„Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und mächtig! Der HERR, mächtig im Kampf! Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit? Der HERR der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit!“ (Psalm 24,7-10).

Die Anordnungen des levitischen Gesetzes waren ein „Vorschatten“ oder ein „Abbild“ des Vollkommenen, das eines Tages kommen sollte. Durch diese Zeremonien wurde dem Volk des Alten Testaments ein kleiner Einblick in die Herrlichkeit und das Werk des kommenden Messias gegeben. Man könnte sie mit den schönen Verzierungen eines Siegels vergleichen, deren ganze Schönheit nur dann sichtbar wird, wenn man sie durch ein Vergrößerungsglas betrachtet. Das Evangelium ist ein solches Glas, durch das wir die Bedeutung der alttestamentlichen Ordnungen und Gesetze überhaupt erst in der richtigen Weise sehen, und damit auch die Weisheit dessen, der sie gegeben hat.

Der 24. Psalm, aus dem die oben genannten Verse entnommen sind, beschreibt ein ganz besonderes Thema: Die Herrlichkeit Gottes als König über sein Volk. Dieser Psalm wurde vermutlich als ein Lobpreis für den großartigen Tag verfasst, an dem die Bundeslade Gottes – das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes und seines Segens – nach langer Zeit wieder an ihren rechtmäßigen Platz, in die Stiftshütte des lebedigen Gottes, zurückgebracht wurde (vgl. 2Sam 6). Diese Heimholung der Bundeslade war so bedeutungsvoll, dass der König, die Priester und das Volk sie unter Gesang, Jauchzen, Hörnerschall und Dankopfer begleiteten. Wenn wir diesen Psalm, und besonders die letzten Verse betrachten, können wir uns gut den Moment vorstellen, in dem die Bundeslade durch die Pforten der Stiftshütte getragen wurde und die Priester gemeinsam diese Worte sangen: „Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen5 Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist dieser König der Herrlichkeit? Der HERR, stark und mächtig! Der HERR, mächtig im Kampf! Erhebt, ihr Tore, eure Häupter, und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe! Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit? Der HERR der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit!“

Dies war wirklich ein großartiger und bedeutungsvoller Moment für Gottes Volk. Doch gleichzeitig war es auch ein Vorschatten, ein prophetischer Hinweis auf ein sehr viel herrlicheres und bedeutungsvolleres Ereignis. Wer davon überzeugt ist, dass die Schriften des Alten Testaments auf Jesus Christus hinweisen und auf sein Kommen vorbereiten, wer daran glaubt, dass Er der ist, von dem Mose und das Gesetz, David und die Psalmen und alle göttlichen Propheten sprachen, wird sicherlich mit mir darüber einstimmen, dass es sich in diesen Psalmversen um eine Vorschau auf die Erhöhung und Himmelfahrt unseres Herrn handelt; wie Er nach seinem Tod und seiner Auferstehung in die himmlischen Örter einging und dort als ewiger Hohepriester die Seinen vor Gott, dem Vater vertritt. Der, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat, der vom Vater gekrönt über alles Erschaffene regiert und dem alle Mächte und Gewalten unterworfen sind – auch wenn es für uns jetzt noch nicht sichtbar ist (vgl. Hebr 1,3; 2,7-9).

Bevor Christus in die Herrlichkeit aufgenommen wurde, hob Er seine Hände und segnete seine Jünger, und Er wurde vor ihren Augen aufgehoben in den Himmel (vgl. Lk 24,51). Die Herrlichkeit und Krönung, darauf folgte, war den Augen der Jünger verborgen, doch die Gewissheit Seiner Herrschaft, die sie in ihren späteren Briefen und Predigten bekennen, dient uns dazu, dass unser Glaube darin gestärkt, unsere Herzen ermutigt und unser Lobpreis vergrößert wird.

Doch wer genau ist Er, der in den Himmel aufgenommen wurde, und der von sich sagte: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17)?

  1. Er ist unser Gott.

Der sich selbst erniedrigte bis zum Tod am Kreuz, das ist unser Gott, der HERR der Heerscharen; davon gibt uns sein ein klares Zeugnis. Welchem Wort könnten wir mehr vertrauen? Der Apostel bezeichnet Ihn als den Bräutigam der Gemeinde und der Prophet sagt uns, dass „unser Schöpfer und Erlöser der HERR der Heerscharen heißt“ und Er ist „dein Bräutigam“ (Jes 54,5). Es war der HERR der Heerscharen, den Jesaja auf seinem hohen und erhabenen Thron sitzen sah und dessen Saum den ganzen Tempel füllte (vgl. Jes 6,1). Diese Begegnung mit Gott erfüllte den Propheten Jesaja mit Furcht und er schrie: „Wehe mir, ich vergehe! Denn … meine Augen haben den König, den Herrn der Heerscharen, gesehen.“ Und der Apostel Johannes klärt uns darüber auf, dass Jesaja in diesem Moment Christi Herrlichkeit sah und von Ihm sprach (vgl. Joh 12,41). Gott selbst ist der HERR der Herrlichkeit, daher bezeichnet das Neue Testament Jesus Christus als den wahrhaftigen Gott und das ewige Leben (vgl. 1Joh 5,20). Jeder Mensch, der Jesus Christus alle Ehre gibt und Ihn als den lebendigen Gott anbetet, der hat jeden Grund zu hoffen und keinen Grund zur Furcht.

