Die Bibel berichtet uns von einem mächtigen syrischen Hauptmann namens Naaman, der an Lepra erkrankt war. Auf der Suche nach Heilung kam er nach Israel, zu dem Propheten Elisa. In Gottes Auftrag ließ Elisa ihm ausrichten, dass er geheilt sei, wenn er sich nur sieben Mal im Wasser des Flusses Jordan waschen würde. Als Naaman dies hörte war er empört. Er fühlte sich verspottet, weil er meinte, dass seine Heilung auf eine sehr viel aufsehenerregende Weise geschehen müsse; und hätten seine Begleiter ihn nicht zu einem Versuch überredet, wäre er zurück nach Syrien gereist, ohne geheilt zu werden (vgl. 2Kön 5,1-14).

Gottes Hilfe zu geistlichem Wachstum

Leider herrscht auch unter vielen Christen eine falsche Vorstellung in Bezug auf geistliches Wachstum – obwohl Gott uns in Seinem Wort sehr deutliche Aufforderungen gegeben hat. Im Laufe der Zeit hat sich in der Christenheit der Begriff „Gnadenmittel“ (oder auf Latein auch „Sakramente“) entwickelt. Die Gnadenmittel sind sichtbare heilige Wahrzeichen und Siegel, die Gott eingesetzt hat, um uns durch ihren Gebrauch den Zuspruch des Evangeliums besser verständlich zu machen und zu versiegeln, dass er uns auf Grund des einmaligen Opfers Christi, am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ewiges Leben aus Gnade schenkt. Um geistlich wachsen zu können ist es nötig, dass wir die Mittel nutzen, die Gott uns dazu gegeben hat.

Diese Tatsache zeigte sich bereits in dem außergewöhnlichen Wachstum der frühen Gemeinde (vgl. Apg 2,41-47). Die ersten Christen stellten die ganze Welt auf den Kopf; und das nicht, weil sie ein neues, trendiges Gemeindekonzept entwickelt hatten, sondern weil sie dadurch auffielen, dass sie Jesus nacheiferten. Was ihr Leben prägte, waren die Lehre, in der die Apostel sie unterwiesen, ihr Zusammenhalt in gegenseitiger Liebe und Hilfsbereitschaft, das Mahl des Herrn und das Gebet (vgl. Apg 2,42). Weil diese Punkte aber für viele Christen zu unspektakulär sind, tendieren sie zu der Meinung, geistliches Wachstum sei von größeren Mühen abhängig. Dabei übersehen sie aber, dass Gott uns Sein Wort (Lehre), das Gebet und die Gemeinschaft mit Ihm und als Glieder an Seinem Leib gab, damit wir durch sie geistlich wachsen. Daher bezeichnen wir diese Dinge auch als „Gnadenmittel“. Wir müssen den Weg zu geistlichem Wachstum nicht neu erfinden, denn Gott ändert Sein Handeln nicht (vgl. Mal 3,6).

Und doch scheint es manchmal, als würden diese Mittel, die Gott uns für unser geistliches Wachstum zur Verfügung stellt, nichts bewirken. Vielleicht denkst du: „Ich gehe jeden Sonntag zum Gottesdienst, höre auf die Predigt, nehme mit den Geschwistern am Abendmahl teil, verbringe Zeit im Gebet, und doch erlebe ich kein Wachstum.“ Selbst wenn du diese Erfahrung machst, heißt dies nicht, dass diese Dinge nutzlos wären. Stell dir vor, jemand würde zu dir sagen: „Ich esse täglich drei Mahlzeiten, aber ich werde trotzdem nicht gesünder; also muss Essen wohl nutzlos sein.“ Wäre das für dich logisch? Wir ahnen nicht, in welchem Zustand wir uns befänden, wenn Gott uns nicht durch die von Ihm gegebenen Gnadenmittel ernähren würde.
Es ist sicher keine Frage, dass die Gemeinschaft unter Glaubensgeschwistern, ein fürsorglicher Umgang mit meinem Nächsten und das Bekennen unseres Glaubens einen positiven Einfluss auf unser geistliches Wohl haben. Aber das Bleiben unter Gottes Wort (der Predigt), die Taufe, das Abendmahl und das Gebet sind für ein gesundes Leben als Christ unverzichtbar.

