Unter allen Katechismen ist vermutlich keiner so beliebt wie der Heidelberger Katechismus. In der Eingangsfrage und -antwort wird der persönliche und markante Ton des Katechismus deutlich: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Dies ist keine theoretische Frage, sondern vielmehr eine sehr praktische: „Wie finde ich Trost, so lange wie ich lebe und dann, wenn ich sterbe?“

Das Schlüsselwort in der Eingangsfrage ist Trost. Das Wort bezieht sich auf unsere Gewissheit und unser Vertrauen in das vollbrachte Werk Jesu Christi am Kreuz. Dieser Trost durchzieht unser ganzes Leben und sogar die Stunde des Todes. So wie es Zacharius Ursinus in seinem Kommentar zu dem Katechismus ausdrückt, beinhaltet dieser Trost die „Gewissheit der freien Vergebung der Sünden, und der Versöhnung mit Gott durch und wegen Christus, und eine sichere Erwartung des ewigen Lebens, die uns der Heilige Geist durch das Evangelium in unsere Herzen gibt, sodass wir keinen Zweifel haben, sondern gewiss sind, dass wir für immer gerettet sind, gemäß der Aussage des Apostel Paulus’: ‚Wer soll uns dann noch von der Liebe Christi scheiden?‘“ Beachten Sie, dass hier von unserem „einzigen“ Trost die Rede ist. Man findet keinen anderen solchen Trost und keine solche Gewissheit außer in Christus.

Die Antwort auf die Eingangsfrage versichert, dass „ich, mit Körper und Seele, sowohl im Leben als auch im Tod“ diesen Trost haben werde. Mit dieser Umschreibung von Römer 14,7-8 werden wir daran erinnert, dass Gottes Fürsorge den ganzen Verlauf unseres Lebens durchzieht. Christus hat den Fluch, der durch die Sünde auf uns lag, hinweggenommen; daher darf jeder, der auf Christus vertraut die Gewissheit der Erlösung in diesem Leben und die Auferstehung unserer Körper am Ende des Zeitalters haben. Dieses Wissen tröstet uns jetzt und bereitet uns für das vor, was auch immer vor uns liegt.

Unser Trost stammt aus der Tatsache, dass wir nicht uns gehören. Diese Worte sind 1.Korinther 6,19-20 entnommen: Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des in euch wohnenden Heiligen Geistes ist, den ihr von Gott empfangen habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum verherrlicht Gott in eurem Leib und in eurem Geist, die Gott gehören!“ Wir gehören Christus, sind Sein Eigentum, erkauft durch Sein Blut, und Er wird mit uns das machen, was Er will, und Er wird tun, was Er versprochen hat.

Diese wunderbare Tatsache wird in dem nächsten Teil der Antwort weiter erklärt: „Aber [ich] gehöre meinem treuen Retter Jesus Christus.“ Diese Antwort führt uns weg von unserem Glauben an Christi Gehorsam (das Subjektive), hin zu meinem „treuen“ Retter (das Objektive). Christus erfüllte alle Gerechtigkeit und starb für unsere Sünden am Kreuz. Petrus schreibt dazu: „Denn ihr wisst ja, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid aus eurem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut des Christus, als eines makellosen und unbefleckten Lammes“ (1 Pt 1,18-19). Der Tod Jesu Christi ist das einzige Mittel, durch das die Schuld der menschlichen Sünde hinweggetan werden (Entsühnung) und der Zorn Gottes abgewendet werden kann (Versöhnung). Die Grundlage unserer Rettung besteht also in dem Werk Christi für uns, und nicht in unserem Glauben oder in unseren guten Werken. Als Nächstes erinnert uns der Katechismus daran, dass der Tod Jesu das Kernstück dieser versprochenen Erlösung ist, denn Er „hat für alle meine Sünden völlig sich hingegeben“. Christi Tod allein stellt die Gerechtigkeit des heiligen Gottes zufrieden (vgl. Röm 3,21-26). Es gibt kein menschliches Werk und keine religiöse Zeremonie, die das vollbringen kann. Aber nicht nur das, sondern sein Tod hat „mich [auch] von allen Kräften des Teufels errettet“. Dies ist ein Echo aus 1. Johannes 3,8: Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, daß er die Werke des Teufels zerstöre.Satan wurde aus dem Himmel ausgestoßen, so dass er uns vor dem himmlischen Gericht nicht länger beschuldigen kann. Christi Sieg über ihn ist am Kreuz erwiesen (vgl. Kol 2, 13-15).

„[Christus] erhält mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel noch nicht einmal ein Haar von meinem Kopf fallen kann.“ Diese kostbare Wahrheit, dass unsere Gewissheit der Erlösung und unser Ausharren im Glauben auch das Werk Christi sind, ist aus Matthäus 10,29-30 entnommen: Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Groschen? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.Um den im Evangelium versprochenen Trost zu besitzen, muss ich wissen, dass Gottes souveräne Fürsorge alle Bereiche meines Lebens umfasst. Nichts, was mir begegnet geschieht außerhalb von Gottes Willen. Tatsächlich dienen „alle Dinge zu meiner Erlösung“ (vgl. Römer 8,28). Gott hat alle Dinge festgesetzt, Er erlöst uns von Sünde und schlussendlich gebraucht Er es zu meinem Besten!

Zu guter Letzt lernen wir, dass dieser Trost durch das Werk des Heiligen Geistes mein eigener wird. „Durch seinen Heiligen Geist versichert er mir das ewige Leben.“ Der Heilige Geist bezeugt die Wahrheit von Gottes Wort und bestätigt die Verheißung, die Er in Seinem Wort gibt, dass Er alle retten wird, die auf Christus vertrauen. Dieser gleiche, innewohnende Geist „macht mein Herz willig und bereit von jetzt an für Ihn zu leben“. Es ist Gott, der Sein gutes Werk bis zum Ende begleiten wird. Dieser Eine, der mich gerechtfertigt, wird mich auch von meinen Sünden reinigen. Er, der ein gutes Werk in mir begonnen hat, wird es auch bis zum Ende führen.

Diese Dinge zu wissen, gibt mir unaussprechlichen Trost im Leben und im Sterben!

 

 

 

© R. C. Sproul, ligonier.org/tabletalk

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Herold Juni 2014


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Kategorie

Auferstehung, Trost durch Göttliche Verheißungen

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