Auf die Frage, „Was ist Sünde?“ antwortete der englische Puritaner Ralph Venning:

„Sünde ist die Übertretung eines Gesetzes, eines guten Gesetzes – Gottes Gesetz! Sünde setzt voraus, dass ein Gesetz existiert, denn wo kein Gesetz ist, kann es auch keine Übertretung geben (vgl. Röm 4,15). Doch dort wo Sünde vorliegt, muss auch zwangsläufig ein Gesetz und die Übertretung dieses Gesetzes vorhanden sein. Jeder also, der die Sünde tut, handelt gesetzwidrig; denn Sünde ist Gesetzwidrigkeit (vgl. 1Joh 3,4).

Nun verbietet Gottes Gesetz jedoch nicht nur das Böse zu tun – sei es durch Gedanken, Worte oder Taten –, nein, es gebietet auch das Gute zu tun. Wenn wir also dem Gebot, Gutes zu tun, nicht folgen, ist dies ebenso Sünde wie wenn wir Böses tun, was das Gesetz verbietet. Gegen die Frucht des Geistes (das Tun des Guten) gibt es kein Gesetz; doch gegen die Werke des Fleisches (die bösen Taten) steht das Gesetz, denn sie alle sind gegen Gottes Gesetz gerichtet, wie der Apostel bezeugt (vgl. Gal 5,19-24).

Wenn also eine Handlung gegen Gottes Gesetz verstößt, und sei es nur gegen ein einziges Gebot, dann ist diese Handlung Sünde – ganz gleich ob sie sich gegen ein Gebot oder ein Verbot richtet; ganz gleich, ob Gutes unterlassen oder Böses getan wird. ‚Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig‘ (Jak 2,10).“ (Venning, The Sinfulness of Sin.)

Ralph Venning hat mit dieser biblischen Definition der Sünde absolut Recht. Gottes Wort warnt uns deutlich vor der Sünde und klärt uns darüber auf, dass jeder verflucht ist, der nicht in allem bleibt, was Gottes Gesetz von uns fordert (vgl. Gal 3,10; 5Mose 27,26). Der Fluch, von dem hier die Rede ist, ist der Tod und die ewige Trennung von Gottes Segen, von Seiner Herrlichkeit – ja, von Gott selbst (vgl. Röm 6,23a)!

Nun wäre es ein guter Ratschlag, der Sünde einfach aus dem Weg zu gehen, indem man sich an alles hält, was Gottes Gesetz von uns fordert. Unser großes Problem ist aber, dass Sünde nicht nur als Übertretung des göttlichen Gesetzes irgendwo von irgendwelchen besonders schlechten Menschen begangen wird – sie ist ein wesentlicher Bestandteil unserer menschlichen Natur, sie ist Teil unserer Herzen, unseres Wesens und beherrscht unsere Gedanken und unsere Taten wie eine unheilbare und todbringende Krankheit. Die Bibel bezeugt klar und deutlich, „dass der Menschen Bosheit groß … und alles Dichten und Trachten ihres Herzens allezeit nur böse“ ist (1Mose 6,22). Unsere Herzen sind „überaus trügerisch und bösartig“ (Jer 17,9). Wir sündigen, weil wir Sünder sind! Unsere eigentliche Hauptsünde „besteht nicht in der Nachahmung Adams, sondern sie ist der Mangel und die Verderbnis der Natur eines jeden einzelnen Menschen, welcher in natürlicher Weise von Adam abstammt. Durch sie ist der Mensch ganz weit abgekommen von der ursprünglichen Gerechtigkeit, und ist von Natur geneigt zum Bösen, so dass das Fleisch jetzt stets gegen den Geist gelüstet; und deshalb verdient sie in jedem Menschen, welcher jetzt die Welt betritt, Gottes Zorn und Verdammnis“ (Glaubensbekenntnis d. engl. Kirche, 1571).

Um vor Gottes Zorn und der ewigen Verdammnis errettet zu werden benötige ich also mehr als nur einen erfolgreichen Versuch, ein besserer Mensch zu sein. Denn ganz gleich, wie viele schlechte Angewohnheiten ich auch überwinde, ich bin und bleibe ein Sünder, der keine Gerechtigkeit hat, die vor Gott irgendetwas zählt.

Diese Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit und der völligen Verderbtheit des eigenen Wesens ist die Grundvoraussetzung für rettenden Glauben. Ohne diese Erkenntnis wären so wundervolle Dinge wie die Rechtfertigung, die Bekehrung und die Heiligung nur leere Phrasen, ohne jede Bedeutung. Daher ist es nötig, dass Gott aufgrund Seiner großen Gnade unsere Herzen erleuchtet, um uns die Blindheit für die eigene Schuld zu nehmen und die Herrlichkeit Jesu Christi in uns aufleuchten zu lassen (vgl. 2Kor 4,6). Nur so werden wir einsehen, wie rein, wie heilig, wie vollkommen und gerecht Gott ist und wie krass wir selbst im Gegensatz dazu stehen. Nur dann werden wir zu Christus, dem Erlöser fliehen, in dem Vertrauen, dass Er stellvertretend für uns Gottes Zorn und unsere Strafe ertrug, dass Er unseren Tod starb und von den Toten auferstand, um uns Seine Gerechtigkeit zu schenken. Und so erleben wir täglich Gottes Vergebung und Seinen Frieden!

Nun dürfen wir jedoch nicht erwarten, dass durch diese persönliche Errettung und durch die Wesenserneuerung, die Gottes Geist in uns vollbringt, die Sünde nun kein Problem mehr für uns darstellt. Es ist wahr, wir sind in Christus neu geworden; wir stehen in Christus völlig gerecht vor Gott; die Sünde hat keinen Anspruch mehr auf uns – denn durch Christus sind alle Gläubigen „der Sünde ein für alle Mal gestorben“ – doch von nun an herrscht in dem Gläubigen ein innerer Kampf zwischen innewohnender Sünde und erneuertem Wesen (vgl. Röm 6,10; 7,17).

Sünde zu erwähnen, sie beim Namen zu nennen, war damals wie heute nicht sehr beliebt. Schon seit jeher versucht der Mensch daher Sünde neu zu definieren, ihr die Schärfe zu nehmen und sein eigenes Verhalten zu rechtfertigen. Doch wenn ein Mensch nicht einsieht, in welchem gefährlichen Zustand er sich befindet, wird er auch keine Notwendigkeit sehen, sich nach Errettung zu sehnen. Deshalb benötigt unsere Gesellschaft nichts so sehr, wie ein klareres und vor allem durch die Bibel geprägtes Verständnis dessen, was Sünde wirklich bedeutet und wie wir von Gott Vergebung empfangen können.

 

 

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