„Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt, von der wir reden, unterstellt; sondern an einer Stelle bezeugt jemand ausdrücklich und spricht: »Was ist der Mensch, daß du an ihn gedenkst, oder der Sohn des Menschen, daß du auf ihn achtest? Du hast ihn ein wenig niedriger sein lassen als die Engel; mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände; alles hast du seinen Füßen unterworfen.« Indem er ihm aber alles unterworfen hat, hat er nichts übriggelassen, das ihm nicht unterworfen wäre. Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass ihm alles unterworfen ist; wir sehen aber Jesus, der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; er sollte ja durch Gottes Gnade für alle den Tod schmecken“ (Hebräer 2,5-9).

Der Tod und die Auferstehung Jesu Christi sind die einzige wahre Antwort auf die Probleme dieser Welt. Betrachten wir verschiedene Lösungsansätze, die die Menschheit im letzten Jahrhundert verfolgt hat, wie Bildung und gesellschaftlichen Strukturwandel und Einkommensverbesserungen, muss man erkennen, wie jeder von ihnen versagt hat. Und sie mussten scheitern – aufgrund des ungelösten Problems der Sünde im menschlichen Herzen. Doch hier stellt sich die Frage: »Wenn der Tod und die Auferstehung von Jesus tatsächlich die Lösung für die Probleme dieser Welt sind, und wenn Er wirklich gestorben ist und auferweckt wurde, wieso gibt es dann noch all diese Probleme auf der Welt?«

Das ist eine wichtige Frage. Und sie befasst sich mit der Beziehung der gegenwärtigen Welt zum Erlösungswerk Jesu Christi. Mit dieser Frage beschäftigt sich hier der Verfasser des Hebräerbriefes. Er hatte bereits über die Erhabenheit Christi gegenüber den Engeln gesprochen. Als er dieses Argument vorbrachte, betonte er vor allem, dass der auferstandene Herr Jesus zur Rechten Gottes regiert, mit aller Autorität und Herrschaft. Nun nimmt er einen Einwand gegenüber seiner Argumentation vorweg. Seine Leser sahen sich schließlich gewaltsamen Verfolgungen ausgesetzt. Wie aber konnte dies geschehen, mögen sie sich gefragt haben, wenn Christus doch schon jetzt herrscht? Unsere heutige Bibelstelle bietet eine bemerkenswerte Lösung für dieses Problem, die eine beeindruckende Schau der ganzen Weltgeschichte zeigt und wie sie auf den Tod, die Auferstehung und die Erhöhung Jesu Christi ausgerichtet ist.

1. Das Problem der Weltgeschichte: die verlorene Herrschaft

Kapitel 1 schließt mit dem erhöhten Christus im Himmel, und die Unterwerfung all seiner Feinde. In Hebr 1,13 fragt der Verfasser: »Hat Gott je zu einem Engel gesagt: ›Setze dich an meine rechte Seite, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße gemacht habe‹?« Nun nimmt er dieses Thema wieder auf und schaut nach vorne auf die Zeit, wenn die Herrschaft Christi sich vollenden wird. Er schreibt: »Gott hat die zukünftige Welt, um die es in unserer Verkündigung geht, nicht den Engeln unterstellt« (Hebr 2,5).
»Die zukünftige Welt« ist die Zeit, wenn alle Segensverheißungen und Prophezeiungen unter der endgültigen Herrschaft Christi verwirklicht sind. In gewisser Hinsicht ist diese Vollendung schon garantiert, da Christus ja an Gottes rechter Seite herrscht. Dies ist es, was Jesus vor seiner Himmelfahrt als Grundlage für den Missionsbefehl betont: »Mir ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben« (Matth 28,18). Er hat in seinem geistlichen Reich alles unter Kontrolle und regiert jetzt über die Welt, und besonders im Leben derer, die Ihn ihren Herrn nennen.

