„Um deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, denn sie ist groß!“ Psalm 25,11

Einige Stellen in diesem Psalm machen deutlich, dass David sich in großer Anfechtung und Gefahr befand, als er ihn verfasste. Besonders deutlich wird dies in den folgenden Versen: „Meine Augen blicken ständig auf den Herrn, denn er, er wird meine Füße aus dem Fangnetz ziehen. ´Herr`, wende dich mir zu und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und vom Leid gebeugt. Sprenge du die Fesseln, die mir das Herz zusammenschnüren, lass mich frei werden von allem, was mir jetzt noch Angst macht … Sieh doch, wie viele Feinde ich habe, sie verfolgen mich mit abgrundtiefem Hass! Bewahre mein Leben und rette mich! Lass mich nicht in Schande geraten, denn bei dir suche ich Zuflucht“ (V. 15-17+19-20). Die Herausforderungen denen David gegenüberstand erinnerten ihn an seine Sünden und brachten ihn dazu, diese vor Gott zu bekennen und Ihn um Vergebung anzuflehen. „Denk doch nicht an die Sünden, die ich in meiner Jugendzeit begangen habe, und auch nicht an meine späteren Verfehlungen! Allein in deiner Gnade denk an mich, Herr, deine Güte ist doch so groß. … Achte auf mein Elend und auf meine Mühe und vergib mir alle meine Sünden!“ (V. 7+18).

Es ist auffallend, welche Argumente David anführt, damit Gott seine Bitte um Gnade und Vergebung erhören soll.

  1. „Um deines Namens willen, o Herr, vergib meine Schuld …“ (V. 11a). David weiß, dass er keine Vergebung auf der Grundlage seiner eigenen Gerechtigkeit zu erhoffen hat oder wegen irgendetwas, das er getan hätte, um seine Sünde wieder gut zu machen. Stattdessen bittet er Gott darum, dass dieser ihm um Seines eigenen Namens willen vergibt, zu Seiner eigenen Ehre und auf der Grundlage Seiner freien Gnade und wegen Seiner Treue gegenüber Seinen großartigen Verheißungen.
  2. „… vergib mir meine Schuld, denn sie ist groß!“ (V. 11b). Ist es nicht bemerkenswert, dass David die Größe seiner Schuld als Argument dafür anführt, dass Gott ihm vergeben soll? Anstatt zu sagen: „Herr, siehe auf die guten Taten, die ich begangen habe …“ oder „Vergib mir meine Schuld, denn sie ist ja nicht groß, und du hast nicht viel Grund, dich über mich zu ärgern“, sagt David das genaue Gegenteil: „Vergib mir meine Schuld, denn sie ist groß!“

Warum konnte David diese Bitte aussprechen? Die Antwort ist: Je größer seine Schuld war, umso mehr Vergebung hatte er nötig. Es ist als würde David sagen: „Vergib mir meine Schuld, denn sie ist zu groß als dass ich die Strafe dafür tragen könnte; meine Sünde ist so gewaltig und mein Zustand so hoffnungslos, dass ich nichts so sehr brauche, wie deine Gnade.“

Wenn ein Bettler um Brot bittet, wird er versuchen seine Not so klar wie möglich darzustellen. Wenn ein Mensch sich in Schwierigkeiten befindet und Hilfe benötigt, wird er am ehesten Hilfe erhalten, wenn er seine Situation nicht beschönigt, sondern klar und deutlich macht, wie es um ihn steht. Dasselbe trifft auf unseren Zustand vor Gott zu. Er wird seine Gnade nur denen schenken, die Ihn darum bitten und Er begnadigt Sünder nicht deshalb, weil sie es verdienen, sondern weil sie Sein Erbarmen brauchen.

Wenn wir Gott um Gnade bitten, dann wird die Größe unserer Schuld kein Hindernis für Ihn sein, uns zu vergeben. Denn wenn dies so wäre, hätte David sie niemals als Grund für die Bitte um Vergebung vorgebracht. Folgende Punkte sind wichtig, wenn ein Sünder zu Gott kommt, um Vergebung von ihm zu empfangen:

  1. Wir müssen unsere Not und unser Bedürfnis nach Barmherzigkeit erkennen.

Diejenigen, die ihre Not nicht erkennen, werden Gott niemals um Sein Erbarmen bitten. Denn Gottes Erbarmen besteht gerade darin, dass Er den Elenden seine Güte und Gnade schenkt. Und wer dies nicht erkennt, wird keine Hilfe von Ihm empfangen.

Der Mensch muss also einsehen, dass er von Natur aus ein Kind des Zorns ist, dass Gottes Gesetz gegen ihn steht und er deshalb unter dem Fluch des Gesetzes lebt. Der Zorn Gottes wird auf ihm bleiben, denn an jedem einzelnen Tag fordert er mit seiner Sünde diesen göttlichen Zorn heraus. Er muss sich dessen bewusst werden, dass es nichts Schrecklicheres gibt, als Gottes gerechtem Zorn ausgesetzt zu sein und den Allmächtigen zum Feind zu haben. Kein Mensch wird den Zorn Gottes ertragen können. Und es ist seine eigene Schuld, die den Menschen in diese hoffnungslose Lage versetzt – so angenehm ihm sein Leben auch zeitweise erscheinen mag. Solange der Menschen Gottes Erbarmen nicht erlangt, wird er in dieser aussichtslosen Lage bleiben, denn er vermag von sich aus dieser Lage nicht zu entkommen, sondern er wird in Ewigkeit verloren gehen, wenn Gott ihm nicht hilft.

