Das Bekenntnis von Jesus Christus als „unseren Herrn“ ist nichts weniger als das Bekenntnis der Apostel, und durch sie auch das der ersten Gläubigen.

Der Titel „Herr“ (kyrios) ist der höchste und erhabenste Titel, der für Jesus verwendet wird. In der Welt des Neuen Testaments hatte der Begriff kyrios verschiedene Bedeutungen. Er wurde sowohl für eine höfliche Anrede als auch für den Ehrentitel eines Herrschers – wie auch von einem Sklaven zu seinem Herrn – verwendet. Die Apostel bezeichnen sich in ihren Briefen mehrmals als „Sklaven (Knecht) Jesu Christi“ (vgl. Röm 1,1; Phil 1,1; Tit 1,1; Jak 1,1; 2 Petr 1,1; Jud 1). Ein Herr war nicht nur der Besitzer und Gebieter über seine Sklaven, er war auch für sie verantwortlich. Dieser Vergleich wird im Neuen Testament häufig herangeführt, wenn Jesus als „Herr“ über die Gemeinde der Gläubigen bezeichnet wird. Die ersten Christen riskierten ihr Leben, wenn sie sich weigerten, den römischen Kaiser ebenfalls als kyrios zu bezeichnen – was zur damaligen Zeit ein alltäglicher Ausdruck der Loyalität gegenüber dem Kaiser war. Dabei müssen wir wissen, dass die römischen Kaiser sich diesen Titel zulegten, um ihre angebliche Göttlichkeit zur Schau zu stellen. Nach dem mittelalterlichen Weltbild beinhaltete die Herrschaft über das römische Reich auch die Herrschaft über den gesamten Kosmos. Daher entschieden sich manche Christen, eher zu sterben als diesen Titel jemand anderem zuzuschreiben als allein dem Herrn Jesus, der sie erkauft und errettet hatte, dem jede Macht im Himmel und auf Erden gehört.

In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments (der Septuaginta) wurde der hebräische Gottesnamen Adonai mit dem Begriff kyrios wiedergegeben. Der Bundesname Yahwe war den Juden selbst während des Gottesdienstes zu heilig, um ausgesprochen zu werden, weshalb sie ihn durch den Namen Adonai ersetzten. Adonai umfasste Gottes absolute Macht und Autorität.

Psalm 8 beginnt mit den Worten „HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen“ (V. 2). Wörtlich übersetzt würde dieser Vers lauten: „Yahwe, unser Adonai, wie herrlich ist dein Name …“ Während Yahwe Gottes persönlicher Bundesname für das Volk Israel ist, war Adonai so etwas wie sein Hoheitstitel.

Dass Jesus offensichtlich der Herr ist, liegt auf der Hand. Er ist der absolute Herrscher und Gebieter über die ganze Schöpfung – sie umfasst das gesamte Universum. Allerdings spricht das Apostolische Bekenntnis nicht nur davon, dass Jesus „der Herr“ ist, sondern es sagt deutlich aus, dass er „unser Herr“ ist. Zum christlichen Glauben gehört die persönliche Unterordnung des Gläubigen unter die Autorität Jesu Christi als seinen göttlichen König. Ein Lippenbekenntnis allein bedeutet hier jedoch nichts. Jesus sagte: „Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: ‚Herr, Herr! Haben wir nicht in deinem Namen prophetisch geredet, in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunder getan?‘ Dann werde ich zu ihnen sagen: ‚Ich habe euch nie gekannt. Geht weg von mir, ihr mit eurem gesetzlosen Treiben!‘“ (Mt 7,22-23). Jesus seinen „Herrn“ zu nennen, mit allen dazugehörigen Konsequenzen, kann niemand tun, es sei denn, er wird vom Heiligen Geist geleitet (1 Kor 12,3).

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