Unser Leben verläuft nicht nach „Schema F“. Immer wieder stehen wir vor rätselhaften Wegführungen. Da bleibt uns nichts anderes übrig, als Gott und seiner Weisheit in allen Lebenslagen zu vertrauen. Die Zeiten ändern sich – was Früher einmal richtig war, muss nicht für alle Zeiten gelten. Die Pläne, die wir schmieden, erscheinen uns natürlich die richtigen zu sein, aber zuweilen durchkreuzt der Herr unsere Pläne, um uns auf seinem Weg (Psalm 23:3) zu Zielen zu führen, mit denen wir nie gerechnet hätten. „Das Herz des Menschen plant seinen Weg, aber der HERR lenkt seine Schritte“ (Spr 16,9).

Trotz unserer menschlichen Intelligenz und Einsicht finden wir nicht auf alle unsere Fragen eine Antwort. Das kommt daher, weil wir einem lebendigen und handelnden Gott dienen, der stets auf eine Art und Weise wirkt, die wir nicht völlig verstehen oder erklären können. Dies ist für uns besonders dann herb (und verstörend), wenn unsere Pläne zerplatzen und wir auch noch persönlichen Leiden ausgesetzt sind.

Wenn dies geschieht, sind wir gewöhnlich versucht, uns darauf zu fokussieren, was hier möglicherweise bei uns schief gelaufen ist, oder wir sind vom Herrn enttäuscht, weil Er unsere Erwartungen nicht erfüllt. Es bringt uns nicht weiter, wenn wir den Charakter des Leidenden infrage stellen (du hast Unrecht getan) oder den Charakter des Herrn hinterfragen (Er hat Unrecht getan).

Es mag sein, dass du dir keiner Schuld bewusst bist, und doch musst du leiden. Es ist aber auch möglich, dass Gott, der dich weitaus besser kennt, als du dich selbst, dich bewusst in eine Leidenssituation hineinstellt, damit du daraus etwas Entscheidendes lernst.

Ist es nicht möglich, dass Gott das Leiden dazu gebraucht, um etwas Gutes in deinem Leben zu bewirken? Kann es sein, dass dieses dunkle Tal, in dem du dich gerade befindest, der Weg ist, der zu Gottes wunderbarem Plan gehört und zu Seinem herrlichen Ziel führt? Das sind genau die Fragen, die wir uns stellen sollten, wenn wir vor Problemen oder Schwierigkeiten stehen. Doch das zentrale Problem in diesen Leidenszeiten ist das Schweigen Gottes. Warum offenbart uns der Herr nicht seine Pläne, die Er mit uns hat? Warum schweigt Er?

 

Wir müssen oft leiden. Und nur selten werden wir verstehen, warum das so ist. Doch wir dürfen in jeder Lage auf Gott vertrauen. – Mark Dever

 

 

Das Schweigen Gottes

Schweigen bedeutet nicht, dass Gott nicht die Zügel in seiner Hand hält. Bloß weil Gott nicht redet, sollten wir nicht meinen, Er habe nicht die Führung. Es kann sein, dass Gott zu gewissen Zeiten das Schweigen dem Reden vorzieht.

Wir sehen dies am Beispiel Hiobs (Hiob 28). Ihn verlangte nach Weisheit, um die Not, in der er sich gerade befand, zu verstehen. 25 Kapitel lang disputierte er mit seinen Freunden hin und her, und doch führte es zu nichts.

Sonderbarerweise schwieg der Herr während all dieser Dispute. Und dieses Schweigen Gottes brachte Hiob fast um den Verstand. Er hungerte nach Gottes Worten, denn er war der menschlichen Weisheiten seiner Freunde überdrüssig. In Hiob 12,2 wird er ironisch und sagt: „Was seid ihr doch für kluge Leute! Mit euch stirbt ganz bestimmt die Weisheit aus!“ Und so stellt Hiob sich die Frage: „Doch wo ist wahre Weisheit zu finden? Und wer kann sagen, wo die Einsicht wohnt? Bei den Menschen findet sie sich nicht“ (Hiob 28,12f).