Das ist also die gegenwärtige Situation: Christus regiert in diesem Augenblick über sein neues Königreich und seine neue Menschheit, doch zur gleichen Zeit sehen sich die Leser dieses Briefes, wie auch wir, immer noch den Verhältnissen der alten Realität unterworfen. Dies ist das augenscheinliche Problem, und der Verfasser des Hebräerbriefes befasst sich damit, wie er es schon zuvor getan hat, indem er ein Zitat aus den Psalmen anführt. Seine Verwendung des Alten Testaments beweist, dass das, was jetzt geschieht, Teil von Gottes vorherbestimmtem und zuvor offenbartem Plan für den Lauf der Weltgeschichte ist. Diesmal zitiert er Psalm 8, den er im Leben und Werk von Jesus Christus erfüllt sieht: »Es gibt eine Stelle in der Schrift, an der ausdrücklich gesagt wird: ›Was ist der Mensch, dass du, Gott, an ihn denkst? Was ist der Menschensohn, dass du dich um ihn kümmerst? Du hast ihn für eine kurze Zeit geringer gemacht als die Engel, dann aber hast du ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt und hast ihm alles unter die Füße gelegt‹« (Hebr 2,6-8).

Psalm 8 preist Gott für seine Majestät, wie sie sich in der Schöpfung offenbart. »HERR, unser Herrscher«, beginnt David, »wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde!« (Ps 8,1). Im Vergleich dazu denkt er dann über die Bedeutungslosigkeit des Menschen nach und staunt über Gottes Fürsorge für seine Geschöpfe: »Was ist der Mensch, dass du, Gott, an ihn denkst? Was ist der Menschensohn, dass du dich um ihn kümmerst?« (Ps 8,4). Als der Dichter hinaufschaut in die Weiten des Sternenhimmels, da überkommt ihn das überwältigende Gefühl seiner eigenen Nichtigkeit. Angesichts dieser unermesslichen Weite, angesichts all dieser Beweise der Schöpferkraft, wie unbedeutend ist da der Mensch!
Allerdings ist Gottes Güte gegenüber der Menschheit ein weiterer Grund zum Staunen. Psalm 8 fährt fort: »Du hast ihn für eine kurze Zeit geringer gemacht als die Engel, dann aber hast du ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt und hast ihm alles unter die Füße gelegt« (Ps 8,5 6). Dies ist eine poetische Beschreibung dessen, was Gott bei der Erschaffung des Menschen in seinem Ebenbild tat. Seine Ebenbildlichkeit manifestiert sich zum Teil in der Herrschaft, die Gott dem Menschen über den Garten Eden übertrug. Wir sehen dies in 1. Mose 1,26, wo es heißt: »Und Gott sprach: ›Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. Sie sollen über die Fische im Meer herrschen und über die Vögel am Himmel und über die Landtiere, über die ganze Erde und alles, was auf ihr kriecht.‹«

In Hebräer 2,8 erläutert der Verfasser, wie umfassend die Herrschaft des Menschen war: »Es gibt nichts, worüber er nicht der Herr wäre.« So sah die Herrschaft des Menschen aus, die ihm über die ganze Schöpfung übertragen wurde. Doch der Verfasser weist darauf hin, dass dies nicht die Situation ist, die wir zurzeit erleben: »Im Moment können wir dies freilich noch nicht erkennen.« Hier haben wir eine Erklärung für das Problem der Menschheit – das Problem der verlorenen Herrschaft. Was Gott für den Menschen bei der Schöpfung vorgesehen hatte, ist nicht das, was wir gegenwärtig sehen.

