Wenn wir Evangelikale im sprichwörtlichen Sinne sein wollen, dann dürfen wir bezüglich unserer Sicht von der Heiligen Schrift keine Kompromisse eingehen. Es bringt nichts, wenn scheinbar immer mehr Menschen sich dem evangelikalen Glauben anschließen, gleichzeitig jedoch nicht wenige von ihnen gegenüber dem Zentrum dieses Glaubens, nämlich der Schrift, nachlässig werden. Es bringt nichts, wenn man größere Zahlen aufweisen kann, und gleichzeitig das Ganze verwässert wird.

Es stimmt uns traurig, sagen zu müssen, dass es Evangelikale gibt, die die Heilige Schrift nicht mehr als Einheit sehen, und dass diese Sichtweise auch in immer mehr evangelikalen Seminaren und Einrichtungen vertreten wird. Das Problem stellt sich klar dar: Ist die Bibel völlig Wahrheit und in allem unfehlbar, auch dort, wo sie von geschichtlichen Begebenheiten und vom Kosmos spricht, oder ist sie nur in gewisser Hinsicht eine Offenbarung, nämlich dort, wo sie religiöse Themen anspricht?

Das Herzstück der neo-orthodoxen existenziellen Theologie besagt, dass die Bibel uns eine Quelle für religiöse Erfahrungen bietet, dass sie jedoch Fehler enthält, wo es um das geht, was verifizierbar ist – d. h. im Bezug auf Geschichte und Wissenschaft. Unglücklicherweise hat diese Auffassung bereits in Kreise Einzug gehalten, die sich evangelikal nennen und die behaupten, dass nicht die gesamte Bibel eine göttliche Offenbarung ist, oder dass die Bibel nur wenig, bis gar nichts lehrt, wenn sie über den Kosmos spricht.

Martin Luther sagte: »Wenn ich mich mit der lautesten Stimme deutlich zu jeder Einzelheit der Wahrheit Gottes bekennen würde, außer zu dem einen kleinen Punkt, den die Welt und der Teufel gegenwärtig angreifen, dann würde ich mich nicht wirklich zu Christus bekennen, wie kühn mein ›Bekenntnis‹ auch sein möge.«

In unseren Tagen ist dieser »kleine Punkt« die Frage nach der Unfehlbarkeit und Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift. Sich ganz zur Heiligen Schrift bekennen und an ihr festhalten oder nicht, das ist der Scheidepunkt zwischen den Evangelikalen. Wir müssen zwar liebevoll, aber dennoch deutlich sagen: Der evangelikale Glaube ist letztlich nicht konsequent evangelikal, wenn keine Trennlinie gezogen wird zwischen denen, die die Schrift als Ganzes für wahr halten, und denen, die dies nicht tun.

 

© Herold-Schriftenmission, Herold Juni 2013

 

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Artikel, Die Bibel - das Wort Gottes

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