Folgender Text ist eine Stellungnahme der Herold-Schriftenmission auf die Frage einiger Glaubensgeschwister zu der früher von uns vertretenen Ansicht über die „Geistestaufe“.

Liebe Geschwister …,

wir möchten uns ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Nachricht bedanken. Es ist gut, dass Sie sich in dieser Angelegenheit direkt an uns wenden. Um auf Ihre Frage einzugehen möchten ich kurz erläutern, woher die Sicht in den Büchern Reuben Torreys und Oswald J. Smith kommt, die früher von uns herausgegeben, mittlerweile aber aus unserem Bücherbestand entfernt wurden: Beide Autoren stammen aus den Anfängen der Heiligungs- und Pfingstbewegung. In einigen ihrer Bücher wird die Ansicht vertreten dass ein wiedergeborener Christ nach seiner Wiedergeburt noch eine zweite Erfahrung benötige: Die Taufe mit dem Heiligen Geist! Nach dieser Ansicht gibt es also Christen, die zwar errettet aber nicht mit dem Heiligen Geist getauft sind, und Christen, die errettet und mit dem Heiligen Geist getauft sind.

Diese theologische Ansicht entstand im Laufe der großen Erweckungen, als Reaktion auf einige persönliche Erfahrungen. Wenn ein Christ in der Zeit vor der Pfingstbewegung eine besondere Erfahrung mit Gott hatte, die ihn mit neuem Eifer, neuer Freude und einer erneuerten geistlichen Gesinnung ausstattete, dann sagte man, dass er „erweckt“ wurde. Die Pfingstbewegung interpretierte solche persönlichen Erfahrungen neu und sprach davon, dass solche Menschen die zusätzliche Erfahrung der „Geistestaufe“ erlebt hätten. Man glaubte, die mit einem Ereignis in der Apostelgeschichte begründen zu können, in der von einigen Männern berichtet wird, die erst einige Zeit nach ihrer Bekehrung den Heiligen Geist empfingen (vgl. Apg 19).

Wenn man aber diesen Abschnitt im Gesamtzusammenhang der Apostelgeschichte sorgfältig untersucht, dann stellt man fest, dass man ihn nicht auf diese Weise verstehen darf. Die Apostelgeschichte beginnt damit, dass Jesus seinen Jüngern den Befehl gibt, mit der Verkündigung des Evangeliums in Jerusalem zu starten, dann „in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8). Kurz darauf lesen wir (in Apostelgeschichte 2), dass die Juden in Jerusalem bei der Pfingstpredigt den Heiligen Geist (bei ihrer Bekehrung) empfingen. Einige Zeit später folgen Bekehrungen in Samarien (in Kapitel 8) und unter den gottesfürchtigen Heiden (in Kapitel 10).

In dem oben genannten Abschnitt in Kapitel 19 trifft Paulus später auf einige Männer in Ephesus, die zwar bereits Jünger Jesu waren, die aber den Heiligen Geist erst jetzt, durch den von Gott beauftragten Apostel Paulus, empfingen. Auch wenn sich der Bericht in Kap. 19 von den anderen etwas unterscheidet, so erhielten doch in jedem dieser Fälle alle Gläubigen dieselbe Gabe – es bestand also kein Unterschied zwischen ihnen. Und hier ist der springende Punkt: Gott wollte auf diese Weise zeigen, dass Sein Volk des neuen Bundes (der Gemeinde) aus Juden und Heiden gleichermaßen besteht, dass es also keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Heiden gibt und dass sie alle durch ein und denselben Geist zu ein und demselben Volk/Leib Christi gehören. Das, was die Gläubigen dort bei ihrer „Geistestaufe“ erlebten, war nichts weniger als ein sichtbarer Beweis für die Judenchristen, dass die Heiden in derselben Weise von Gott erneuert und in Sein Volk aufgenommen wurden, wie sie.

