»Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns« (Johannes 1,14).

Gerade hast Du den unfassbarsten Satz der Weltgeschichte gelesen. Keine Wahrheit, die je offenbar wurde, ist so drastisch wie die Tatsache, dass das Wort, der ewige Sohn Gottes, Mensch wurde und, so wörtlich, „sein Zelt unter uns aufschlug“. Das Evangelium enthält viele sehr wichtige Wahrheiten; doch sie alle hängen von dieser einen ab. Am das Kreuz wurde die Schuld unserer Sünden bezahlt, durch die Auferstehung wurde unser Freispruch garantiert, doch all dies wurde an dem großen Tag eingeläutet, da die Jungfrau schwanger war. Es ist sicher keine Übertreibung zu sagen, dass die Inkarnation Jesu – die Menschwerdung Gottes – die empörendste Botschaft ist, die jemals ausgesprochen wurde. Doch so viel Empörung sie auch hervorrufen mag, sie ist die Wahrheit!

Johannes spricht zu Beginn seines Evangeliums-Berichts sehr viel von dem „Wort“, und er klärt seine Leser darüber auf, was genau es mit diesem „Wort“ auf sich hat: Zuerst lesen wir, dass es ewig ist („Im Anfang war das Wort“), es wird von Gott unterschieden („und das Wort war bei Gott“) und doch ist es Gott („und das Wort war Gott“). Er war, gemeinsam mit Gott, für die gesamte Schöpfung verantwortlich und es gibt nichts, was nicht durch ihn geschaffen wurde (vgl. V. 3). Er ist voller Licht, Leben, Herrlichkeit, Gnade und Wahrheit (vgl. V. 4 + 14). Wir haben hier also ein Wesen, das ewig existiert, durch das alle Dinge erschaffen wurden, das sich von Gott dem Vater unterscheidet aber zur selben Zeit selbst Gott ist.

Zu der Zeit, als Johannes diesen Text verfasste, muss er von den jüdischen Lesern zwar kontrovers aufgefasst aber nicht auf völlige Ablehnung gestoßen sein. Immerhin kannten sie einige Stellen aus dem Alten Testament, die eine gewisse Pluralität von Yahwes Wesen zu enthalten schienen: „Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich …“ (1. Mose 1,26); „Dein Thron, o Gott, bleibt immer und ewig; das Zepter deines Reiches ist ein Zepter des Rechts! Du liebst die Gerechtigkeit und hasst die Gesetzlosigkeit, darum hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Gefährten“ (Psalm 45,7-8).

Was von ihnen aber sicherlich abgelehnt wurde, war das Zeugnis, das dieses Wort „Fleisch“ wurde. Wir müssen wissen, dass die Juden verschiedenartig das Zusammenspiel zwischen Gott und den Menschen umschrieben (z. B. die göttliche „Weisheit“, das „Gesetz Gottes“, das „Wort des HERRN“, die „Herrlichkeit des HERRN“ und der „Geist des HERRN“) – doch nichts von alledem sprach davon, dass Gott Mensch sein würde. Wie war es überhaupt möglich, dass der alles überragende Gott uns Menschen so nahe kommt? Wie konnte ein so großer Herrscher so gering werden? Noch heute ist die Menschwerdung für Juden und auch für Muslime ein sehr viel größeres Problem als die Kreuzigung oder Auferstehung Christi.

Johannes gebraucht in Vers 14 eine Metapher, um zu erklären, wie weit Christus sich erniedrigte: „Er schlug sein Zelt auf unter uns.“ Der Begriff „Zelt“ war den Juden im Zusammenhang mit der Gottesgemeinschaft nicht unbekannt – war das Zelt doch über Generationen der Ort der persönlichen Begegnung zwischen Gott und seinem Volk gewesen. So gebraucht Johannes nun dies als Bild dafür, dass in dem „Wort“ Gott selbst in die Gegenwart seines Volkes tritt. Der Sohn Gottes wurde Fleisch und machte den Menschen die Herrlichkeit und das Wesen Gottes sichtbar.

Die Inkarnation Jesu ist das größte aller biblischen Wunder! Keines der Wunder, die Jesus in den Evangelien vollbringt, kann uns noch überraschen, wenn wir uns bewusst machen, was es bedeutet, dass Er der fleischgewordene Gottessohn ist. Da Jesus voll und ganz Gott ist, wäre es ein Wunder gewesen, wenn der Sturm seiner Stimme nicht gehorcht hätte. Da Jesus der Schöpfer allen Lebens ist, ist auch seine Auferstehung alles andere als unglaublich. Wie wir über die Inkarnation denken, bestimmt darüber, was wir von Jesus Christus erwarten. Ich treffe immer wieder Ungläubige – und leider auch Christen –, die davon überrascht sind, dass Gott heute noch Wunder tut. Denn in der Bibel begegnet uns etwas noch viel größeres: Uns begegnet der große Gott, als wahrer Mensch!

Wie sehr wir über diese Wahrheit staunen müssten, wird uns vielleicht dann bewusst, wenn wir von der Faszination Salomos über den Jerusalemer Tempel lesen:

„Aber wohnt Gott wirklich bei den Menschen auf der Erde? Siehe, die Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es denn dieses Haus tun, das ich gebaut habe!“ (2. Chronik 6,18).

Dem Gott und Herrscher aller Dinge, dem nichts zu groß oder zu klein wäre, wurde Mensch! Was für ein Retter! Was für eine Botschaft!

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Artikel, Evangelium, Jesus Christus - Gottes Sohn

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