Manchmal könnte man beim Lesen des Alten Testaments den Eindruck bekommen, dass dort ein anderer Weg der Errettung gelehrt würde: die Gerechtigkeit aufgrund von Werken im Gegensatz zur Gerechtigkeit aus Glauben allein, wie es das Neue Testament lehrt. Im Allgemeinen sind sich bibeltreue Theologen einig, dass dies aber nicht dem Anliegen des Alten Testaments entspricht.

Als Paulus in seinen Briefen ganz deutlich lehrt, dass die Rechtfertigung allein aus Glauben geschieht, da verwendet er – um diese Lehre zu bestärken – Beispiele aus dem Leben Abrahams (Röm 4,1-25; Gal 3,6-9) und Davids (Röm 4,6-8) und er verweist darauf, dass es Abrahams Glaube war, der ihm von Gott als Gerechtigkeit angerechnet wurde (vgl. 1 Mose 15,6). Schauen wir uns die Lebensgeschichte von Abraham genauer an, dann sehen wir, dass er ein Gottloser, ein Götzendiener gewesen war (vgl. Jos 24,2, Röm 4,3-5), bevor Gott ihn berief und Abraham sein Vertrauen darauf setzte, dass Gott ihn retten könne. Es ist sicher kein Zufall, dass Paulus beide, Abraham und David, als Beweis für den Glauben in Römer 4 anführt. Jemand könnte argumentieren, dass Abraham zwar aufgrund des Glaubens gerettet wurde, da er vor der Einsetzung des mosaischen Gesetzes lebte, während für David, der unter dem Gesetz lebte, andere Regeln galten. Um diesem Einwand entgegenzuwirken, macht Paulus unzweifelhaft klar, dass David auf derselben Grundlage gerettet wurde: aufgrund des Glaubens und nicht wegen seiner moralischen Leistungen!

Da Paulus sich bei seiner Argumentation auf das Alte Testament bezieht und daraus zitiert, um sein Argument zu unterstreichen, bleibt keine Basis für den Gedanken, dass zur Zeit des Alten Testaments die Errettung auf irgendeinem anderen Weg erreicht werden konnte. Gerade der Verweis auf David macht diesen Gedanken unmöglich, da er schließlich unter dem Gesetz lebte. Mit dem Kommen des Gesetzes leitete Gott also kein neues Zeitalter mit neuen Regeln ein; im Gegenteil: Für Abraham und für David galt derselbe Weg zur Errettung: Sie vertrauten darauf, dass der HERR fähig und bereit war, sie trotz ihrer Sünden zu retten.

Es ist auch bemerkenswert, dass sowohl Paulus wie auch der Schreiber des Hebräerbriefes sich auf Habakuk 2,4 berufen, um die Tatsache zu bestätigen, dass die Rechtfertigung ausschließlich durch den Glauben kommt (vgl. Röm 1,17; Gal 3,11; Hebr 10,38). Habakuk bekam als Prophet von Gott den Auftrag, das kommende Gericht für Juda anzukündigen, da sie ohne jeden Skrupel gegen Gottes Gesetz verstoßen hatten. Er sagte voraus, dass Gott die Babylonier dazu gebrauchen würde, Seinen Zorn über Juda auszuschütten. Doch inmitten des anstehenden Gerichtsurteils schenkt Gott die Verheißung, dass jeder, der an Gott glaubt, leben wird (vgl. Hab 2,4). Im darauffolgenden Kapitel (Kap. 3) erinnert der Prophet an den Auszug aus Ägypten und stellt dem Volk so Gottes Barmherzigkeit mitten im Gericht vor Augen. Selbst dann, wenn die Feigenbäume nicht ausschlagen und der Weinstock keinen Ertrag abwirft, wenn die Frucht des Ölbaums täuscht und die Felder keine Nahrung hervorbringen, wenn die Schafe von den Weiden verschwunden sind und kein Rind mehr in den Ställen zu finden ist, wird doch jeder, der auf den HERRN vertraut in Ihm seine Freude und sein Heil finden. Der HERR wird ihre Kraft und Hoffnung sein (vgl. Hab 3,17-18). Obwohl deutlich wird, dass Israel versagt hat, Gottes Gesetz zu halten (vgl. Hab 1,4), bleibt dennoch die sichere Zuversicht für alle, die auf Gottes Gnade hoffen, dass Er sie erretten und ihnen wieder Freude schenken wird.

Immer wieder wird im Neuen und im Alten Testament deutlich, dass der mosaische Bund nicht von Gott gegeben war, um ein Mittel der Errettung durch Gehorsam zu sein. Im Gegenteil, Gott ging mit Israel den Bund ein und gab ihnen Sein Gesetz erst, nachdem Er sie bereits errettet hatte. Ihr Gehorsam wäre also nichts weiter als eine dankbare Reaktion auf Seine Gnade gewesen.

Die Bibel liefert uns aber noch weitere Beweise dafür, dass der mosaische Bund keinen anderen Weg zum Heil aufzeigt.

Der Hebräerbrief bestätigt zum Beispiel sehr deutlich, dass auch die Gläubigen des Alten Testaments von Gott allein wegen ihres Glaubens angenommen wurden (vgl. Hebr 11,6 ff.). So war Abels Opfer – im Gegensatz zu Kains Opfer – Gott wohlgefällig wegen Abels Glauben (V. 4). Noah wurde ein Erbe der Gerechtigkeit Gottes, weil er den Verheißungen Gottes glaubte und als Beweis für seinen Glauben die Arche baute (V. 7). In derselben Weise war auch Abrahams Gehorsam ein Resultat seines Glaubens an Gottes Verheißungen (V. 8), und auch Mose drückte seinen Glauben an Gottes Treue durch sein Handeln aus, indem er Ägypten verließ, und im Vertrauen, dass Gott sein Volk bewahren würde, opferten sie in der Nacht des Auszugs das Passahlamm (V. 23-29). Auch das Leben der Hure Rahab ist ein deutliches Zeichen dafür, dass allein der Glaube und nicht die Werke retten – denn als Prostituierte hätte sie ganz sicher keine Grundlage für eine Errettung durch Gehorsamswerke gehabt (V. 31).

Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass jeder Erlöste – ob im Alten oder im Neuen Testament, von Adam bis zum letzten lebenden Menschen – allein aus Gnade durch den Glauben errettet ist (V. 5-6; 33-38). Es gibt keinen anderen Weg zum ewigen Leben als der Glaube an den Gott, der verheißen hat, Sein Volk zu retten.

 

 

© Herold-Schriftenmission e.V., Herold Juli 2014

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Gesetz & Evangelium, Glaube

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