  1. Kein Mensch verdient Gottes Erbarmen.

Jeder, der zu Gott kommt, um von Ihm Vergebung zu empfangen, kommt als Bettler – ohne Anrecht auf Gnade. Gottes Gnade ist Sein freies Geschenk an uns Sünder. Er ist nicht dazu verpflichtet und wir können sie uns nicht verdienen! Das Verderben dem wir ausgesetzt sind ist dagegen der verdiente Lohn für unsere Sünden und Gottes Zorn ist die rechtmäßige Strafe dafür, dass wir Seine heiligen und guten Gebote missachten.

Wer aber in der richtigen Haltung zu Gott kommt – wer seine Schuld erkennt und einsieht, dass er unwürdig vor Gott tritt und sich allein auf Seine Barmherzigkeit verlässt – der wird das erhalten, wonach er sucht.

  1. Der Sünder kann allein durch Jesus Christus zu Gott kommen, um Erbarmen zu empfangen

Jede Hoffnung auf Gnade ist nur auf der Grundlage dessen möglich, was Jesus Christus ist, was Er getan und erlitten hat. „Denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen!“ (Apostelgeschichte 4,12).

Er ist der Sohn des lebendigen Gottes und der Retter der Welt.

Er hat Sein Blut vergossen zur Vergebung der Sünden.

Und durch Sein Leiden und Opfertod am Kreuz wird jeder Sünder, der zu Christus gehört, Vergebung empfangen und ein Kind Gottes werden.

Jeder, der zu Gott kommt, um Erbarmen zu empfangen, muss daran glauben, dass bei Gott Erbarmen zu finden ist. „Denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt“ (Hebräer 11,6). Sie kommen allerdings in dem Vertrauen, dass Gott ihnen nicht den gerechten Lohn ihrer Schuld, sondern den Lohn der Gerechtigkeit Jesu schenken wird – die Größe ihrer Schuld wird dabei keine Rolle spielen. Sind ihre Sünden auch so zahlreich wie die Sandkörner am Meer, es kann Gott nicht daran hindern, ihnen alle Schuld zu vergeben. Diese Wahrheit möchte ich an den folgenden Punkten näher erläutern:

  • Die Gnade Gottes reicht aus, um dem größten, wie den kleinsten Sünder zu vergeben.

Gottes Gnade ist für den größten wie für den kleinsten Sünder ausreichend, denn Seine Gnade ist unendlich. So wie Gott in Seiner Macht die Befehlshaber dieser Welt bei Weitem überragt und Er sowohl über Könige als auch über Bettler herrscht, so ist auch Seine Gnade mächtig genug, die Sünden der Welt zu sühnen.

  • Das Opfer Jesu reicht aus, um die größten Sünden zu sühnen.

„Wenn wir jedoch im Licht leben, so wie Gott im Licht ist, sind wir miteinander verbunden, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde“ (1. Johannes 1,7). „Ihr sollt also wissen, meine Brüder: Durch diesen wird euch die Vergebung der Sünden verkündet, und in allem, worin euch das Gesetz des Mose nicht gerecht machen konnte, wird jeder, der glaubt, durch ihn gerecht gemacht“ (Apostelgeschichte 13,38-39). Jeder Sünder, der zu Gott kommt um von ihm die Gnade der Vergebung zu empfangen – unabhängig davon, wer er ist und was er getan hat – wird von ihm gerecht gesprochen. Denn Gott ist treu, und Er hat es zugesagt! Wer also durch das stellvertretende Opfer Jesu von Gott gerecht gesprochen wird, dem wird Gott Seine Vergebung ganz sicher nicht verwehren. Die Tatsachen also, dass Jesu Opfer für alle Sünden ausreicht und dass Seine Gerechtigkeit all jenen zugesprochen wird, die an Ihn glauben, macht es möglich, dass der heilige Gott in Seinem gerechten Wesen selbst den schlimmsten Sünder retten kann, der zu Ihm kommt. Diese Gnade ist aber keineswegs ein Hinweis dafür, dass Gott über Sünden hinwegsieht – der Hass Gottes gegen die Sünde wird durch das Leiden Seines Sohnes sichtbarer denn je –, doch gerade weil Christus, der geliebte Sohn, für die Sünden bezahlt hat, kann Gott den Sünder lieben und ihn als völlig gerecht ansehen – selbst wenn er der schrecklichste aller Sünder war.

