Für uns Christen ist das Kreuz das Symbol unseres Glaubens. Und das auch mit Recht, denn schließlich hat Christus am Kreuz sein Leben als Lösegeld gegeben, um Sünder vor Gottes kommendem Zorn zu retten (vgl. Markus 10,45). Darum singen wir Lieder über das Kreuz, verwenden es als Hintergrundbild auf unserem Computer, als Profilbild oder tragen es vielleicht auch um den Hals – im besten Fall, um damit unseren Glauben an die am Kreuz vollbrachte Errettung zu bekennen. Aber nicht selten lassen wir einen sehr entscheidenden Punkt unbeachtet, wenn wir unsere Errettung von dem Opfertod Jesu abhängig machen: Die Auferstehung Jesu.

Paulus, dessen Hauptthema immer wieder die „Predigt vom Kreuz“ war (vgl. 1. Korinther 2,2) sah sich dazu gezwungen, seine Glaubensgeschwister auf einen sehr wichtigen Punkt des Evangeliums hinzuweisen, den sie bisher völlig missverstanden hatten – ein Punkt, den auch viele von uns zu wenig beachten, wenn sie vom Evangelium sprechen oder darüber nachdenken. Deshalb machte Paulus eine schockierende Aussage, um den Gläubigen ihren Denkfehler so bewusst wie möglich zu machen: „Wenn Christus nicht auferstanden ist, ist es sinnlos, dass wir das Evangelium verkünden, und sinnlos, dass ihr daran glaubt“ (1. Korinther 15,14). Was Paulus damit meint, ist offensichtlich: Er erinnerte die Gläubigen daran, dass sie einem lebendigen Herrn dienen, und dass sie nur deshalb auf ein ewiges Leben hoffen können, weil Christus auferstanden ist!

Sicherlich würden wir nicht so weit gehen zu sagen, dass die Auferstehung Jesu völlig unbedeutend wäre. Aber wir müssen zugeben, dass auch wir manchmal dieser historischen Tatsache zu wenig Beachtung schenken und sie der Kreuzigung, dem Opfertod Jesu, unterordnen. So würden wir zum Beispiel eher sagen: Christus ist auferstanden, weil Er sterben musste, statt: Er starb um aufzuerstehen! Wir können und dürfen aber keines der beiden Ereignisse dem anderen überordnen. Die Auferstehung war nicht nur die notwendige Folge der Kreuzigung, sie hatte vielmehr ihre besondere und unentbehrliche Bedeutung in Gottes Erlösungsplan.

Daher war die Auferstehung Jesu auch das Kernthema der meisten Predigten in der Apostelgeschichte, in denen es um die wesentlichen Punkte des Evangeliums ging. Für die Apostel bestand kein Zweifel daran, dass der Höhepunkt des Evangeliums der war, dass Gott Jesus Christus als Retter bestätigte, „indem er ihn aus den Toten auferweckt hat“ (Apostelgeschichte 17,31). Wie der Theologe Albert Mohler zurecht sagte ist „das Evangelium das Zentrum des christlichen Glaubens; doch das Kreuz und das leere Grab bilden gemeinsam das Zentrum des Evangeliums … ohne Auferstehung gäbe es kein Evangelium und keine Erlösung.“[1] Das dies keine Übertreibung ist, zeigen die Verteidigungsreden des Paulus vor dem Hohen Rat und wenig später vor dem Statthalter Felix von Cäsarea (vgl. Apostelgeschichte 23,6; 24,15.21).

Aber welche Auswirkungen hat die Auferstehung auf unser Heil? Und welchen Unterschied würde es machen, wenn Christus nicht auferstanden wäre?

Der Heidelberger Katechismus, eines der wichtigsten Glaubensbekenntnisse der Gemeinde Jesu, gibt auf Frage 45, „Was nützt uns die Auferstehung Christi?“, eine dreifache Antwort. Und diese drei Antworten wollen wir im Licht der Bibel genauer betrachten.

1) Christus hat durch seine Auferstehung den Tod überwunden, um uns an der Gerechtigkeit Anteil zu geben, die er uns durch seinen Tod erworben hat.

Oder kurz gesagt: Ohne Auferstehung keine Gerechtigkeit!

