Der Missionsbefehl Jesu klingt im Grunde sehr einfach: „So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker“ (Mt 28,19). Die Frage ist allerdings, an wen genau sich dieser Befehl richtet. Manche sind der Auffassung, dass Jesu Befehl sich ausschließlich an die Apostel selbst richte, und dass diese seinen Befehl bereits erfüllt hätten. Allerdings wird schnell klar, dass diese Aufgabe für elf Männer unmöglich zu erfüllen gewesen wäre. Zudem fügt Jesus das Versprechen hinzu, dass Er bei ihnen sein wird, „bis an das Ende der Weltzeit“, was deutlich macht, dass der Missionsbefehl über die Lebenszeit der Apostel hinaus gelten muss. Gilt der Befehl Jesu aber heute noch, dann liegt es in unserer Verantwortung, ihm gehorsam zu sein, bis Christus wiederkommt.

Im Grunde lässt der Text in Matthäus 28,16 ff. keinen Zweifel daran, dass Jesus den Befehl nicht nur an einzelne Gläubige, sondern an die gesamte Gemeinde richtet. Daher wird in der Gemeinde Jesu allgemein die Sicht vertreten, dass jeder einzelne Christ aktiv an der Verbreitung des Evangeliums beteiligt sein sollte, und einige vertreten sogar den Standpunkt, ein Christ müsse als Missionar in ein anderes Land reisen, solange er keinen direkten Auftrag von Gott habe, in seinem Heimatland zu bleiben. So gut gemeint diese Sichtweisen auch sein mögen, sie verfehlen doch ganz klar den eigentlichen Sinn hinter dem Missionsbefehl und den neutestamentlichen Kontext, in dem er steht.

Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: „Denn gleichwie wir an einem Leib viele Glieder besitzen, nicht alle Glieder aber dieselbe Tätigkeit haben, so sind auch wir, die vielen, ein Leib in Christus, und als einzelne untereinander Glieder. Wir haben aber verschiedene Gnadengaben gemäß der uns verliehenen Gnade“ (Röm 12,4-6). Während also jeder Christ eine gewisse Rolle im Bau von Gottes Reich spielt, spielen doch nicht alle dieselbe Rolle.

So hat Christus „etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer“ (Eph 4,11). Manche von ihnen werden auf weit entfernte Teile der Erde gehen, um dort ihre Aufgabe wahrzunehmen – und es gibt noch immer einen großen Mangel an Christen, die bereit sind, in solche Länder zu gehen, die vom Evangelium unerreicht sind – doch nicht jeder ist dazu in der Lage.

Als Jesus seine Jünger aufforderte zu gehen, meinte Er damit nicht, dass jeder von ihnen Israel verlassen müsse. Nein, Jesus war sogar sehr deutlich darin zu betonen, wo die Jünger mit ihrer Missionsarbeit beginnen sollten: „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde!“ (Apg 1,8). Als Jesus diese Worte sprach, befand Er sich mit seinen Jüngern in Jerusalem. Er forderte seine Jünger dazu auf, anderen von seinem Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen weiter zu sagen; und zwar dort, wo sie sich gerade befanden: in Jerusalem.

Doch damit war ihr Auftrag noch nicht erfüllt. Einige der Jünger gingen in andere Teile von Judäa und predigten das Evangelium unter den Juden. Andere von ihnen gingen nach Samaria und predigten dort und machten Jünger. Und einige gingen weit über diese Grenzen hinaus, bis an die Enden der Erde, und führten dort solche Menschen zu Christus, deren Kultur sich völlig von ihrer eigenen unterschied.

Jesus wusste, dass einige seiner Jünger weit gehen würden, um seinen Befehl zu befolgen. Doch Er forderte sich nicht dazu auf, sich auf ein Boot zu begeben, um gemeinsam an den am weitesten entfernten Winkel der Erde zu fahren. Das wahre Herz der Mission lag in der Treue und dem Wunsch der Jünger, Menschen mit dem Evangelium bekannt zu machen, und nicht darin, so weit wie möglich von der Heimat entfernt zu sein. So schrieb Paulus zum Beispiel an die Thessalonicher: „Sucht eure Ehre darin, ein stilles Leben zu führen, eure eigenen Angelegenheiten zu besorgen und mit euren eigenen Händen zu arbeiten, so wie wir es euch geboten haben“ (1Thess 4,11-12).

Denn auch wenn du dich nicht als Missionar in einem fremden Land befindest oder deiner Gemeinde von der Kanzel aus dienst, kannst du doch aktiv an der Erfüllung des Missionsbefehls teilhaben. Wie die Jünger, die sich in Jerusalem aufhielten, ihren Nachbarn und Freunden das Evangelium weitersagten, so kann jeder von uns Gott dort treu dienen, wo Er uns hingestellt hat, indem wir „allezeit bereit [sind] zur Verantwortung vor jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in [uns] ist“ (1Petr 3,15). Ganz gleich, wie deine Lebensumstände sind, Gott kann dir immer eine Möglichkeit schenken, einen verlorenen Menschen zu Christus zu führen.

Um diese Aufgabe wahrzunehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

  1. Lies Biografien von Menschen, die ihr Leben der Verkündigung des Evangeliums gewidmet haben, wie John Paton, Jim Elliott oder Johann Gerhard Oncken. Lass dich von ihrer Liebe zu Christus, dem Evangelium und den Menschen anstecken.
  2. Informiere dich darüber, welche Missionare deine Gemeinde unterstützt. Schreibe ihnen Briefe, lies ihre Gebetsbriefe, bete für ihre Anliegen und sieh, ob du ihnen eine finanzielle Unterstützung sein kannst.
  3. Halte dir vor Augen, dass in unserem Jahrhundert Menschen aus allen Sprachen und Nationen direkt vor deiner Haustür leben. Besuche sie, tausche dich mit ihnen aus, sei ihnen ein guter Freund und erzähle ihnen von Christus.
  4. Achte auch auf diejenigen in deiner Gemeinde, die sich gut für die Mission eignen. Ermutige sie, ihre Gaben zu erkennen und die richtigen Aufgaben zu finden.

Auch wenn nicht jeder Christ sprichwörtlich „in alle Welt“ gehen wird, so ist doch jeder von ihnen ein Teil des weltweiten Leibes Jesu und hat somit eine von Gott gegebene Aufgabe. Auf welche Weise möchtest du „gehen“?

 

 

© TableTalk Magazine, Ligonier Ministries and R. C. Sproul. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.

 

 

 

© TableTalk 04-2014

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Gemeinde Jesu, Praktische Ratschläge, Verkündigung des Evangeliums, Wichtige Fragen!

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