Hiob brauchte Weisheit und Einsicht in Gottes Handeln, etwas, das ihm allein Gott schenken konnte: „Nur Gott, sonst niemand, kennt den Weg zu ihr. Er ganz allein weiß, wo die Weisheit wohnt. Denn er blickt bis zu den Enden der Erde, sieht alles auf der ganzen Welt“ (Hiob 28,24f). Aber er hatte ein Problem: „Wüsste ich nur, wie ich Gott finden, zu Ihm hingelangen könnte“ (Hiob 23,3). Ist das nicht verrückt? Du leidest und kämpfst, bist fast am Ende – und der Herr lässt sich nicht in die Karten schauen.

Deshalb ruft Hiob aus: „Wo finde ich denn nun Weisheit?“

 

Die Weisheit Gottes

Echte Weisheit ist praktisch, lebensnah und verändernd. Sie ist weder passiv noch statisch. Gottes Weisheit entspricht nicht der theoretischen Weisheit der Philosophen. Wahre Weisheit schenkt dir das, was du brauchst, damit du Gott und dem Nächsten praktisch dienen kannst. Sie ist die stets wachsende und sich vertiefende Einsicht, die es uns ermöglicht, aktiv unsere Lebenswelt zu gestalten.

Diese Weisheit besteht nicht aus philosophischen Prinzipien oder moralisierenden Klischees. Vielmehr ist sie die aktive Verwirklichung des Werkes Gottes durch dich in diesem Leben. Wir alle brauchen diese Weisheit, um ein gelingendes Leben zu führen.

Und Hiob fehlte diese Weisheit. Sein Leben zerbrach in Stücke und er brauchte unbedingt die praktische Weisheit des Herrn, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Und hier wird es nun spannend und lehrreich für uns: Der Herr beantwortet Hiobs Bitte um Weisheit. Zum ersten Mal bricht Er sein Schweigen: „Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und vom Bösen weichen, das ist Einsicht!“ (Hiob 28,28).

Suchst du Weisheit? Ich weiß, wo sie zu finden ist. Wahre Weisheit finden wir in der Furcht des Herrn. Hättest du das gedacht? Wusstest du das schon? Es gibt eine unzertrennliche Verbindung zwischen der Weisheit des Herrn und der Furcht des Herrn.

Weisheit zu erlangen gleicht einer langen Reise, auf der dir die Furcht des Herrn den besten Weg zeigt. Ohne die Furcht des Herrn wirst du nicht weise handeln.

 

Die Furcht Gottes

Den Herrn zu fürchten bedeutet, Gott ernst zu nehmen, zu wissen, dass Er allein weise und mächtig ist. Es ist eine ernüchternde Erkenntnis, dass wir im Vergleich mit Gott weder mächtig noch weise sind (1 Kor 1,25). Weil Gott der ist, der Er ist, können wir Ihm in jeder Situation völlig vertrauen.

Die Furcht des Herrn bedeutet nicht, dass wir vor Ihm Angst haben sollen, vielmehr sollten wir uns vor uns selbst fürchten. Die Weisheit, die der Gottesfurcht entspringt, beginnt dort, wo wir erkennen, wer und wie Gott ist, und wie unendlich groß der Abstand zwischen uns und Ihm ist. Diese respektvolle Ehrerbietung gegenüber dem Herrn macht uns demütig.

Die Furcht des Herrn und die Weisheit des Herrn entsprechen Ursache und Wirkung: Die Furcht des Herrn (Ursache) bewirkt die Weisheit des Herrn (Wirkung). Ohne die rechte Gottesfurcht werden wir vom Herrn auch keine Weisheit erlangen. Und jeder Versuch, die Wirkung, ohne ihre Ursache zu erlangen, führt auf Dauer zu Frustration.

Hiob nahm Gott nicht so ernst, wie er es hätte tun sollen. Er nahm den Mund sehr voll und beschuldigte Gott der Willkür (vgl. Hiob 9,15-17 u.a.). Weil es ihm an echter Gottesfurcht mangelte, blieb ihm Gottes Weisheit verborgen.