Das Erlösungswerk Jesu widerspricht keineswegs der Ehre und Gerechtigkeit Gottes. Gottes Ehre und Gerechtigkeit forderten einen Ausgleich für die Sünden. Doch Christus hat durch Seinen Tod diese Forderung vollkommen erfüllt. „Ihn hat Gott vor den Augen aller Welt zum Sühneopfer für unsere Schuld gemacht. Durch sein Blut, das er vergossen hat, ist die Sühne geschehen, und durch den Glauben kommt sie uns zugute. Damit hat Gott unter Beweis gestellt, dass er gerecht gehandelt hatte, als er die bis dahin begangenen Verfehlungen der Menschen ungestraft ließ. Wenn er Nachsicht übte, geschah das im Hinblick auf das Sühneopfer Jesu. Durch dieses hat er jetzt, in unserer Zeit, seine Gerechtigkeit unter Beweis gestellt; er hat gezeigt, dass er gerecht ist, wenn er den für gerecht erklärt, der sein ganzes Vertrauen auf Jesus setzt“ (Römer 3,25-26).

Das Gesetz, das Gott uns vorlegt, ist daher kein Hinderungsgrund auf dem Weg zu Gott, denn Christus hat jeden Teil des Gesetzes völlig erfüllt und gehalten und hat doch den Fluch des Gesetzes am Kreuz auf Sich genommen. „Christus nun hat uns vom Fluch des Gesetzes losgekauft, indem er an unserer Stelle den Fluch getragen hat. Denn – so sagt die Schrift –‘verflucht ist jeder, der am Pfahl hängt‘“ (Galater 3,13).

  • Christus wird selbst den schlimmsten Sünder retten, der an Ihn glaubt, weil es Sein Auftrag ist.

Jesus wurde von Seinem Vater dazu beauftragt ein Retter für Sünder zu sein. Für diesen Auftrag kam er in die Welt. In Matthäus 9,13 sagt Jesus selbst, dass Er gekommen ist, um Sünder zur Buße zu rufen, und nicht Gerechte. Sein Ziel war es, die Sünde der Menschen, die sie wie eine Krankheit zerstört und tötet, zu entmachten – daher wird er niemanden abweisen, der zu sündig wäre. Je sündiger ein Mensch ist, umso mehr benötigt er Christus als seinen Erlöser. „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“ (Matthäus 9,12). Was wäre das für ein Arzt, der sich weigern würde einen Kranken zu heilen, obwohl er die Mittel dazu hätte, es zu tun?

  • Die Herrlichkeit der Gnade Jesu besteht zum großen Teil darin, dass Er die größten Sünder rettet.

Der ganze Erlösungsplan Gottes hat ein Ziel: die Herrlichkeit der Gnade Gottes zu preisen (vgl. Epheser 1,4-6+12). Die Größe der Gnade Gottes wird dadurch am deutlichsten sichtbar, dass Gott in Christus die größten Sünder rettet. Je größer die Schuld eines Menschen, umso größer ist Gottes Gnade, durch die Er ihm die Schuld vergibt und ihn zu einem Seiner Gerechten macht. „Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden“ (Römer 5,20). Als der Apostel Paulus Timotheus gegenüber bezeugt, was er für ein großer Sünder war, lenkt er seinen Blick weg von seiner großen Schuld und hin zu der überragenden Gnade, dass Gott ihm seine schlimmen Taten vergab: „… der ich zuvor ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war. Aber mir ist Erbarmung widerfahren, weil ich es unwissend im Unglauben getan habe. Und die Gnade unseres Herrn wurde über alle Maßen groß samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist“ (1. Timotheus 1,13+14).

Jesus Christus ist aller Ehre wert. Er ist der vollkommene Retter von Sünde und Tod, denn Er hat Sein Blut vergossen, um stellvertretend für Sünde zu bezahlen und diejenigen vor Gott rein zu waschen, die auf Ihn vertrauen. Weil durch die Erlösung Jesus Christus alle Ehre zukommt, ist es keine Frage, dass Er gerne bereit ist, alle die zu retten, die zu Ihm kommen und Ihn um Vergebung bitten – und keine Sünde ist für Ihn zu groß!

  • Das Evangelium Jesu Christi richtet sich an alle Sünder.

„Jesus spricht: ‚Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird niemals dürsten‘“ (Johannes 6,35). „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28). „Und wen da dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst!“ (Offenbarung 22,17). Und: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen!“ (Johannes 6,37).

Daher hat Christus uns, die wir Seine Gnade und Vergebung empfangen haben, auch den Befehl gegeben: „Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden“ (Markus 16,15+16).

Wenn du wirklich zu Christus kommst, um von Ihm Vergebung deiner Sünden zu empfangen, dann wirst du auch erleben, dass Er einen neuen Menschen aus dir macht. Er wird dich nicht so lassen, wie du bist. Du kommst zu Ihm wie ein Patient zu einem Arzt, damit Er deine Krankheit und deine Wunden heilt. Bekenne Ihm alles, was dich belastet, halte nichts zurück. Glaube nicht, du könntest auf der Grundlage deiner eigenen guten Taten zu Ihm kommen. Sage nicht: „Jesus, vergibt, denn ich bin kein schlechter Mensch“, sondern bekenne, wie David: „Herr, um deines Namens willen vergib mir meine Schuld, denn sie ist groß!“

 

 

© Herold-Schriftenmission e.V., Herold März 2014

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Evangelium, Freie Gnade, Gebet

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