„Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens … Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde. So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!“ (Heb 4,12-16).
 
Die Ruhe, die uns der Glaube an Jesus Christus jetzt schon schenkt, und das Bemühen in die ewige Ruhe einzugehen – die dem Christen noch vorenthalten ist, solange er sich auf dem Weg durch die Wüste befindet – werden uns beide durch Gottes Wort geschenkt. Mit diesem kostbaren Schatz in der Hand und dem Blick zu unserem Hohepriester erhobenen, erhalten wir göttlichen Trost für unser Leben.
 
Nachdem der Verfasser des Hebräerbriefs seine ernsten Ermahnungen an die Gläubigen mit dem Aufruf des Heiligen Geistes aus Psalm 95 unterstreicht, erinnert er sie an die Autorität und Kraft, die Gottes Wort besitzt. Wer einmal unter dem Einfluss dieses Wortes steht, wird ihm auch mit aller Entschlossenheit, mit tiefem Ernst und ganzem Herzen folgen. Denn Gottes Wort ist vollkommen. Es dringt in die tiefsten Tiefen des menschlichen Herzens vor, durchforscht jeden noch so geheimen Gedanken, und beurteilt unser Leben – angefangen bei den verborgenen Wurzeln bis dorthin, wo ihre Frucht sichtbar wird. Befindest du dich unter dem Einfluss von Gottes Wort, unter dem Einfluss von Jesu Gedanken, unter dem Segen des Heiligen Geistes? Wenn ja, spürst du, dass es dich verändert? Findet Gott in dir die Frucht, die Sein Wort hervorbringen soll?

Viele Menschen in unserem Land kennen die Bibel. Und ebenso wie das Volk Israel leben, leben auch wir in einer Gesellschaft, die ungehinderten Zugang zu der Wahrheit des göttlichen Wortes hat. So dankbar wir darüber sein sollten, bleibt doch die Frage: Haben wir die Macht dieses Wortes kennen gelernt? Ist uns bewusst, dass der Besitz, das Lesen und Kennen dieser Schriften uns unter einen unglaublich mächtigen Einfluss stellt? Ist uns bewusst, dass Gottes Wort uns gegeben wurde, um uns zu ermahnen, uns zu richtet, und dass es eines Tages unser großer, endgültiger Richter sein wird? Versetzt uns dieses Wissen noch in Ehrfurcht? Lassen wir unsere Entscheidungen und Handlungen davon bestimmen? Gibt es uns Wegweisung und Trost? Oder ist es für uns nicht mehr als geschriebenes Menschenwort ohne jede größere Auswirkung? Ist die Veränderung, die Gottes Wort in dir bewirkt hat, der Beweis dafür, dass es wahrhaftig Gottes Wort ist?

Wie glücklich sind diejenigen, die Gottes Wort so sehr schätzen, wie es der Dichter des 119. Psalms es tut! Die Eigenschaften, die in diesem Psalm dem Wort Gottes zugeschrieben werden, sind alle auf Christus übertragbar:

Er ist das lebendige, mächtige Wort Gottes.
Er ist der Richter der Welt.
Er ist es, der die Herzen erforscht.
Seine Augen sind wie Feuerflammen.

Allerdings bezieht sich der Hebräerbriefschreiber hier, in Hebräer 4,12, auf das geschriebene Wort; denn im Gegensatz zum Johannesevangelium und der Offenbarung verwendet der Hebräerbrief nie den Begriff „das Wort“, wenn er von Christus spricht. Dennoch wissen wir, wie eng und entscheidend die Beziehung zwischen Christus, dem ewigen, lebendigen, persönlichen Wort und dem geschriebenen Wort ist. Gott, der Sohn, ist das Wort. Er hat uns Gott offenbart. Er ist der Ausdruck von Gottes Gedanken. Er ist göttliches Licht und göttliche Liebe in Person. Christus ist das Wort Gottes, und daher ist Er die Summe und das Wesen der Schrift. Von Ihm sprachen bereits Mose und die Propheten. Der Geist Christi sagte bereits im Gesetz und den Schriften der Propheten Seine Leiden und die darauf folgende Herrlichkeit voraus (vgl. 1.Petr 1,11). Die Heilige Schrift als geschriebenes Wort entspricht Christus, denn sie kommt von Ihm. Allein durch sie kann Christus gehört und empfangen werden, und sie ist auch das Mittel, durch das der Geist Gottes die Gläubigen in das Ebenbild Christi umgestaltet.

Das geschriebene Wort, dessen Zentrum und Ziel Jesus Christus ist, ist von Gott gesandt und durch den Heiligen Geist inspiriert. Seine Hauptbotschaft ist das Evangelium, das in vielen Stellen der Schrift selbst nur als „Wort“ bezeichnet wird. So schreibt Petrus: „Denn ‚alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie die Blume des Grases. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.‘ Das ist aber das Wort, welches euch als Evangelium verkündigt worden ist“ (1.Petr 1,24-25). Also ist die ganze Schrift Evangelium, ja selbst das Gesetz, das uns von Sünde überführt und uns verurteilt, wurde uns gegeben, um unsere Herzen auf das Kommen der Gnade und der Erlösung in Christus vorzubereiten. Wirklich glücklich sind die, die durch Mose zerbrochen wurden, denn Christus wird sie heilen!