Das ist eigentlich noch eine Untertreibung! Wenn wir uns umschauen, sagt die Bibel, sieht es ganz und gar nicht so aus, als habe der Mensch alles unter seiner Kontrolle! Wenn Gott alles unter die Füße des Menschen gestellt hatte, dann ist irgendetwas gewaltig schief gelaufen. Wenn wir einmal die Dinge in dieser Welt auflisten, die offensichtlich nicht der Kontrolle des Menschen unterliegen, wird es eine ziemlich lange Liste werden. Der Mensch ist den Launen des Wetters ausgeliefert; seine Lebensmittelversorgung wird gerade heute sehr stark durch Mächte beeinflusst, auf die wir keinen Einfluss haben. Denken wir nur an die Warenterminbörsen, wo um die Preise der Grundnahrungsmittel gezockt wird. Die Menschheit hungert, flieht, blutet, schreit und leidet überall auf unserem Globus. Wirbelstürme, Dürren, Erdbeben und Überflutungen treffen den Menschen mit ungezügelter Wucht. Der Mensch hat ein großes Maß an Einfluss auf die Natur und das Tierreich, aber er beherrscht sie nicht. In Wirklichkeit ist der Mensch ja noch nicht einmal in der Lage, sich selbst unter Kontrolle zu halten – seine eigenen Leidenschaften oder seine Gedanken. Ein kurzer Blick in die Medien zeigt die Hilflosigkeit des Menschen im Blick auf internationale, regionale und individuelle Krisen, die überall zunehmen. »Im Moment können wir dies freilich noch nicht erkennen.« Uns allen steht dieses Problem so klar vor Augen, dass es keines weiteren Beweises bedarf.
Im zweiten und dritten Kapitel des 1. Buches Mose wird uns berichtet, wie es zu diesem Dilemma kam. Gott hatte Adam, dem Repräsentanten der Menschheit, das Gebot gegeben, nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen. Er sollte nicht die Unabhängigkeit von Gott suchen. Und obwohl er Herr im Garten Eden war, sollte er seine Unterordnung unter den Schöpfer anerkennen. Dann drohte Gott eine Strafe an: »An dem Tag, an dem du davon isst, wirst du gewiss sterben« (1 Mose 2,17).

1 Mose 3 berichtet uns, was dann geschah. Die Schlange verführte Eva, und sagte ihr, dass Gott Adam dieses Gebot nur deshalb gegeben habe, um sie von ihrer rechtmäßigen Bestimmung fernzuhalten. Es ist stets das Ziel des Teufels, uns davon zu überzeugen, dass Gott in Wirklichkeit gar nicht gut sei, trotz der überwältigenden Beweise seiner Fürsorge. Und so geschah es auch im Garten Eden. Entgegen der Anweisung Gottes, nicht von der verbotenen Frucht zu essen, sagte Satan zu ihr: »Ihr werdet ganz sicher nicht sterben. Aber Gott weiß genau: Sobald ihr davon esst, werden eure Augen aufgehen, und ihr werdet sein wie Gott, und werdet erkennen, was gut und böse ist« (1 Mose 3,4-5). Durch Eva motiviert, aß auch Adam von der verbotenen Frucht. Er erkannte tatsächlich, was gut und böse ist: Nun erkannte er das Gute, das er verwirkt hatte und das Böse, das er durch die Rebellion gegen Gott erlangt hatte. Doch Adam wurde nicht wie Gott, sondern wie der Teufel, dem er gehorcht hatte. Nun, als es zu spät war, erkannten sie die Torheit ihres Tuns. Sie sahen das Glück, das sie verloren hatten, und das Elend, in das sie gestürzt waren.
Und so wurde der Mensch – den Gott als Träger seines Ebenbildes erschaffen hatte, der mit Herrlichkeit und Ehre und Herrschaft gekrönt war – zum Gegenstand des Fluches Gottes, ja er musste sogar den Tod erleiden. Dieser Fluch kennzeichnet den Menschen bis heute, mit all seiner Frustration und seinem vergeblichen Bemühen. Statt über die Schöpfung zu regieren, kehrt nun jeder Einzelne von uns zurück zum Staub, von dem wir genommen sind.

Dies ist das Problem der Menschheit: Paradise lost – das verlorene Paradies, und damit verbunden, die verlorene Herrschaft und den verwirkten Segen Gottes. Dies ist das Problem der Weltgeschichte – das Grundproblem, das uns zu Beginn der Bibel gezeigt wird – die Folgen davon werden dann in der ganzen restlichen Bibel entfaltet. »Im Moment können wir freilich noch nicht erkennen, dass Gott ihm alles unterstellt hat«, sagt unser Verfasser.