  1. Er ist der HERR, stark und mächtig.

In seiner menschlichen Natur nahm Christus den Kampf gegen seinen Feind und unseren Feind auf sich und errang den Sieg gegen Satan, die Sünde und den Tod. Wir waren diesen Mächten hoffnungslos unterworfen, doch um unseretwillen nahm Jesus den Kampf gegen sie auf und starb an unserer Stelle, um Gottes gerechte Strafe für uns zu tragen und uns vom Fluch der Sünde zu befreien. Durch seinen Tod trug Er den Sieg davon. Das Gesetz Gottes, das mit seinen Forderungen gegen uns stand, erfüllte Er für uns in vollkommener Weise, und die Strafe für unsere Übertretungen nahm Er auf sich. So entmachtete Er den Satan, der uns durch die Todesfurcht an sich band und öffnete die Gefängnistüren, um Gefangene in die Freiheit zu führen (vgl. Hebr 2,14-15; Lk 4,18).

Es ist ein Wunder, dass Gott ausgerechnet durch seine eigene Erniedrigung und seinen leidvollen Tod am Kreuz die Mächte und Gewalten der Finsternis besiegte (vgl. Kol 2,14-15). Noch immer ist Satan ein Feind der Gemeinde, doch Er ist in seiner Macht beschränkt und nicht in der Lage die Grenzen zu überschreiten, die Gott ihm auferlegt hat. Gottes Herrschaft über alle Dinge ist uneingeschränkt, sodass selbst Satans Angriffe dazu dienen werden, Christi Reich aufzurichten und alles wird denen, die Ihn lieben zum Besten dienen (Röm 8,28). Denn die, die auf Gott vertrauen, können alles ertragen in dem Wissen, dass Er in Kürze den Satan für immer zerstören wird; denn Christus hat als unser König Satan überwunden, damit wir in Ihm mehr als Überwinder sind durch den, der uns geliebt hat (Röm 8,37). Lasst uns daher voller Zuversicht auf das Zeugnis seines Wortes und auf die erlösende Kraft seines Opfers vertrauen.

  1. Er ist der König der Herrlichkeit

Der Begriff „Herrlichkeit“ ist nicht leicht zu definieren. Man könnte ihn als Lichtglanz oder Pracht wiedergeben. Die Herrlichkeit von König Salomo war eine Kombination seiner Weisheit, seiner Macht und seines Reichtums. Die Herrlichkeit der Sonne besteht in ihrem Glanz und ihrer lebensspendenden Kraft. Gottes Herrlichkeit aber ist ein Stück seiner Selbstoffenbarung, durch die Er sich seinen Geschöpfen zu erkennen gibt; denn Er ist unendlich, unerreichbar und für unseren Verstand nicht zu erfassen, Er wohnt „in einem unzugänglichen Licht, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann“ (1Tim 6,16). Seine Herrlichkeit scheint durch die Schöpfung, Himmel und Erde erzählen von seiner Herrlichkeit (vgl. Ps 19,1) und sie geben uns eine kleine Ahnung von seiner unaussprechlichen Größe; ja selbst die kleinsten seiner Werke, wie Insekten und Blumen, tragen ein Stück seiner Weisheit und Güte in sich und zeugen so von seiner Herrlichkeit. Durch sein heiliges Wort, die Offenbarung seines Willens und ewigen Plans, erhalten wir einen noch tieferen Einblick in Gottes Herrlichkeit – denn dort tritt Er uns voller Heiligkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit und Gnade entgegen. Doch der höchste Ausdruck seiner Herrlichkeit findet sich in seinem Sohn. „Er ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens“ (Hebr 1,3). Niemand hat Gott jemals gesehen, aber der menschgewordene Sohn Gottes, der selbst aus Gott hervorgegangen ist, Er hat uns Aufschluss über Ihn gegeben (Joh 1,18). Daher ist Er auch der einzige Weg und die Tür zum Vater, und es gibt keine Gotteserkenntnis ohne Ihn! In diesem Sinne ist Jesus Christus der König der Herrlichkeit. Wenn Gottes Heiliger Geist uns erleuchtet und wir fähig werden auf Christus zu vertrauen, gemäß dem, was Gottes Wort über Ihn sagt, dann sehen wir die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi (vgl. 2Kor 4,6).