In dem bereits erwähnten Kapitel an die Gemeinde in Korinth schreibt Paulus: „Und wenn Christus nicht auferstanden ist, ist euer Glaube nutzlos; ihr seid dann noch in euren Sünden. Und auch die, die im Glauben an Christus gestorben sind, sind dann verloren“ (1. Korinther 15,17-18). Ich muss sagen, dass mich dieser Vers als junger Christ lange verwirrt hat; gerade deshalb, weil ich die Errettung allein von dem Tod Jesu abhängig gemacht hatte, während die Auferstehung für mich mehr eine unvermeidliche Nebensache war. Und tatsächlich sagt die Bibel auch an vielen Stellen, dass jedem Glaubenden durch Jesu Tod die Vergebung der Sünden geschenkt wird. Und auch schon das Alte Testament lässt immer wieder durch Bilder und Prophetien durchblicken, dass ein vollkommenes Opfer nötig sein würde, um das Sündenproblem der Menschen ein für alle Mal zu lösen. Aber wenn Jesu Opfertod schon vollkommen war, weshalb sollte unsere Vergebung dann davon abhängig sein, dass Er auferstand? Rief Jesus nicht bereits am Kreuz aus „Es ist vollbracht!“, und zeigte damit, dass alles Nötige nun getan war?

Ja und Nein. Denn wir sehen hier ganz klar, dass Paulus die Korinther und uns auf die Nutzlosigkeit unseres Glaubens hinweist, wenn Christus nicht auferstanden wäre. Und tatsächlich: Wäre Christus nicht auferstanden, dann wäre Er logischerweise tot, und ein toter Heiland wäre nicht in der Lage, andere zu erretten. Wir müssen von dem Irrglauben wegkommen, dass unser Glaube die Grundlage unserer Errettung wäre, denn tatsächlich kann nur Christus allein erretten. Der Glaube an einen toten Retter könnte keinen von seinen Sünden freisprechen und wir würden vor Gott noch immer als Schuldige und unter seinem Verdammungsurteil stehen. Ohne einen auferstandenen Christus gäbe es keinen Freispruch, ohne Freispruch gäbe es keinen lebendigen Glauben und ohne lebendigen Glauben gäbe es keine Sündenvergebung. Jesu Ausruf, „Es ist vollbracht!“ bezieht sich sehr wahrscheinlich auf den schwersten Teil seiner Aufgabe, nämlich seine Leiden, auf die die Herrlichkeiten danach – Auferstehung und Verherrlichung – folgten (vgl. 1. Petrus 1,11).

Der Aspekt des Freispruchs wird in der Bibel und in der Theologie als „Rechtfertigung“ bezeichnet. In einer der kürzesten Zusammenfassungen des Evangeliums, in Römer 4,25, macht Paulus deutlich, dass unser Freispruch von der Auferstehung Jesu abhängt. Dort lesen wir, dass Jesus Christus „um unserer Übertretungen willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt worden ist.“

Paulus unterscheidet in Römer 4,25 zwischen den Auswirkungen des Todes Jesu und seiner Auferstehung. Dabei wird deutlich, was wir oben schon festgestellt haben: Sowohl Kreuz als auch Auferstehung, können nur gemeinsam etwas bewirken!

Der Reformator Johannes Calvin erklärt den Zusammenhang zwischen Tod und Auferstehung so:

„Durch seinen [Jesu] Tod ist die Sünde abgetan, aber durch seine Auferstehung ist die Gerechtigkeit uns erworben und wiederhergestellt. Wie aber hätte er uns im Tode vom Tode frei machen können, wenn er ihm [dem Tod] selbst unterlegen wäre? Wie hätte er uns den Sieg erringen können, wenn er selbst den Kampf [gegen den Tod] verloren hätte? Unser Heil ist also auf den Tod und die Auferstehung Christi gleichermaßen begründet, und zwar so: Durch den Tod ist die Sünde abgetan und der Tod überwunden, durch die Auferstehung ist uns die Gerechtigkeit wiedererworben und das Leben geschenkt. Dabei ist aber zu beachten, dass uns erst durch die Gabe der Auferstehung die Kraft und Wirkung seines Todes zukommt.“[2]

Zusammengefasst: Durch seinen Tod beseitigte Jesus unsere Schuld und durch seine Auferstehung gibt Er uns neues Leben. In dem Kreuz sehen wir die Liebe und Gerechtigkeit Gottes, in dem leeren Grab sehen wir seine unfassbare Macht und seinen Triumph. Jesu Tod wäre also ohne die Auferstehung kraft- und wirkungslos gewesen, sein Erlösungswerk wäre unvollkommen.