2. Die Lösung für die Weltgeschichte: der gekrönte Jesus

Wenn wir sehen, dass der Fall des Menschen in Sünde und Tod das große Problem der Weltgeschichte ist, ist es leichter, die Bedeutung des Erlösungswerkes Jesu Christi zu erkennen. Wie wir ein Problem definieren, ist entscheidend für die Lösung des Problems. Und so ist es auch mit der Lösung, die Jesus Christus für das Problem dieser Welt gebracht hat.

Die Menschen sehen das Problem dieser Welt, in mangelnder Bildung, sozialem Ungleichgewicht und in der Armut. Wenn man hier Abhilfe schaffe, sei das Problem gelöst.

Aber was ist, wenn das Problem des Menschen tiefer liegt? Was ist, wenn das Problem dieser Welt darin besteht, dass der Mensch ein Sklave der Sünde ist und unter dem Fluch des Todes steht? Was ist, wenn das Problem des Menschen darin besteht, dass wir seit Adams Sündenfall von Natur aus Sünder sind, von Gott verdammt und unfähig, ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden zu führen? In diesem Fall wird eine radikalere Lösung verlangt, eine Lösung, die weit außerhalb der Reichweite des Menschen selbst liegt. Gott muss einen Erlöser senden, der den Fluch der Sünde wegnimmt und für immer die Macht der Sünde zerbricht.

Darin sieht die Bibel das Problem des Menschen, sowohl im Hebräerbrief wie auch in 1. Mose 3. Der Mensch wurde in Herrlichkeit und Ehre und zur Herrschaft erschaffen, aber er hat diese Stellung verloren. Die Mittel, die für die Wiederherstellung des Paradieses nötig sind, liegen nun außerhalb seiner Möglichkeiten. Nach Aussage der Bibel gibt es nur eine Lösung für dieses Problem, ein Heilmittel, das nicht vom Menschen, sondern von Gott kommt, nicht von der Erde, sondern aus dem Himmel. Der Apostel Paulus schreibt: »Christus starb ja für uns zu einer Zeit als wir noch ohnmächtig der Sünde ausgeliefert und Gottlose waren. … Gott beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren« (Röm 5,6-8).

Dies sagt auch der Verfasser des Hebräerbriefes. »Im Moment können wir freilich noch nicht erkennen«, sagt er über den Menschen, »dass Gott ihm alles unterstellt hat. Wir sehen aber Jesus, der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt« (Hebr 2,8-9). Einerseits ist da der Mensch, gefangen in der Finsternis seines verlorenen Paradieses. Doch in diese Situation sendet Gott seinen eigenen Sohn, den neuen Menschen, den zweiten Adam. Er ist sowohl die Antwort auf das Problem des Menschen wie auch auf das Problem der Weltgeschichte. Er ist die große, die letzte, die einzige Hoffnung. In Ihm liegt nicht nur die Erfüllung der verheißenen Bestimmung des Menschen, sondern auch die Verwirklichung von Gottes Plan, wie er in Psalm 8 dargelegt wird. Die Weltgeschichte wurde zu Seiner Geschichte. Jesus ist der neue Adam der neuen Schöpfung; was Adam verlor, hat Er wiedergewonnen. Alle, die durch den Glauben zu Christus gehören, werden an der zurückgewonnenen Herrlichkeit und Ehre und Herrschaft des neuen Menschen teilhaben. »Wir sehen Jesus.« Dies ist das Ziel des Hebräerbriefes. Vom Anfang bis zum Ende zeigt er uns, dass Jesus die Antwort ist, derjenige, der das wiedergewinnt, wozu der Mensch erschaffen wurde.