Dieses Ereignis in Apg 19 war einzigartig für die gesamte Geschichte der Gemeinde Jesu. Gott baute/baut sich ein Volk unter Seinem neuen Bund in Christus. Und Er tat/tut dies, wie Er im Alten Testament immer wieder vorausgesagt hatte, aus allen Nationen (vgl. Jesaja 2,3; 11,10; Apg 13,47 & Jes 49,6; Psalm 72,17 uvw.). Am Ende der Apostelgeschichte war der Auftrag Gottes in dem Sinne erfüllt, dass Paulus – und durch ihn das Evangelium – nach Europa kam und somit die „Enden der Erde“ in Sicht waren. (Hier ist es interessant zu lesen, dass Paulus in Röm 16,25-26 davon spricht, dass das Geheimnis des Evangeliums – nämlich Gottes Volk aus Judenchristen und Heidenchristen – „durch prophetische Schriften“ vorhergesagt „nun aber offenbart … allen Nationen bekannt gemacht worden ist“!) Es gab also keine Notwendigkeit mehr für spezielle Ereignisse und Zeichen, um darauf hinzuweisen, dass Judenchristen und Heidenchristen eins sind.

Ich möchte nicht sagen, dass Christen keine unterschiedlichen Erfahrungen mit Gott haben können. Manche Menschen benötigen tiefergehende Gotteserfahrungen, weil Gott sie für besondere Aufgaben vorbereitet. Was wir jedoch verneinen – und da distanzieren wir uns sehr von solchen Büchern, die eine zweite Geistestaufe lehren, wie wir sie früher verlegt haben – ist, dass eine persönliche Erweckung, durch die Gott in Seiner freien Gnade Christen aus ihrer Lauheit herausholt, mit der „Geistestaufe“ identisch wäre. Jeder Gläubige empfängt den Heiligen Geist bei seiner Wiedergeburt. Und „Gott gibt den Geist nicht nach Maß“ (Joh 3,34), sondern völlig und ein für alle Mal.

Viele dieser Tatsachen waren uns in der Vergangenheit nicht bewusst und daher möchten wir Sie ganz persönlich bitten, uns zu verzeihen, dass wir Sie mit dieser falschen Sicht der Dinge verwirrt und in geistliche Nöte gebracht haben. Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass das von Ihnen erwähnte Buch von Ernst Modersohn „Werdet voll Geistes“ die biblische Tatsache ganz richtig aufzeigt; nämlich dass wir Christen nicht aufgerufen sind, uns um „Geistestaufe“ zu bemühen, sondern darum, uns von Gottes Geist in allen Dingen leiten – oder wie die Bibel sagt, „erfüllen“ zu lassen (nach Epheser 5). Dabei geht es allerdings nicht um einen krampfhaften Versuch ein besserer Christ zu sein, sondern darum, die Führung und Herrschaft des Geistes als etwas Bereicherndes und Gutes anzusehen, während einem bewusst ist, dass alles, was dem Geist Gottes widersteht nur schadet, Gott entehrt und Beziehungen zerstört. Nur wenn wir als Christen eine Abneigung gegen die Sünde haben und wahre Freude in der Gemeinschaft mit Gott finden, werden wir verstehen was es heißt, vom Heiligen Geist „erfüllt“ zu sein (der zwar seit unserer Bekehrung schon völlig in uns wohnt, was aber erst durch unseren „geisterfüllten Wandel“ sichtbar wird).

Wenn es um das Gehorsamsleben des Gläubigen geht – bei dem das Erfüllt-Sein vom Heiligen Geist die Voraussetzung ist – müssen wir uns immer vor Augen halten, dass Gottes Forderungen an uns der Bekehrung folgen. Gottes Gnade geht der Aufforderung zum Glaubensgehorsam voraus. Deshalb sollten wir auch die Aufforderung zur „Geistesfülle“ als ein Gnadengeschenk Gottes ansehen, das Er uns schenkt, um im Kampf gegen die Sünde zu siegen. Das Erfüllt-Sein mit dem Heiligen Geist kann nicht durch Mühen oder systematische Praktiken erzwungen werden, sondern sie ist das natürliche Ergebnis, wenn ein Gläubiger sich nach geistlichem Wachstum sehnt.

Ich hoffe, dass ich Ihnen auf Ihrer Suche nach einer Antwort helfen konnte.

 

Verbunden in unserem Herrn und Heiland Jesus Christus,

Ihr Benjamin Schmidt

 

 

© Herold-Schriftenmission e.V.

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der Heilige Geist

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