Werk Jesu Christi zu erlangen ist, und deshalb streckt er sich nach Christus aus und möchte, dass auch andere sich nach Ihm ausstrecken. Deshalb fordert Paulus uns auf: „Doch wozu wir gelangt sind, zu dem lasst uns auch halten!“ (Phil 3,16). Es macht keinen Sinn, auf der Hälfte des Weges umzukehren und einen anderen Weg einzuschlagen. Wie wir unseren Weg zur ewigen Herrlichkeit allein durch die Gnade Gottes in Christus begonnen haben, so müssen wir ihn auch bis zum Ende laufen.

Gottes Wort sagt: „Aber der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, heller und heller erstrahlt es bis zur Tageshöhe“ (Spr 4,18). Das bedeutet, so wie die Morgensonne aufgeht – und es Stück für Stück heller wird –, so ist der Lebenswandel eines Gerechten. Er ist nicht gleich taghell, er ist nicht gleich vollkommen, aber Schritt für Schritt wird er heller. Und es kommt der Tag, an dem der Gerechte in Gottes Gegenwart vollkommen sein wird – ohne Fehl und Tadel! Läufst du diesen Weg des Gerechten? Bist du von Christus ergriffen? Dann wird die Sonne der Gerechtigkeit in deinem Leben Stück für Stück heller und sichtbarer, denn du wirst Jesus – zwar langsam, aber ganz gewiss – immer ähnlicher, bis zu dem Tag, an dem wir „ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1 Joh 3,2b). Und weil dieser Tag kommen wird, darum laufe diesen Wettlauf und lass dich durch nichts davon abbringen. Auch wenn du jeden Tag denselben Fehler begehst, höre nicht auf, zu laufen, Christus nachzujagen und aus Seiner Kraft heraus zu kämpfen!

 

 

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Peter Schild ist Ehemann und Familienvater, Gründer und Pastor der Evangelisch-Reformierten Baptistengemeinde Frankfurt am Main. Peter arbeitet in enger Partnerschaft mit HeartCry Missionary Society, einem Missionswerk aus den USA.

 

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