Sind Gottes Mittel und Wege überhaupt nötig?

Obwohl die Gnadenmittel, und deren Bedeutung, in den neutestamentlichen Schriften immer wieder erwähnt werden, werden sie doch sehr häufig unterschätzt oder missverstanden.

  • Zeit für etwas Neues?

Für einige Kreise ist die Vorstellung von „Gnadenmitteln“ entweder etwas völlig veraltetes oder es erinnert an Gesetzlichkeit. Nicht selten entdeckt man unter Christen den Wunsch „Altes“ aufzugeben und etwas „Neues“ auszuprobieren. Andere glauben, sie würden in ihrer Beziehung zu Gott eingeschränkt werden, und versuchen, Ihm auf ihre eigene Art näher zu sein. In solchen Fällen hört man schon mal Bemerkungen wie „Kann Gott nicht durch andere Dinge wirken als durch Predigten, Gebete, Abendmahl, etc.?“ Und sicher ist es nicht unbedingt falsch, sich diese Frage zu stellen. Immerhin hat Gott in der Vergangenheit sogar durch einen Esel gesprochen (vgl. 4Mo 22; 2Pt 2,15-16). Aber bevor wir versuchen alle möglichen und unmöglichen Wege auszuprobieren, die Gott gebrauchen könnte, sollten wir lieber herausfinden, welche Mittel und Wege Gott zu gebrauchen verheißen hat!

Wir werden niemals unabhängig von Gottes Plan und Seinem Wirken geistliches Wachstum erleben. Wenn wir die Dinge vernachlässigen, die Er uns für unser geistliches Wachstum gegeben hat, werden wir zwangsläufig Schiffbruch erleiden. Besonders traurig daran ist, dass viele von uns, die die Gnadenmittel vernachlässigten und dadurch in geistliche Schwierigkeiten kamen, nicht erkennen, wovon ihr Versagen abhing. Ihre geistliche Schwachheit macht es ihnen unmöglich, ihre Situation richtig einzuschätzen.

  • Mittel statt Gnade?

Andererseits kann es auch geschehen, dass die Gnadenmittel mit der Gnade vertauscht werden. Die Gefahr besteht darin, dass man glaubt, das Einhalten gewisser Praktiken und Regeln würde zur Errettung führen. Doch wir müssen verstehen, dass die Taufe selbst keine Sünden abwaschen kann! Ebenso bekommt man nicht automatisch Gottes Segen, wenn man das Abendmahl einnimmt! Und es gibt auch keine Garantie dafür, dass das bloße Hören einer Predigt einen Menschen gottesfürchtig macht oder das sein Gebet ihn unweigerlich mit Gott verbindet. Oder wie G. I. Williamson sagte: „Es ist nicht so, als würden Gottes Anordnungen über Sein Handeln bestimmen; Gott bestimmt über Seine Anordnungen!“ Aber Er gebraucht sie, weil es Ihm gefällt. Wir müssen also die Mittel gebrauchen, die Gott uns zu tun angeordnet hat – doch wir müssen es im Vertrauen auf Gottes Gnade tun, und nicht im Vertrauen auf die Mittel selbst.

Naaman wäre fast an seiner Krankheit gestorben, weil er meinte, Gottes Mittel zur Heilung sei zu gewöhnlich. Wenn du geistlich wachsen willst, dann tue etwas erschreckend Gewöhnliches: Gehe dorthin, wo Gottes Wort treu und wahrheitsgemäß gepredigt wird, mache dir die göttlichen Gnadenmittel zur Gewohnheit und gehe täglich ins Gebet. Geistliches Wachstum ist kein geheimnisvoller Weg. Vertraue auf Gott, nutze die Mittel, die Er uns gegeben hat und erwarte, dass Er Wachstum schenkt (vgl. 1Kor 3,6).

Herold August 2014
From Ligonier Ministries and R.C. Sproul. © Tabletalk magazine.
Website: http://www.ligonier.org/tabletalk. Email: tabletalk@ligonier.org.

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