3. Seine Geschichte: Erniedrigung, Verherrlichung, Triumph

Aus biblischer Perspektive handelt die Weltgeschichte vom Sündenfall des Menschen, durch den er Segen und Herrschaft verlor, und von Jesus Christus, als der Antwort Gottes, dem Erlöser derer, die verlorene Sünder sind, und dem Vorläufer der neuen Schöpfung, in der Gottes ursprünglicher Ratschluss sich wunderbar erfüllt. Im Zentrum der Weltgeschichte steht die Geschichte von Jesus Christus, und der Verfasser des Hebräerbriefes sieht diese Geschichte in den Worten von Psalm 8 beschrieben, wie er sie in Hebräer 2,9 darstellt: »Wir sehen aber Jesus, der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel, wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; er sollte ja durch Gottes Gnade für alle den Tod schmecken.«

In Jesu Leben und Geschichte können wir drei verschiedene Phasen sehen, die beiden ersten werden hier genannt: seine Erniedrigung und seine Erhöhung an Gottes rechte Seite. Zuerst sehen wir Jesu Erniedrigung, die hier mit den Worten beschrieben wird: »Der ein wenig niedriger gewesen ist als die Engel« (Hebr 2,9). Wir sollten daran denken, dass Jesus die zweite Person der Gottheit war, bevor Er in Bethlehem geboren wurde. Er ist in Ewigkeit Gott, der Sohn. Seine Existenz vor der Inkarnation war die der vollkommenen Herrlichkeit, und doch nahm Er das sterbliche Fleisch an. Um seines Erlösungswerkes willen erniedrigte Er sich selbst als Mensch unter die Engel. Der Tiefpunkt seiner Erniedrigung kam am Kreuz, wo unser Herr eines Todes starb, der vor den Menschen schändlich und vor Gott verflucht war. Er trägt die Schuld unserer Sünden, Er ertrug den ganzen Zorn Gottes.

Hebräer 2,9 spricht von Jesu »Todesleiden; er sollte ja durch Gottes Gnade für alle den Tod schmecken.« Der Tod Jesu war nicht wie der Tod irgendeines anderen Menschen, denn Er war nicht bloß Mensch, sondern auch Gott. Er war kein Sünder, sondern das fleckenlose Lamm Gottes. Mit seinem Tod nahm Jesus Gottes Fluch für die Sünde auf sich – denselben Fluch, der die Menschheit ruiniert hatte. Beim Sündenfall erlitt der Mensch den Tod; aber Christus kam in die Welt als Gott und Mensch, um diesen Tod auf sich zu nehmen und uns dadurch vom Tod ins Leben zu führen. Wie Paulus in 2. Korinther 5,21 schreibt: »Den, der keine Sünde kannte, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können.« Das ist die Bedeutung der Erniedrigung Jesu Christi.
Als Antwort auf Christi Gehorsam bis zum Tod erweckte Ihn Gott von den Toten und erhöhte Ihn zu seiner rechte Seite. Dies ist die zweite Phase in der Geschichte von Christus. Er ist, sagt Hebräer 2,9, »wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.« Indem Er Christus von den Toten auferweckte, ehrte Gott, der Vater, Jesu vollkommenen Gehorsam, erwies seine Unschuld, nahm sein Opfer an, und errichtete seine Herrschaft über die neue Menschheit, deren Herr und Vorläufer Er ist. Der Tod hat nicht den Sieg über Jesus Christus errungen, vielmehr wurde der Tod besiegt. Schon jetzt herrscht der Herr Jesus in dieser zweiten und gegenwärtigen Phase seiner großartigen Heilsgeschichte: Er verleiht all denen das ewige Leben, die Er durch das Evangelium zum Glauben an Ihn erweckt. Deshalb schreibt Paulus auch in 2. Timotheus 1,10, dass Jesus »den Tod entmachtet und Leben und Unvergänglichkeit durch das Evangelium ans Licht gebracht hat.«

4. Der Herr des kommenden Zeitalters

Das geschieht in dieser Welt in diesem Augenblick, und es ist die Antwort auf die Frage, mit der ich begann: »Warum ist diese Welt noch so ein Chaos?« Wenn der Tod und die Auferstehung von Jesus tatsächlich die Lösung für die Probleme dieser Welt sind, und wenn Er wirklich gestorben ist und auferweckt wurde, wieso gibt es dann noch all diese Probleme auf der Welt? Die Antwort lautet: Es kommt noch eine dritte zukünftige Phase. Der Verfasser hatte das im Sinn, als er zu Beginn dieses Abschnitts schrieb: »Gott hat die zukünftige Welt, um die es in unserer Verkündigung geht, nicht den Engeln unterstellt« (Hebr 2,5).

