„Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,8). Er ist auch Vater, Sohn und Heiliger Geist – drei Personen, doch nur ein Gott. Wir dürfen niemals die Einheit Gottes aus den Augen verlieren, doch wir verbinden mit jeder der drei Personen etwas anderes. Wir denken bei dem Sohn an den, der in Jesus Christus Mensch wurde und für uns das Heil erworben hat; bei dem Heiligen Geist an den, der immer bei uns ist und uns die Segnungen des Werkes Christi zuteil werden lässt; und bei dem Vater an den, der die Welt der Sünder so sehr geliebt hat, „dass Er seinen eingeborenen Sohn dahingab“ (Joh 3,16). Diese Liebe, die Gott, der Vater, zu den Sündern hat, wird uns bei dem Vater im sogenannten „Gleichnis vom verlorenen Sohn“ plastisch vor Augen geführt.

Was geschah an dem Tag, als der jüngere Sohn das Haus verließ, um in ein fernes Land zu ziehen? Es wird uns nicht gesagt, aber es sieht nicht so aus, als ob der Vater sich besonders darum bemühte, seinen Sohn an diesem Auszug zu hindern. Wahrscheinlich kannte er seinen jüngeren Sohn gut genug, um es gar nicht erst zu versuchen. Dies bedeutet nicht, dass er ihn nicht liebte, und doch gab er ihm sein Erbe und ließ ihn gehen. Aber der Fortgang des Gleichnisses zeigt, dass er ihn sehr liebte. Dieses Ziehenlassen verdeutlicht die Art und Weise, wie Gott, der Vater, mit manchen von denen verfährt, die Er liebt. Er befasst sich mit jedem einzelnen ganz individuell und stets im Einklang mit seiner vollkommenen Weisheit. Der entscheidende Punkt hier ist, dass Er diejenigen, die Er liebt, zuweilen ihre unheilvollen Irrwege in die Welt gehen lässt. Doch während dieser Zeit wacht Er über sie, beschützt ihr Leben, und bewahrt sie sogar vor bestimmten Sünden. Ein irdischer Vater vermag dies nicht zu tun. Er kann nur darum beten, dass Gott seinen Sohn bewahrt und ihn eines Tages sicher zurückbringt. Solange der Sohn in dem fernen Land ist, ist er außerhalb der Kontrolle seines Vaters. Das einzige, was der irdische Vater zudem tun kann, ist, jeden Tag danach Ausschau zu halten, ob sein innig geliebter Sohn sich nicht doch auf den Heimweg gemacht hat. Nebenbei können wir sagen, dass dies einen wichtigen Punkt im Blick auf die Auslegung dieses Gleichnisses beleuchtet. Der irdische Vater ist in mancher Hinsicht ein Beispiel für Gott, den Vater, aber in manch anderer Beziehung ist er es nicht und kann es auch nicht sein. Gott ist eben Gott und der Mensch ein Mensch.

Gehen wir nun in das ferne Land und schauen, wie es dem Sohn ergeht. Er sieht schweren Zeiten entgegen, nachdem er sein ganzes Geld durchgebracht hat. Um zu überleben, hat er die einzige Arbeit angenommen, die er bekam – Schweine füttern. Er ist jedoch nicht nur hungrig, sondern auch einsam und total frustriert. Immer noch verkörpert er den Sünder, auf den Gott, der Vater, weiterhin achtgibt und den Er liebt, trotz der Tatsache, dass er schwer gegen Gott gesündigt hat.