2) Durch seine Kraft werden auch wir schon jetzt erweckt zu einem neuen Leben.

Oder: Ohne Auferstehung keine Wiedergeburt.

Die Auferstehung Jesu hat noch andere bedeutende Auswirkungen. In seinem ersten Brief an die Gemeinde schreibt Petrus: „Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten“ (1. Petrus 1,3), und er zeigt damit, dass Jesu Auferstehung die Voraussetzung für unsere Wiedergeburt ist.

Wiedergeburt – oder Neugeburt – ist ein Begriff, der in vielen Religionen vorkommt, jedoch mit jeweils anderen Inhalten gefüllt wird. Was die Bibel mit der Neugeburt meint, das macht das Johannesevangelium an mehreren Stellen deutlich; nämlich, dass ein Mensch nur dann ein Kind Gottes ist, wenn er durch das souveräne Wirken des Heiligen Geistes „von neuem geboren“ ist (vgl. Johannes 1,12-13; 3,3.5.8). Dasselbe führt Paulus im Epheserbrief noch deutlicher aus. Dort klärt er uns zuerst darüber auf, dass jeder Mensch von Natur aus ein verlorener Sünder ist – geistlich tot und unter dem Zorn Gottes –, um uns dann Gottes große Gnade vor Augen zu stellen, mit der Er „uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit dem Christus lebendig gemacht“ hat (V. 1-9). Diese und andere Verse sprechen davon, dass wir durch die Wiedergeburt mit Christus bereits auferweckt sind. Wir sehen also, dass unsere Hoffnung auf ein neues Leben nicht nur in der Zukunft liegt, sondern dass sie bereits Realität geworden ist, da wir „mit Christus auferweckt worden“ sind (Epheser 2,5; Kolosser 3,1). Diese erstaunliche Veränderung, die im Stillen und Verborgenen geschieht, ist nur dadurch möglich, dass Christus von den Toten auferweckt wurde – und wir in Ihm. Jedes Mal also, wenn du im Neuen Testament davon liest, dass wir „in Christus“ sind, erfährst du auch von den großartigen Folgen, die unsere Auferweckung zu einem neuen Leben mit sich bringt. Denn auch wenn unsere Rechtfertigung und Gotteskindschaft für uns noch unsichtbar sind, sind doch viele ihrer Folgen jetzt schon sichtbar und erfahrbar:

„Haltet euch selbst dafür, dass ihr für die Sünde tot seid, aber für Gott lebt in Christus Jesus, unserem Herrn!“ (Römer 6,11).

„Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen“ (Epheser 2,10).

„Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleichwie auch Gott euch vergeben hat in Christus“ (Epheser 4,32).

„Seid in allem dankbar; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch“ (1. Thessalonicher 5,18).

Denn mit derselben überwältigenden Macht, mit der Er Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, ist Gott auch in uns am Werk, um uns zu verändern und in die ewige Herrlichkeit zu führen (vgl. Epheser 1,19-20). Ist dir diese unfassbare Macht Gottes in deinem Kampf gegen die Sünde bewusst?

3) Die Auferstehung Christi ist uns ein verlässliches Pfand unserer seligen Auferstehung

Oder: Ohne Auferstehung keine Auferstehung!

Ich weiß nicht, welche Schwierigkeiten Gott dir in diesem Leben zumutet. Wir stehen ständig vor Fragen, Herausforderungen und Gefahren. Auch mit dem Wissen, dass Gott alle Dinge in dieser Welt lenkt und führt, ist es nicht immer leicht, sein Lenken und Führen anzunehmen. Nicht umsonst sagte Jesus zu seinen Jüngern kurz vor seiner Kreuzigung: „In der Welt werdet ihr hart bedrängt. Doch habt Mut. Ich habe die Welt besiegt“ (Johannes 16,33). Paulus, der viele Bedrängnisse aus eigener Erfahrung kannte, weist die Gemeinde in Korinth darauf hin: „Wenn wir nur in diesem Leben auf Christus hoffen, so sind wir die elendesten unter allen Menschen“; und er fährt fort: „Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt; er ist der Erstling der Entschlafenen geworden“ (1. Korinther 15,19-20). Damit spannt Paulus den Bogen von unserem jetzigen, vergänglichen Leben, hin zur Hoffnung auf das ewige Leben. Und seine Hoffnung stützt sich darauf, dass, so sicher, wie durch Adam der Tod auf alle Menschen übergegangen ist, auch alle, die „in Christus“ sind und „Christus angehören“, lebendig gemacht werden (V. 22). Für Paulus ist unsere zukünftige Auferstehung todsicher, weil Christus auferstanden ist.

