»Gott […] redete am Ende dieser Tage durch seinen Sohn zu uns« (Hebräer 1,1+2)

Im Alten Testament kommt »Jahwe«, der Name Gottes, mehr als 6000mal vor – im Neuen Testament dagegen kein einziges Mal! Die Kurzform »Jah« erscheint als Teil des Ausrufs »Hallelujah« (vgl. Offb 20,1-6). So jedenfalls ist der übereinstimmende Befund der zahlreichen Abschriften neutestamentlicher Bücher. In den neutestamentlichen Stellen, in denen das Alte Testament zitiert wird, tritt »kyrios«, das griechische Wort für »Herr«, an die Stelle des alttestamentlichen »Jahwe«. Das entspricht der bereits in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments, geübten Praxis. Die Vermutung, dass an diesen Stellen der neutestamentlichen Texte ursprünglich »Jahwe« (oder ein passendes griechisches Äquivalent) stand, ist eine unwahrscheinliche Spekulation. Es gab damals keine Instanz (vergleichbar dem späteren römischen Papsttum), das in den ersten Jahrhunderten zentral eine Änderung beim Abschreiben der Handschriften hätte anordnen können. Wenn alle erhaltenen Abschriften – auch die lateinischen, syrischen und koptischen Übersetzungen – hierin übereinstimmen, dann ist klar, dass eben bereits in den neutestamentlichen Originalschriften »kyrios« anstelle von »Jahwe« geschrieben wurde.

Doch selbst wenn man annehmen würde, dass in den Originaltexten des Neuen Testaments der Name »Jahwe« stand (oder zumindest dort, wo aus dem Alten Testament zitiert wurde), ergibt sich nur eine geringe Anzahl des möglichen Vorkommens von »Jahwe« (ca. 100-200mal). Ein starkes Absinken der Häufigkeit des Vorkommens von »Jahwe« im Neuen Testament, verglichen mit den Schriften des Alten Testaments ist also nicht zu bestreiten! Dies gilt auch unter Berücksichtigung des größeren Umfanges des Alten Testaments (es ist ca. 3,7mal so umfangreich wie das Neue Testament). Dieses starke Absinken der Häufigkeit – wenn man sich auf die erwähnte Spekulation nicht einlässt, könnte man auch von einem Verschwinden sprechen – des Vorkommens des Namens »Jahwe« ist ein Rätsel.

Das Rätsel löst sich, wenn wir bedenken, dass der Name »Jesus« (hebr. Yeshua) eigentlich »Jahwe ist Rettung« bedeutet. Der Name »Jesus« kommt im Neuen Testament etwa 900mal vor – an allen diesen Stellen können wir uns dafür »Jahwe ist Rettung« denken. In dieser Form, also im Namen »Jesus«, kommt »Jahwe« auch im Neuen Testament enorm häufig vor. Und tatsächlich offenbart sich Gott im Neuen Testament vor allem in der Person Jesu.

Von daher erklären sich weitere überraschende Aussagen des Neuen Testaments. Der Name Jesus »ist über allen Namen«, sagt uns der Apostel Paulus (vgl. Phil 2,9). Steht er also auch über dem Namen »Jahwe«? Nun, wenn bei »Jesus« immer auch »Jahwe« mit gemeint ist, stellt sich eine solche Frage gar nicht. Der Name »Jesus« steht nicht über dem Namen »Jahwe«, aber Jahwe selbst offenbart sich in der Person und im Namen Jesu. Und da Jahwe der Allerhöchste ist, steht der Name Jesu über allen anderen Namen.

Hier wird auch verständlich, warum im Neuen Testament vieles auf Jesus bezogen wird, wo man eher einen Hinweis auf »Jahwe« oder auf den Allerhöchsten erwarten würde: »In keinem anderen Namen liegt das Heil«, als nur im Namen »Jesus« (vgl. Apg 4,12). Wem hier die Frage kommt, ob auch im Namen Jahwe nicht das Heil liege, dem sei die gleiche Antwort gegeben: Jahwe selbst offenbart sich in der Person und im Namen Jesu! Alles also, was wir tun, sollen wir im Namen Jesu tun (vgl. Kol 3,17). Und wenn sich alle Knie im Namen Jesu beugen, dann geschieht das zur Ehre des Vaters (vgl. Phil 1,10ff). Die Gläubigen zur Zeit des Alten Testaments waren »Zeugen Jahwes« (vgl. Jesaja 43,10), die Gläubigen des Neuen Testaments dagegen »Zeugen Jesu« (vgl. z. B. Apostelgeschichte 13,31). Die Lösung für all diese erstaunlichen Bezugnahmen auf Jesus ist folgende: Nicht ein Name hat den anderen verdrängt, sondern Gott offenbarte sich ursprünglich als »Jahwe«, und offenbart sich nun in »Jesus«.

Die Tatsache, dass »Jahwe« im Namen »Jesus« steckt, macht noch weitere Aussagen verständlich. Jesus sagte, dass er im Namen seines Vaters gekommen ist (vgl. Joh 5,43); zu seinem Vater sagte er: »[…] in deinem Namen, den du mir gegeben hast« (Johannes 17:11f). Zum Volk Israel sagte Jahwe vor dem Auszug aus Ägypten, dass er einen Engel schicken werde, der dem Volk vorangeht. Diesem Engel sollte das Volk gehorchen, denn – so Jahwe – »in ihm ist mein Name gegenwärtig« (2.Mo 23,20ff).

In der Bibel lesen wir mehrmals von einer Namensänderung: Eine Person trat zuerst mit einem bestimmten Namen auf und erhielt später einen anderen: »Abram« wird zu »Abraham« (vgl. 1.Mo 17,5), »Sarai« zu »Sara« (vgl. 1.Mo 17,15), »Jakob« wird zu »Israel« (vgl. 1.Mo 32,28), »Saulus« wird zu »Paulus« (vgl. Apg 13,9). In ähnlicher Weise tritt Gott den Menschen im Alten Testament als »Jahwe« entgegen und später, im Neuen Testament, als »Jahwe rettet« – eben als »Jesus«. Dies heißt nicht, dass beide absolut identisch sind! Die Tatsache, dass wir Gottes Wesen nur bruchstückhaft erfassen können, sollte uns nicht überraschen. Es fehlen uns dafür geeignete Analogien im Rahmen der geschaffenen Welt. Gott, der Schöpfer, geht über den Rahmen des Geschaffenen weit hinaus.

© Herold-Schriftenmission e.V., 2013

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