Das Wort ist lebendig, sagt uns der Hebräerbrief (siehe auch Offb 1,18; Joh 5,26.21.24; 6,63.68). So wird auch Gott „der Lebendige“ genannt, und Christus nennt sich selbst „das Leben“ (Joh 14,6). Und wahrlich, Er ist das Leben, denn Er hat Leben in Sich selbst, und Er kam, um uns Leben zu geben – Leben im Überfluss! Und so ist auch das Wort, das aus dem Mund und dem Herzen Gottes kommt, das Wort, dessen Inhalt Christus selbst ist, über das der Geist wacht und das Er gebraucht, ein lebendiges Wort, denn die Worte, die Gott zu uns redet, sind Geist und sind Leben (vgl. Joh 6,63).
Gottes Wort ist der Same, der zuerst so unscheinbar wirkt, und der doch seine lebendige Kraft sichtbar werden lässt, sobald er auf fruchtbaren Boden fällt. Gott hat beschlossen, durch dieses Wort den Glauben zu schenken, der zum ewigen Leben führt. Jeder, der Seinem Wort glaubt, wird erleben, wie es tote Seelen zum Leben erweckt und bloßes Kopfwissen zu wahrer Erkenntnis macht. Doch es schenkt nicht nur neues Leben, sondern gibt dem Lebenden auch, was er zum Leben braucht. „Seid als neugeborene Kindlein begierig nach der unverfälschten Milch des Wortes, damit ihr durch sie heranwachst“ (1.Petr 2,2). Christus, unser Erlöser, nannte sich selbst „das lebendige Brot“ (Joh 6,51); und so ist beides, das ewige und das geschriebene Wort Gottes unsere Nahrung, die uns am Leben hält.

Das Wort Gottes ist wirksam, kraftvoll, mächtig! Es wächst beständig in unseren Herzen, bezwingt unsere Gedanken und formt unseren Willen, es bringt Frucht in unseren Taten und Worten, es treibt uns an und stärkt uns in Anfechtung. Wir können die Kraft dieses Wortes sehen, wenn es diejenigen, die es hören, in ihren Herzen trifft, wenn es ihnen ihre Verlorenheit vor Augen und sie selbst zur Buße führt. Wir können die Kraft dieses Wortes erleben, wenn selbstsüchtige und verdorbene Menschen die Sehnsucht bekommen, Gott und ihre Mitmenschen zu lieben.

Aber Gottes Wort kann nicht mächtig und wirksam sein, ohne gleichzeitig ein scharfes Schwert zu sein. Ein Schwert zerteilt, sticht und verletzt. Gottes Wort, durch das Er alles erschuf, trennt die Finsternis vom Licht. Es ist ein Wort, das die Herzen durchgräbt, das Konflikte und Trennungen verursacht und das uns auffordert, uns von aller Gottlosigkeit und von jedem Vertrauen in die Welt zu lösen.

Wer aber nicht durch dieses lebendige Wort erneuert ist, der erkennt seinen Zustand nicht. Er sieht nicht, dass zwischen Fleisch und Geist, zwischen Mensch und Gott, zwischen Verdienst und Gnade getrennt werden muss. Wen dieses Wort Gottes jedoch trifft, der bleibt nicht unverändert. Das Schwert Gottes kommt nicht, um uns mit Halbwahrheiten zu ermutigen; es sagt uns nicht, dass wir so gut genug wären, wie wir sind; es verdammt unsere sündigen Neigungen und offenbart uns unsere Feindschaft gegen Gott. Es zeigt uns unsere verborgenen Wünsche, unseren Egoismus, die Verdorbenheit unseres Herzens und unseren wahren Charakter, damit wir mit dem Apostel sagen können: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“ (Röm 7,24). Denn ich habe kein Vertrauen in mein Fleisch, in meine alte Natur, in mich selbst, der ich nur ein Kind Adams bin. Selbst meine besten Taten sind voller Sünde. Wenn wir uns aber selbst verurteilen, um in Christus Vergebung zu finden, werden wir nicht von Gott verurteilt werden. „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, dass Er uns die Sünden vergibt und uns von jeder Ungerechtigkeit reinigt“ (1.Joh 1,9). Denn selbst dann, wenn wir zugeben müssen, Ihn dreimal verleugnet zu haben, dürfen wir noch immer sagen: „Herr, du weißt, dass ich dich liebe“ (Joh 21,15 ff.).

So verurteilt und demütigt uns das geschriebene Wort Gottes auf Erden, während uns das fleischgewordene Wort Gottes im Himmel vertritt und uns tröstet. Es reinigt uns von innen und heiligt uns von oben. Wir dürfen also durch Leid und Versuchungen, trotz Konflikten und Schwachheiten auf Christus, unseren mitleidigen Hohepriester, vertrauen. Denn in Christus wird Gott zu unserem Vater. Sein Richterstuhl wird zum Thron der Gnade. Wenn unser Leben durch den Glauben in Christus verborgen ist, befinden wir uns in dem Schoß Christi, der wiederum im Schoß Seines Vaters ist. „So lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!“ (Heb 4,16).

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Die Bibel - das Wort Gottes, Glaube, Gott, Heiligung, Jesus Christus - Gottes Sohn, Trost durch Göttliche Verheißungen