Herrscht Christus in diesem Augenblick? Ja, aber nicht sichtbar. In diesem Sinne gelten die Worte, die an den Menschen gerichtet sind, auch für Ihn: »Im Moment können wir freilich noch nicht erkennen, dass Gott ihm alles unterstellt hat« (Hebr 2,8). Es hat sich bis jetzt noch nicht jedes Knie vor Jesus gebeugt; noch hat nicht jede Zunge Ihn als Herrn über alles bekannt. Bis jetzt herrscht Christus geistlich über dieses Zeitalter. Er tritt seinen Feinden mit dem Schwert des Evangeliums in seiner mächtigen Hand entgegen. Er führt die Seinen aus dieser gegenwärtigen bösen Zeit, ein Volk, das Er sich ausgesondert hat, das das ewige Leben ererbt, selbst wenn es mitten im Reich des Todes lebt, ein Volk, das nicht zu dieser Welt gehört, sondern zur zukünftigen Welt.

Lasst es mich noch anders sagen. Christus ist gekommen und brachte die Erlösung. Aber das Problem dieser Welt ist immer noch allgegenwärtig. Hier folgt nun die endgültige Antwort und sie steht kurz vor ihrer Erfüllung: Christus kommt wieder in Herrlichkeit, um seine Herrschaft zu vollenden, um über alle seine Feinde zu triumphieren – die Sünde und den Tod und den Teufel und diese gegenwärtige böse Welt. Alles wird unter seine Füße gelegt und untergehen, um Raum zu schaffen für die neue Schöpfung in Heiligkeit und Herrlichkeit. Bereits heute wirkt dieser kommende Triumph im Leben seines Volkes, wenn es sich von der Sünde abwendet, im Leben der Gemeinde, wenn Menschen zum Glauben kommen, und selbst in dieser säkularen Kultur wirken wir Christen als Salz und Licht, um Christi Herrschaft zu erweitern.

Hier kommt es nun zu einer Schicksalsfrage: Zu welcher Welt gehörst du? Auf welche Welt verlässt du dich im Blick auf deine Hoffnungen und Träume, in Bezug auf deinen Reichtum und deine Erlösung? Wenn du dein Vertrauen auf diese Welt setzt, dann wirst du auch ihr Schicksal teilen, wenn Christus in Herrlichkeit wiederkommt, um die Seinen von den durch ihre Schuld Verlorenen zu scheiden.

Die alte Welt steht uns vor Augen. Aber als Jesus Christus im Himmel gekrönt wurde, verlor diese gegenwärtige Welt ihren Anspruch auf alle, die ihr Vertrauen auf Jesus setzen, selbst wenn der Weg zu unserem vorherbestimmten Ziel mühsam ist. Das kommende Zeitalter der Herrlichkeit Christi, ist dazu bestimmt, die Stelle dieser vergänglichen Weltzeit einzunehmen, und durch den Glauben an Christus sind wir schon Bürger dieser neuen Schöpfung.

In den Augen dieser Welt trifft es tatsächlich zu: »Im Moment können wir freilich noch nicht erkennen, dass Gott ihm alles unterstellt hat.« Aber die Augen unseres Glaubens sehen Jesus gekrönt mit Herrlichkeit und Ehre, der über die Weltgeschichte regiert, die auf Ihn zuläuft und in seine baldige Wiederkunft mündet, wo jedes Auge Ihn sehen wird. Das ist das »schon jetzt/noch nicht« des Christenlebens. Alles ist schon jetzt in Christus unser, doch es ist noch nicht in unserer Erfahrung verwirklicht. Aber durch den Glauben sehen wir Jesus und geistlich haben wir an all den Segnungen seiner kommenden Herrschaft teil.