 

 

Gottes Hilfe

Der Herr sieht Dinge, die wir nicht sehen. Es ist wie bei Kindern, die noch nicht die Weisheit und das Verständnis ihrer Eltern haben. Nun liegt es in der Verantwortung des Kindes, seinen Eltern zu vertrauen, auch wenn es ihre Anordnungen und ihr Handeln noch nicht begreifen kann. Ein Kind, das nicht begreift, wie sehr es auf die Überlegenheit seiner Eltern angewiesen ist, wird wenig durch deren Weisheit lernen und sein Leben wird sich komplizierter gestalten, als nötig.

Es gibt so viele Dinge, die Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben möchten. Doch nur, wenn das Kind wirklich seine eigene Begrenztheit und die Autorität der Eltern akzeptiert und für ihren Rat offen ist, kann es von der Weisheit und Erfahrung seiner Eltern profitieren. Wenn das Kind jedoch die Autorität der Eltern nicht anerkennt und sie nicht ehrt, dann kann es sein, dass die Eltern beschließen, lieber zu schweigen, als fruchtlose Ratschläge zu erteilen. Denn es ist ja offensichtlich, dass das Kind nicht bereit ist, zu hören. Weil es ihm an Ehrerbietung gegenüber den Eltern fehlt, schließt es sich von der Weisheit der Eltern aus.

Vielleicht sagst du jetzt: „Aber ich habe den Herrn gesucht. Ich habe um seine Weisheit gebeten. Ich möchte seine Gedanken und Pläne für mein Leben kennenlernen.“ Das mag sein, aber hier kommen wir zu einer harten Lektion. Wenn der Herr schweigt, dann kann es durchaus daran liegen, dass Er dich von bestimmten Dingen befreien möchte.

Ich habe in meinem Leben schon viele Situationen erlebt, in denen meine „Suche nach Gottes Willen“ von selbstsüchtigen Motiven und Anliegen bestimmt war (ganz anders Jesus, Lk 22,42). Entweder war ich noch zu unreif oder ich hatte nicht wirklich das Verlangen, auf das zu hören, was Gott mir vermitteln wollte. Deshalb schwieg der Herr. Es machte für Gott keinen Sinn, mit mir zu reden, weil ich mit mir selbst beschäftigt war. Wenn der Herr in meiner Situation schwieg, dann tat Er dies ganz sicher nicht aus Arglist. Ihm mangelt es nie an Weisheit und Liebe. Er kennt ja die Gedanken und Wünsche meines Herzens ganz genau (Hebr 4,12-13), und Er wusste, dass sie nicht rein waren. Das Schweigen des Herrn währte solange, wie ich an Wünschen festhielt, von denen der Herr wusste, dass sie mir nicht zum Besten dienen würden. Im Grunde meines Herzens wusste ich ja selbst, dass ich nicht bereit war, auf meine Pläne zu verzichten.

Die Suche nach Weisheit und ihre Anwendung vollzieht sich in einem Eliminierungsprozess. Je konsequenter du deine Wünsche und Vorstellungen preisgibst, und dich stattdessen völlig auf den Herrn verlässt, desto mehr Weisheit wirst du empfangen.

Wenn wir durch Leidenszeiten gehen müssen, ist unsere typische Reaktion die, dass wir versuchen, einen Sinn dahinter zu entdecken. Statt vom Herrn Weisheit zu erbitten, verlassen wir uns auf unseren Verstand. Doch in der Bibel lesen wir: „Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand! Such ihn zu erkennen bei dem, was du tust, dann räumt er die Hindernisse aus deinem Weg! Halte dich nicht selber für weise, sondern fürchte den Herrn und meide das Böse!“ (Spr 3:5-7).

Das Problem liegt im Grunde nicht so sehr in Gottes Schweigen begründet, als vielmehr in unserer fehlenden Bereitschaft zu hören. Oft ist es gerade das Schweigen Gottes, das uns hörbereit macht. Wenn wir mit unserem Latein am Ende sind, lernen wir, uns selbst zu verleugnen. Und diese Selbstverleugnung ist der Beginn der Weisheit.