Von den vielen eigensinnigen Kindern, die ihr Zuhause verlassen, landen viele im Elend, aber nur wenige kehren wieder zurück. Ihr Stolz steht ihnen im Weg. Es mag ihnen so erbärmlich gehen, dass sie ihre Torheit einsehen und sogar zugeben: „Ich bin so ein Idiot.“ Doch nur sehr wenige sind demütig und weise genug, um zu sagen: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen“ (Lk 15,18) – und dies dann auch tatsächlich tun. Wir haben hier also etwas ganz Außergewöhnliches. Es ist ein Bild für den Sünder, der weit weg von Gott in der Sünde lebt, und doch von Gott, dem Vater, geliebt wird, der seinen Heiligen Geist gesandt hat, um den Sünder zur Umkehr zu bringen. Dies drücken die Worte, „er kam zu sich selbst“ (Vers 17), auf wunderbare Weise aus. Es verdeutlicht, was geschieht, wenn Gott einen Sünder zur Besinnung bringt. Dies ist die charakteristische Liebe und Barmherzigkeit Gottes, des Vaters. Er handelt zwar nach seinem souveränen Willen, doch sein Ruf ergeht an alle ohne Ausnahme. Er ruft sie zu sich, damit sie in Jesus Christus das Leben und die Vergebung finden. Aber nur der, dessen Hochmut von dem großartigen Mittler – von Gott, dem Heiligen Geist – überwunden wird, wird kommen, ganz gleich, wie groß sein Elend auch ist. Der Heilige Geist befähigt zu einer echten und entschlossenen Lebenswende, die wir „Umkehr“ nennen – das sich von der Sünde und der Welt abwenden, um zu Gott umzukehren und sein großes Heil zu empfangen.

Die nächste Szene übertrifft alle anderen. Sie zeigt die unfassbare Liebe Gottes, des Vaters, der den bußfertigen Sünder aufnimmt. Der irdische Vater sucht noch immer den Horizont ab, und so entdeckt er seinen Sohn, als dieser „noch weit entfernt war“ (Vers 20). Sein Herz macht einen Freudensprung. Er kann nicht warten, bis sein Sohn ankommt. Er läuft ihm entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Er macht ihm keine Vorwürfe. Er hört das Bekenntnis des Sohnes und freut sich darüber, aber über allem steht die Liebe zu seinem Sohn. Er sagt nicht: „Wasch dich erst mal, damit ich dir die Hand schütteln und dich umarmen kann.“ Der Vater umhüllt ihn mit seiner Liebe, als ihm der Gestank des fernen Landes noch anhaftet. Der Vater ist der glücklichste Mensch auf Erden und überlegt sofort, was er tun kann, um dieses freudige Ereignis recht zu würdigen.

Er bereitet ein Fest vor. Er befiehlt, drei Dinge zu bringen: das beste Gewand, einen Ring und Sandalen. Ohne hier ins Allegorisieren zu verfallen, können wir doch annehmen, dass diese Gegenstände die Rechtfertigung, die Sohnschaft und die Heiligung darstellen. Das Gewand spricht von der Gerechtigkeit Christi, die dem Sünder zuteil wird, der Ring spricht von der Zugehörigkeit zur Familie Gottes und die Sandalen vom Wandel mit Gott. Alle diese Dinge verweisen auf die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, des Vaters, die der Sünder erfährt, der zu Christus kommt. Der irdische Vater befiehlt zudem, dass das gemästete Kalb geschlachtet werden soll, damit alle an dem Fest teilnehmen können. Dies ist ein Bild für die Freude im Himmel über den Sünder, der umkehrt.

Es gibt noch eine Sache, die wir betrachten müssen. Als der ältere Bruder sich über dieses Fest empört und nicht daran teilnehmen will, geht der Vater zum ihm hinaus und redet ihm gut zu, doch er lehnt ab und bleibt draußen. Dies ist ein wichtiger Aspekt. Er verweist auf Gott, den Vater, der den Sünder herzlich einlädt, selbst den, der zu stolz ist, die Einladung anzunehmen. Doch diese Ablehnung verdirbt nicht das Fest auf der Erde, und sie mindert ganz sicher nicht die Freude im Himmel über einen Sünder, der umkehrt. Der irdische Vater beschreibt auf wunderbare Weise den Grund für das Freudenfest: „Dein Bruder war tot, und ist wieder lebendig geworden; er war verloren, und nun ist er wiedergefunden worden“ (Vers 32). Diese Freude empfand der irdische Vater über die Heimkehr seines Sohnes. Wie viel mehr wird sich Gott, der himmlische Vater, über einen Sünder freuen, der geistlich tot war und nun das ewige Leben empfängt, der verloren war und gefunden wurde.

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