Lasst uns, also, dafür sorgen, dass wir nicht zu dieser verurteilten und vergänglichen Welt gehören, und durch den Glauben an Christus von der Schuld durch Adams Versagen und unserer eigenen Sünde befreit werden. Lasst uns nicht sehnsüchtig auf diese gegenwärtige böse Weltzeit zurückblicken, sondern lasst uns, wenn wir schon zurückschauen, voller Dankbarkeit auf das Kreuz blicken, wo Christus den Tod für uns erlitt und die Macht dieser gegenwärtigen bösen Zeit brach. Und wir wollen dem Tag des Triumphs entgegensehen, wenn Christus in Herrlichkeit wiederkommen wird. Der König kommt, um auf ewig in Gerechtigkeit, Frieden und Freude zu herrschen. Seine Geschichte wurde zu unserer Hoffnung. So können wir mit dem Verfasser des Hebräerbriefes sagen: »Ja, wir sehen die Welt, wie sie ist, wir machen uns keine Illusionen, wir sehen und spüren und beklagen diese Herrschaft der Sünde und des Todes. Ja, wir sehen das – aber das ist nicht alles, was wir sehen. Wir sehen Jesus, der, wegen des Todesleidens, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt ist; er sollte ja durch Gottes Gnade für alle den Tod schmecken, die sich auf Ihn verlassen.«

Komm, Herr Jesus, komme bald!

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  1. Hallo,
    ich bin am Anfang des Beitrages auf eine Aussage gestoßen, die je nach Übersetzung anders lautet. In Ps. 8, 6 wird vom Menschen berichtet: „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,…“
    Luther Übersetzung 1984. In der Elberfelder Übersetzung ist hier statt Gott, Engel übersetzt.
    Was ist den richtig und was sagt der Urtext. Im Hebräer 2 geht allerdings die Rede von Engeln und dem Herrn Jesus.
    Dann unter punkt 3 Ihres Beitrags wird von Jesus als der 2. Gottheit gesprochen. Ich höre hier und da von der Dreieinigkeit Gottes, die in der Bibel nirgends so erwähnt wird. Es wurde mir auch gesagt du verstehst das nicht, du musst es glauben. Dann könnte ich ja noch sonst was glauben.
    Im Judentum gab und gibt es nur einen Gott, selbst Jesus sagt: Luk.18,19 19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.
    Und Joh.14, 28 Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. und Joh.20,17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
    Ja der Herr Jesus ist ein totales Ebenbild und Wesen seines Vaters. Gott hat durch Jesus die Welt geschaffen, durch Jesus hat Gott, der Vater des Herrn Jesus Christus,die Welt gerettet.
    Er ist der Sohn des Allmächtigen Gottes JHWH.

    LG Walter

    Antwort
    • Lieber Walter,
      Sie haben Recht darin, dass der Begriff „Dreieinigkeit“ in der Bibel nicht erwähnt wird. Doch gerade der Abschnitt in Hebräer 2, sowie andere Bibelstellen, zeigen deutlich, dass Jesus Christus wahrer und ewiger Gott ist – wesensgleich mit dem Vater, vom Vater zu unterscheiden aber nicht zu trennen, denn Er ist aus dem Vater hervorgegangen. Das Anliegen des Hebräerbriefes ist es, den Lesern die die Gottheit Christi und die Vollkommenheit Seines Opfers vor Augen zu führen. Jesus Christus musste wahrer Gott sein, um ein vollkommenes und heiliges Opfer zu bringen; und Er musste Mensch werden, um die Sünden der Menschen zu sühnen.
      Dieses Thema wird in der nächsten Ausgabe der Herold-Zeitschrift intensiv aufgegriffen. Wenn Sie möchten schicke ich Ihnen die Zeitschrift unverbindlich zu.
      Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und Weisheit mit dem Vers aus 2.Korinther 4,3.4+6: „Wenn aber unser Evangelium verhüllt ist, so ist es bei denen verhüllt, die verlorengehen; bei den Ungläubigen, denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne verblendet hat, so daß ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet, welcher Gottes Ebenbild ist … Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“

      Antwort

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