Was verstehst du unter der Vorsehung Gottes?
Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen wie durch seine Hand noch erhält und so regiert, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt.
(Frage & Antwort # 27 des Heidelberger Katechismus)

Diese wunderbare, poetische Beschreibung von Gottes Vorsehung ist meine Lieblingsstelle des Heidelberger Katechismus. »Souveränität« ist ein Wort, dass wir ebenfalls in diesem Zusammenhang benutzen können – und es ist ein sehr gutes Wort, welches die Allmacht und Fürsorge Gottes beschreibt. Doch wenn du gerade erlebst, wie ein Mensch ein trauriges Ereignis erlebt, können solche theologisch korrekten aber abstrakten Begriffe wenig tröstlich sein. In solchen Fällen kann es besser sein, von Gottes Vorsehung (oder Fürsorge) zu sprechen. So souverän, allmächtig Gott auch ist, wir dürfen wissen, dass er seine Souveränität, seine Allmacht, für uns einsetzt, die wir ihn lieben! Wie der berühmte schottische Leichtathlet und Missionar Eric Liddel es formulierte: “Gott mag ein Diktator sein, aber er ist ein gütiger, liebevoller Diktator.“

Um Gottes allumfassende Vorsehung im Ansatz zu begreifen, ist es häufig nötig, dass wir unser Weltbild ändern – von einem Ort, an dem der Mensch regiert und Gott nur antwortet, hin zu einer Welt, in der Gott das ganze Universum, welches Er erschaffen hat, auch in jedem Augenblick mit souveräner Liebe und allmächtiger Fürsorge kontrolliert.

Die Definition, die uns der Heidelberger Katechismus für Gottes Vorsehung liefert, ist einfach überwältigend. Alle Dinge erhalten wir nicht durch Zufalls, sondern aus seiner väterlichen Hand. Ich stelle meinen Studenten manchmal die Frage, wie uns diese Tatsache dabei helfen kann, jemanden zu trösten, der gerade einen lieben Menschen verloren hat, oder seine Arbeitsstelle, oder durch einen schweren Unfall lebenslänglich im Rollstuhl sitzen wird. Für gewöhnlich fällt es uns schwer, Menschen in solchen Situationen Trost zuzusprechen und gleichzeitig ihren Blick darauf zu richten, dass Gott doch noch alles unter Kontrolle hat und dass auch dies aus Gottes väterlicher Hand kommt. Doch genau das entspricht der Wahrheit, denn Gottes Wort sagt es uns:

„Wer hat den Stummen oder Tauben oder Sehenden oder Blinden gemacht? Habe ich’s nicht getan, der HERR?“ (2. Mose 4,11)

„Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies alles tut.“ (Jesaja 45,7)

„Seht nun, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand ist da, der aus meiner Hand errettet.“ (5. Mose 32,39).

Wir dürfen aber nicht meinen, dass Gottes Vorsehung eine Entschuldigung für unser dummes und sündiges Verhalten wäre. Herodes und Pontius Pilatus führten zwar aus, was Gott vor Ewigkeiten geplant hatte, und doch waren sie gottlose und hinterhältige Männer (vgl. Apostelgeschichte 4,25-28).  Es besteht kein Zweifel daran, dass sie für ihr Handeln die volle Verantwortung trugen.

Doch die Bibel betont Gottes Macht über alle Dinge häufiger und sehr viel deutlicher als es vielen von uns bewusst ist. Alle Nationen stehen unter Gottes Kontrolle (vgl. Psalm 2,1-4), ebenso die gesamte Schöpfung (vgl. Markus 4,41; Psalm 135,7; 147,18; 148,8). Gott ist souverän über Satan und alle bösen Mächte (vgl. Matthäus 4,10; 2. Korinther 12,7-8; Markus 1,27). Gott gebraucht Gottlose für seine Pläne – doch nicht nur in dem Sinne, dass er bereits geschehenes Übel in Gutes umkehrt, sondern auch in einer aktiven, planmäßigen Weise (vgl. Hiob 12,16; Johannes 19,11; 2. Mose 45,8; Lukas 22,22; Apostelgeschichte 4,27-28). Gott verhärtet Herzen (vgl. 2. Mose14,17; Josua 11,20; Römer 9,18), Gott sendet Katastrophen und Unheil (vgl. Richter 9,23; 1. Samuel 1,5; 16,14; 2. Samuel 24,1; 1. Könige 22,20-23; Jesaja 45,6-7; 53,10; Amos 3,6; Ruth 1,20; Prediger 7,14), ja, Gott tötet sogar (vgl. 1. Samuel 2,6; 2. Samuel 12,15; 2. Chronik 10,4+14; 5. Mose 32,39). Gott bewirkt, was ihm gefällt und seinen Plan kann nichts und niemand vereiteln (vgl. Jesaja 46,9-10; Daniel 4,34-35). Kurzgefasst: Gott lenkt unsere Schritte und lässt alles nach seinem Ratschluss geschehen (vgl. Sprüche 16,33; 20,24; 21,2; Jeremia 10,23; Psalm 139,16; Römer 8,21; Epheser 1,11).

