„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt“ (Matthäus 4,4).

Durch den regelmäßigen, persönlichen Gebrauch der Bibel können wir zu einer tieferen Erkenntnis Gottes, Seines Willens für unser Leben und zu der Erfahrung gelangen, wie Seine Gegenwart uns verändert.

Ist dir bewusst, dass der tägliche Gebrauch von Gottes Wort unverzichtbar ist für ein Leben, das auf Christus hin ausgerichtet ist und in dessen Mittelpunkt Sein Evangelium steht? Wenn du dich also mit Gottes Wort beschäftigst, solltest du dich unbedingt fragen: „Was hat dieser Text, den ich gerade lese, mit dem Evangelium und mit Jesus Christus zu tun?“

Martin Luther ermutigte andere Christen dazu, sich täglich das Evangelium selbst zu predigen. Schließlich vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht durch unsere Taten, Worte und Gedanken versündigen. Deshalb haben wir es nötig, täglich zu Christi Kreuz zu kommen, um unsere Sünden zu bekennen, und von Ihm Vergebung zu empfangen. Und es vergeht auch kein Tag, an dem wir uns neu vor Augen führen müssen, dass wir als Christen ein Leben in der Freiheit der Vergebung führen, durch die Gerechtigkeit Jesu, die wir durch Sein Werk am Kreuz geschenkt bekamen. Diese Wahrheiten sollten unser Denken formen, wenn wir die Bibel lesen, und sie sollten einen Einfluss darauf haben, wie sie lesen und sie verstehen.

Also, ungeachtet dessen, wie viel oder wie wenig Zeit du jeden Tag mit dem Lesen von Gottes Wort verbringst, entscheidend ist, dass du diese Zeit mit der Frage abschließt: „Was hat dieser Text mit dem Evangelium und mit Jesus Christus zu tun?“ Vielleicht ist es nur ein Vers oder der Teil eines Verses, vielleicht ist es eine Person, um die es in dem Text ging, eine Schilderung oder der Hauptgedanke eines ganzen Abschnittes, der dir zeigt, wie sehr du das Evangelium brauchst oder der dich auf etwas hinweist, was Christus getan hat, was Er ist und was Er dir bedeuten sollte.

Wenn du nur einige Zeilen aus deiner Bibel merkst und dir solche Fragen stellst, prägst du dir Gottes Wort ein und wendest es auf dein Leben an. Einige der bemerkenswertesten Verheißungen der Bibel stehen in Verbindung mit der Aufforderung, über Gottes Wort nachzusinnen (vgl. z. B. Josua 1,8; Psalm 1,2; Jakobus 1,25). Ich bin davon überzeugt, dass wir heute kaum etwas so sehr nötig haben, wie das Nachsinnen über Gottes Wort.

Es scheint fast schon normal zu sein, dass Christen die Bibel lesen, und sobald sie es beendet haben, schlagen sie sie zu und vergessen innerhalb eines Momentes, was sie gerade gelesen haben. Daher findet auch kaum Veränderung in den Christen statt, weil sie Gottes Wort so schnell vergessen! Aber warum ist das so? Warum vergessen wir so leicht etwas, dass doch so wichtig ist? Liegt es etwa an mangelnder Bildung? Ich glaube vielmehr, es liegt daran, dass sie so schnell über den Bibeltext huschen, sodass nur zwei oder drei Sekunden für jeden Vers bleibt. Was kann das schon hängenbleiben?

Die Bibel wurde uns nicht dafür gegeben, dass wir sie einfach nur lesen, sondern dass wir über ihre Aussagen nachsinnen, sie verstehen und sie uns einprägen. Nur so können wir erleben, wie Gott uns durch Sein mächtiges Wort verändert.

Ich würde sagen, fast alle Christen lesen regelmäßig die Bibel, doch nur die wenigsten sinnen über sie nach. Das Ergebnis ist, dass nur wenige etwas von der geistlichen Kraft erfahren, die Gottes Wort für sie bereithält. Der Hauptgrund, weshalb viele Christen kaum oder keinen Nutzen aus ihrer Stillen Zeit ziehen ist nicht, weil sie vergesslich, dumm oder ungebildet wären, sondern weil sie sich keine Zeit nehmen, um Gottes Wort zu studieren!

Und wenn ich sage „studieren“, dann heißt das nicht, dass dies nur für die gebildetsten Christen gilt. Gott hat überall auf der Welt Seine Kinder, in unterschiedlichem Alter, mit unterschiedlicher Bildung, unterschiedlicher Intelligenz und den unterschiedlichsten Möglichkeiten, und sie alle können in der Lage sein, Gottes Wort zu studieren. Zum Beispiel, indem sie einen Bibelvers ständig wiederholen, oder indem sie den Vers aufschreiben – vielleicht auch die Aussage des Verses mit eigenen Worten wiedergeben, indem sie danach Ausschau halten, wie der Text persönlich angewendet werden kann, indem sie aus dem Abschnitt ein Prinzip ableiten, indem sie überlegen, welche Frage oder welches Problem hier in diesem Abschnitt geklärt wird, indem sie den Text betend lesen und vieles andere. Und eine wichtige Methode ist, wie ich bereits erwähnt hatte, dass man sich die Frage stellt, in welchem Zusammenhang der Text mit dem Evangelium und mit Jesus Christus steht.

Ganz gleich, wie man die Bibel aufnimmt – sei es durchs Hören, durchs Lesen, beim Studieren oder beim Auswendiglernen – diese eine Frage ist immer hilfreich, denn sie hilft uns dabei das Evangelium besser zu verstehen, es mehr wertzuschätzen und wir lernen, und das Evangelium täglich selbst zu predigen. Auf diese Weise sehen wir Christus als Mittelpunkt der ganzen Schrift und Er gewinnt immer mehr Bedeutung in unserem Herzen.

Stell dir einmal vor, du würdest dich nur sechzig Sekunden lang auf einen Bibelvers konzentrieren, ist dir bewusst, dass dies ein zehn- oder zwanzigmal längerer Zeitraum wäre als du es für gewöhnlich tust? Also reserviere dir mindestens eine Minute deiner täglichen Bibellese dafür, einen Vers auszuwählen, über den du nachdenkst und dich fragst: „In welchem Zusammenhang steht dieser Text mit dem Evangelium und mit Jesus Christus?“

 

 

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Donald S. Whitney war über fünfzehn Jahre Pastor einer Baptistengemeinde in den USA und ist derzeit Lehrer am Baptisten-Seminar in Kentucky. Er und seine Frau Caffy haben eine gemeinsame Tochter.

 

 

© Ligonier Ministries, Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung

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Artikel, Die Bibel - das Wort Gottes, Evangelium, Praktische Ratschläge