  1. Er ist der erhöhte König der Herrlichkeit

Als Jesus Christus in den Himmel aufgenommen wurde, da tat Er dies in seiner menschlichen Natur. Die Pforten des Himmels öffneten sich weit und Christus ging nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, in eine Nachbildung des wahrhaftigen, sondern in den Himmel selbst ein, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen und um sich beim Vater für uns einzusetzen (vgl. Hebr 9,24). Und Er tut dies auf dreierlei Weise:

1.) Christus ist unser Stellvertreter

Die Herrlichkeit, die Jesus Christus als ewiger Gottessohn und unser Erlöser besitzt, teilt Er allen mit, die zu Ihm gehören. Unsere Sünde hatte uns aus Gottes Königreich ausgeschlossen, doch Er hat „allen geistlichen Segen im Himmel“ für die zurückerworben, die „in Christus“ sind (vgl. Eph 1,3). Daher bezeichnet die Bibel Ihn auch als unseren „Vorläufer“ (in Hebr 6,20), weil wir durch die Vereinigung mit Ihm, durch den Glauben, seine Nachfolger geworden sind und Er uns ganz sicher an das Ziel bringen wird! Ist dies nicht ein Trost für jeden Gläubigen?

Christus ist das Haupt seines Leibes, der Gemeinde; und auch wenn seine Gemeinde in dieser Welt noch Leid und Anfechtungen ausgesetzt ist, wird sie doch niemals untergehen. Ein Mann wird erst dann in der Gefahr stehen zu ertrinken, wenn sein Kopf unter Wasser ist. Doch da wir Christus, den starken Gott aus unser Haupt haben, und weil Er um unseretwillen in den Himmel eingegangen ist, können wir ganz sicher sein, dass Er die Seinen bis zum Ende bewahren wird. Denn Er hat versprochen: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Joh 14,19b) und dass Er keinen verliert von all denen, die der Vater Ihm gegeben hat, sondern dass Er sie auferweckt am jüngsten Tag (Joh 6,39).

2.) Christus ist unser Hohepriester und Fürsprecher

Als unser Hohepriester und Fürsprecher macht Jesus unsere Gebete für Gott annehmbar. Weil Er unsere Ungerechtigkeit auf sich genommen hat, dürfen wir voller Vertrauen in Jesus vor Gott treten, so schwach und unwürdig wir auch sind. Weil Er für immer lebt und für uns bittet, rettet Er all diejenigen, die durch Ihn zu Gott kommen (Hebr 7,25). Deshalb vertraue darauf, dass Christus in der Lage ist, auch dich zu retten – ganz gleich wie verdorben du bist – wenn du nur auf Ihn vertraust!

3.) Christus ist unser König

Auch wenn Jesus Christus in den Himmel eingegangen ist und sich zur Rechten des Vaters gesetzt hat, sind Ihm unsere Sorgen und Probleme doch nicht fremd. Er regiert von Gottes Thron aus die ganze Welt, und Er gebraucht seine Macht dazu, sein Reich zu bauen und seine Heiligen zu segnen. Während Er dort oben im Gebet beim Vater für uns eintritt, steht Er uns hier unten durch seinen Heiligen Geist tröstend und helfend zur Seite. Er ist der gute Hirte, der uns nährt, unsere Feinde im Zaum hält, unseren niedergeschlagenen Geist aufrichtet und uns Kraft für den Weg gibt. Seine Ohren sind stets für unser Flehen geöffnet. Seine Augen sind zu jeder Zeit auf uns gerichtet. Sein Arm liegt helfend und bewahrend auf uns.

Denn auch wenn wir verfolgt werden, sind wir doch nicht verlassen; auch wenn wir niedergeschlagen sind, sind wir nicht zerstört. Er hat versprochen uns niemals zu verlassen bis Er all das erfüllt hat, wovon sein Wort spricht und worauf wir hoffen. Er wird seine Gemeinde zum Sieg führen und sie mit Herrlichkeit krönen.

Das ist der Hohe, der Erhabene, der König der Herrlichkeit, der auf dem Thron Gottes sitzt. „Weil wir denn einen großen Hohepriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis“ (Hebr 4,14). Unser erhöhter König wird eines Tages zurückkehren und dann werden alle, die durch Ihn und für Ihn gelebt haben, die auf Ihn vertrauten und sich nach seinem Reich sehnen, vor Ihm in Herrlichkeit erscheinen und ewig bei Ihm leben (vgl. Kol 3,4).

All denen jedoch, die nicht auf Christus hoffen, möchte ich sagen, dass sie sich auf sein Kommen vorbereiten sollten. Wie wollt Ihr vor dem großen König bestehen, vor dem der Himmel und die Erde fliehen und dessen Gegenwart Himmel und Erde erfüllt (vgl. Offb 20,11; Jer 23,24)? Ist euer Arm etwa so stark wie Gottes Arm? Er hat seine Versöhnungsbotschaft in die Welt hinausgesandt, und als der Erlöser von Schuld und Tod sitzt Er auf dem Thron der Gnade und nimmt alle an, die zu Ihm kommen, um Vergebung und ewiges Leben zu finden. Er lädt Sünder dazu ein mit Gott versöhnt und im Herzen erneuert zu werden. Jetzt ist die Zeit, in der die Gnade des großen Königs noch zu finden ist. Später jedoch wird sein Platz auf dem Richterstuhl sein, von wo aus Er all jene richten wird, die seine Herrschaft ablehnen.

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