Wenn Gott der Schöpfer aller Dinge ist, und wenn er wirklich allmächtig ist, dann wird er sich auch über alles, was er erschaffen hat, als allmächtig erweisen. Und wenn Gott ein Vater ist, dann wird er seine Autorität über die gesamte Schöpfung auch ganz sicher für das Wohl seiner geliebten Kinder einsetzen. Vorsehung ist nichts anderes als das feste Vertrauen in “Gott, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde”, und die Zuversicht, dass er uns durch die gegenwärtigen Segnungen und Schwierigkeiten hindurch ganz sicher an das ewige Ziel bringen wird.

Man kann die souveräne Vorsehung Gottes aus einer humanistisch-autonomen und/oder einer freiheitsverherrlichenden Perspektive betrachten und Gott als einen fiesen Despoten sehen, der mit Tsunamis und mit Königen wie mit Schachfiguren spielt – oder du siehst ihn aus der Perspektive der Heiligen Schrift und erkennst in ihm den liebenden Gott, der die Zahl der Haare auf deinem Kopf kennt, der sogar über jeden Vogel des Himmels wacht, sodass keines von beiden auf die Erde fällt, ohne sein Zutun (Matthäus 10,29-30); ein Gott, auf den wir vertrauen können und der uns Frieden und Hoffnung gibt. Es gibt keine Zufälle in unserem Leben, denn Gott hat nichts dem Zufall überlassen. Jede Wirtschaftskrise, jeder nächtliche Telefonanruf, jedes ärztliche Attest liegt unter der Kontrolle des Gottes, der alles sieht, alles plant, und der uns mehr liebt als wir erahnen können.

Als Kinder unseres himmlischen Vater ist die göttliche Vorsehung niemals zu unserem Nachteil. Als der junge Joseph ins Gefängnis geworfen wurde, erschien ihm sicherlich als großer Fehler, doch im Nachhinein erkannte er darin Gottes gnädiges Wirken (vgl. 1. Mose 45,5). Dasselbe trifft auf die Sklaverei Israels in Ägypten zu, und auf die Ermordung Jesu, …

Egal, welche Schwierigkeiten und Ungewissheiten dir noch begegnen werden, sie kommen aus Gottes gnädiger Hand und daher machen sie Sinn – wenn nicht in diesem Leben, dann spätestens in der Ewigkeit!

Wir alle erleben Momente, in denen wir uns fürchten, in denen wir uns fragen, was die Zukunft wohl bringen wird. Doch diese Furcht ist unberechtigt, weil wir den Einen kennen, der die Zukunft in seiner Hand hält. Zwar können all meine Ängste wahr werden, doch Gott wird immer treu bleiben. Er wird mich immer leiten, mir immer zuhören und mich immer lieben – weil ich zu Christus gehöre! Gottes Wege sind uns häufig verborgen und schwer zu verstehen. Doch wir können ohne Angst in die Zukunft sehen, denn nichts in dieser Welt – wie unheimlich es auch sein mag – geschieht unabhängig von der Hand des großen, unveränderlichen Gottes, der alles beeinflusst und selbst durch nichts beeinflusst wird. Und dieser Gott ist keine unpersönliche Macht, sondern mein himmlischer Vater, der mich liebt.

© Herold-Schriftenmission e.V., Herold Mai 2014

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Kategorie

Gott, Leben zu Gottes Ehre, Souveränität Gottes, Trost durch Göttliche Verheißungen

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