In seinem zweiten Brief an die Korinther greift Paulus dieses Thema noch einmal auf; und dort führt er den in uns wohnenden Geist Gottes als „das Unterpfand“ (die Garantie) dafür an, dass Gott unsere Sterblichkeit in Unsterblichkeit verwandeln, und er weiß, „dass der, welcher den Herrn Jesus auferweckt hat, auch uns durch Jesus auferwecken“ wird (2. Korinther 5,5; 4,14).

Schluss

Ich muss zugeben, dass es mir wie eine Übertreibung vorkam, die Auferstehung „das Herz des Evangeliums“ zu nennen. Doch je mehr ich die Predigten und Briefe der Apostel las, umso mehr rückten für mich die Tatsache und die Bedeutung der Auferstehung ins Zentrum, ohne dass das Kreuz dabei verdrängt wurde.

  1. B. Warfield schrieb: „Die Auferstehung Christi ist das Fundament für die Hoffnung und den Trost des Christen. Jede Gewissheit auf Errettung steht und fällt mit dieser einen Tatsache.“[3] Unsere Hoffnung auf Vergebung und Erlösung unserer Schuld, die Zuversicht auf ein Herz, das Gott und seine Maßstäbe liebt, die Aussicht auf ein Leben ohne Sünde, Schmerz und Leid, in der ewigen Gegenwart Gottes ruht darauf, dass unser Sühneopfer, unsere Rechtfertigung und unsere Auferstehung in dem lebendigen Sohn Gottes vereint sind. Da Christus nie wieder sterben kann, wird auch unsere Hoffnung niemals sterben. Geben wir Gott die Ehre, indem wir ein Leben führen, durch das unsere Hoffnung und die Kraft der Auferstehung sichtbar werden.

Aufgaben zum Bibelstudium

  1. Das 15. Kapitel des 1. Korintherbriefs ist der Abschnitt, in dem am meisten über die Auferstehung Jesu gesprochen wird. Lies das Kapitel und notiere einige Punkte, welche Hoffnung uns die Auferstehung Jesu gibt.
  2. Lukas überliefert uns in der Apostelgeschichte Zusammenfassungen verschiedener Predigten der Apostel. Lies folgende Abschnitte und schreibe auf, welche Bedeutung die Auferstehung in den jeweiligen Predigten hat (vgl. Apostelgeschichte 2,14-36; 3,12-26; 4,8-12; 5,29-32; 10,34-43; 13,16-41; 17,22-31; 23,1-6; 24,10-21; 26,2-23).
  3. Nimm eine Konkordanz zur Hand oder gebrauche eine Online-Bibel und versuche herauszufinden, welche Auswirkungen es hat „in Christus“ zu sein.

[1] http://www.albertmohler.com/2011/04/22/of-first-importance-the-cross-and-resurrection-at-the-center-2/

[2] Johannes Calvin, Unterricht in der christlichen Religion (Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2008), II.16.13, S. 277.

[3] B. B. Warfield, Selected Shorter Writings, Bd. 1 (New Jersey: P&R, 1970), S. 200.

 

© Herold-Schriftenmission e.V., Herold Oktober 2015

BenSchmidt

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  1. Die Frage, die mir bleibt ist, wie wir die Auferstehung wirklich verstehen müssen? Jesus ist körperlich gestorben und körperlich auferstanden. Geistlich ist er aber nicht gestorben. Die AT-Gläubigen sind ja vor der Auferstehung im Hades gewesen, aber wie kann das sein ohne Auferstehung? Sollen wir diese nur körperlich verstehen? Und wenn ja, dann ist das für uns ja auch noch zukünftlich wenn wir 1.Thess 4,13-17 betrachten.