Wenn unsere Möglichkeiten erschöpft und unsere Pläne gescheitert sind, dann wenden wir dem Herrn zu. Dann sind wir bereit, zuzuhören. So, der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn, lässt Gott seine Kinder ihre eigenen Wege gehen. Denn nur, wenn wir auf ihnen scheitern und sie uns in die Verzweiflung führen, werden wir lernen zu schweigen und auf Gott zu hören..

 

Unser Hang zu Selbstbetrug und Selbstbezogenheit ist vielgestaltiger und tiefgreifender als wir glauben.

 

Was tun?

– Gibt es noch Anzeichen für eigensüchtige Motive in deinen Plänen?

– Bist du bereit, deine Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen in Gottes Hände zu legen, auch auf die Gefahr hin, dass Er etwas völlig anderes daraus macht?

Was ich nun sage, soll ein Bekenntnis und keine Anklage sein. Es fällt uns unglaublich schwer, ganz offen über die Gefahr des Selbstbetrugs zu reden besonders dann, wenn es um hartnäckige Flecken in unserem Leben geht. Manchmal wünschen wir uns etwas so sehr, dass wir nicht bemerken, wie dieser Wunsch unser ganzes Denken in eine negative Richtung lenkt. Wir sind verletzt, fühlen uns allein gelassen, haben Angst. Und Gott schweigt.

Wenn der Herr schweigt, liegt es nicht daran, dass Gott uns etwas vorenthalten möchte. Vielmehr weiß Er genau, dass das, was wir uns so sehr wünschen, nicht das Beste für uns ist. Selbst wenn diese Dinge unter Freunden debattiert werden, können wir uns lebhaft daran beteiligen, uns aufregen, andere verurteilen – ohne uns selbst „zu outen“. Es braucht eine große Portion Demut, um alle Karten auf den Tisch zu legen. Doch wenn wir nicht bereit sind, wirklich aufrichtig zu sein, schneiden wir uns selbst von der Weisheit des Herrn ab. Stell dir deshalb folgende Fragen – oder noch besser, stelle sie deinen engsten Freunden:

  1. Siehst du negative Dinge in meinem Leben, die ich selbst noch nicht erkannt habe?
  2. Willst du mir dabei helfen, diese negativen Dinge zu erkennen, die mir noch verborgen sind?

Dies ist der Anfang der Weisheit: Wenn wir bereit sind, uns von unseren Vorstellungen und Erwartungen frei zu machen. Und wenn wir zugleich den Herrn darum bitten, dass andere Menschen uns wachrütteln, damit wir die Dinge erkennen, die unser Herz gefangen nehmen. Unser Hang zu Selbstbetrug und Selbstbezogenheit ist vielgestaltiger und tiefgreifender als wir glauben.

Stelle dir vor, dein Sohn (oder deine Tochter) käme zu dir und würde dir die beiden obigen Fragen stellen. Ganz sicher würdest du darauf antworten, denn seine Frage ist ein Beweis dafür, dass er dich respektiert, dass er dir vertraut, und dass er sicher ist, bei dir Hilfe zu finden; und zweitens lässt er dich erkennen, dass er mehr auf deine Weisheit vertraut, als auf seine eigene.

Dasselbe trifft auf deine Beziehung zu Gott zu. Manchmal kann uns nichts Besseres geschehen, als dass Gott schweigt. Entscheidend ist, wie wir mit seinem Schweigen umgehen, was wir daraus lernen. Wenn du gelernt hast, auf Gott zu vertrauen, wirst du positiv auf sein Schweigen reagieren. Du wirst beginnen, deine Motive und Wünsche zu hinterfragen.

Gottes Schweigen im Leid des Hiob war uns eine Hilfe, Hiobs Charakter besser zu verstehen – und zwar aus einer Perspektive, die uns zu Beginn der Geschichte verborgen war. Im Laufe des Buches werden Hiobs Motive und sein Selbstbild immer mehr offenbar. Und das Entscheidende dabei ist: Hiob wird in dem Moment verändert, als Gott mit ihm zu reden beginnt. Hiob beugt sich vor dem Herrn und bekennt: „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und in Asche!“ (Hiob 42,5-6).

RickThomas.com Used with permission

 

RickThomas

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