    Zeigt die Auferstehung nicht einfach seine Allmacht über alle Dinge (in dem Sinne inkl. der Sieg über den Tod) – Hebr 2,14?
    Ich verstehe es immer noch nicht so ganz

    Antwort
    • @ Michyi: Wichtige Frage, die du da stellst!
      Der Mensch besteht aus biblischer Sicht aus einem stofflichen Teil (Körper) und aus nichtstofflichem (Seele und/oder Geist – wobei es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, ob Seele und Geist eines ist oder zwei Teile, aber das ist ein anderes Thema). Die Schrift sagt auch, dass der Tod dann eintritt, wenn „Seele“ und/oder „Geist“ den Körper des Menschen verlassen: „der Leib ohne Geist ist tot“ (Jak 2,26) – interessant ist hier, das Jakobus nicht sagt: „Der Mensch … ist tot“, sondern „der Leib“!
      Über Rahel wird gesagt, dass „ihr die Seele entschwand, weil sie am Sterben war“ (1Mose 35,18). Der Prediger spricht davon, dass „der Geist“ des Menschen zu Gott zurückkehrt, wenn er stirbt (Pred 12,7). Elia bittet Gott darum, dass die „Seele“ des verstorbenen Kindes wieder „in es zurückkehren“ möge (1Kön 17,21). Im Neuen Testament befiehlt Jesus in der Stunde Seines Todes dem Vater seinen „Geist“ an … „und er neigte das Haupt und übergab den Geist“ (Joh 19,30).
      Die stofflichen und nichtstofflichen „Bestandteile“ des Menschen hängen also zusammen – machen den Menschen in diesem fleischlichen Leben zu einer lebenden Person – und doch unterscheiden sie sich voneinander. Bei unserem Tod stirbt der Körper, der nichtstoffliche Teil (Seele und/oder Geist) aber wird, losgelöst von unserem physischen Körper, weiterleben und ist in der Lage in Beziehung zu Gott zu treten. Darum konnte Jesus zum Verbrecher am Kreuz sagen: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43), und Paulus wünscht sich, „aus dem Leib auszuwandern und daheim zu sein beim Herrn“ (2Kor 5,8).
      Ich verstehe es so, dass zwischen unserem Tod und der zukünftigen Auferstehung (von der 1Thess 4,16 spricht) eine Zeit ist, in der unser Geist losgelöst von unserem irdischen Körper existiert, bis er am Tag der Auferstehung (1Thess 4,16) mit einem neuen, himmlischen, herrlichen, unvergänglichen Leib vereint wird (vgl. 1Thess 4,16; 1Kor 15,35-53).
      Ich glaube nicht, dass sich die Seele in der Zwischenzeit – zwischen leibl. Tod und leibl. Auferstehung – in einem Zustand der unbewussten Existenz, einer Art Koma oder Schlaf befindet (auch wenn es sich manchmal so anhört, wie in der Situation, als Jesus sagt, „Lazarus schläft und ich gehe hin, um ihn aufzuwecken“ [Joh 11,11]. Diese Aussage verstehe ich mehr als Metapher dafür, dass Lazarus‘ Zustand nur vorübergehend ist). Gegen diese Sicht des Seelenschlafs in der Zeit zw. Tod und Auferstehung sprechen nämlich einige Stellen, wie Lk 23,43: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ oder Offb 6,9-11, wo die verstorbenen Heiligen in dieser Zwischenzeit mit Gott sprechen – was voraussetzt, dass sie wach und bei Bewusstsein sind. Oder auch das Geschehen um den reichen Mann und den armen Lazarus (was m.E. ein wahres Ereignis beschreibt und nicht nur ein Gleichnis ist). Dort wird Lazarus unmittelbar nach seinem Tod in die Herrlichkeit gebracht (vgl. Lk 16,25).
      So verstehe ich die biblischen Aussagen und Zusammenhänge.
      Und, ja: Die Auferstehung Jesu zeigt seine Allmacht und seinen Sieg über den Tod, denn es war „unmöglich, dass er vom Tode festgehalten werden konnte“ (Apg 2,24). Aber dies ist eben nur ein Teil ihrer immensen Auswirkungen. Seine Auferstehung ist auch unsere Rechtfertigung und in Ihm sind auch wir (geistlich) zu einem neuen Leben auferstanden und dürfen die zukünftige (leibliche) Auferstehung erwarten (vgl. Röm 6,4-5; 1Kor 15,12 ff.).

      Antwort

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