»Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit! Lasst euch nicht von vielfältigen und fremden Lehren durcheinanderbringen; statt-dessen achtet darauf, dass euer Herz fest wird, was allein durch Gottes Gnade geschieht und nicht durch Speisen, die denen, die sich auf sie verließen, keinen Gewinn brachten. Wir haben schließlich einen Opferaltar, von dem die Diener der Stiftshütte nicht essen dürfen. Denn die Leiber der Tiere, deren Blut für die Sünde durch den Hohenpriester in das Allerheiligste getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, um das Volk durch sein eigenes Blut zu heiligen, außerhalb der Stadttore gelitten. Deshalb lasst uns jetzt zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen! Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern eine zukünftige erwarten wir« (Hebräer 13,8-14).

Welche Erwartungen haben wir für unser Leben als Christen? Sicherlich passt die diesjährige Jahreslosung in Vers 14 sehr gut zu unserem großen Ziel, einmal die Ewigkeit in Gottes Herrlichkeit zu verbringen. Doch stimmen unsere kleinen Ziele und Wünsche auf dem Weg mit diesem großen, letztendlichen Ziel überein? Der Verfasser des Hebräerbriefes fordert die Empfänger in unserem Text – der der eigentliche Hintergrund der diesjährigen Jahreslosung ist – dazu auf, die »Schmach« auf sich zu nehmen, die auch Christus tragen musste. »Deshalb lasst uns jetzt zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen! Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern eine zukünftige erwarten wir« (Verse 13-14). Jesus wurde aus dem »Lager« Jerusalem herausgeführt, um auf Golgatha wie ein Verbrecher geschlagen und getötet zu werden.

Und nun fordert uns Gottes Wort dazu auf, Jesus auf diesem Weg zu folgen und dasselbe zu ertragen wie Er. Soll das unsere Erwartung als Christen sein? An einer anderen Stelle sagte Jesus selbst zu seinen Jüngern: »Wenn mir jemand nachfolgen will, so nehme er sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben behalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es gewinnen« (Lukas 9,23-24). Es stimmt also: Ein Leben als Christ bedeutet nicht, ein Leben ohne Probleme und Schmerzen zu erwarten, sondern vielmehr ein Leben zu führen, wie Christus es führte, der, »obwohl er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er machte sich selbst zu nichts, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Deshalb hat Gott ihn auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Maßen ist …« (Philipper 2,6-9). An kaum einer anderen Stelle in der Bibel sehen wir so klar, wie die Hoffnung auf eine zukünftige Herrlichkeit mit der Härte des irdischen Lebens zusammenhängt. Das »Kreuz«, das wir auf uns nehmen sollen, kann unterschiedlich ausfallen. Bei manchen erscheint es in Gestalt einer Krankheit, bei der das Zeugnis an die Welt aus einem dankbaren Lobgesang trotz Schmerzen und Leid besteht. Bei anderen kann es die Form der dienenden Hingabe oder der Seelsorge sein. Wichtig dabei ist: Christus muss der Mittelpunkt und die Motivation jedes Kreuzes sein, denn wer sein Leben verliert um seinetwillen, der wird es gewinnen!

Die Motivation Jesu und unsere Motivation

Doch welche Motivation hatte Christus? Er hätte diesen schweren Weg nicht gehen müssen. Es gab nichts, was Ihn dazu verpflichtet hätte – nicht einmal seine Liebe zu der verlorenen Welt verpflichtete Ihn dazu. Wir lesen, dass Christus es aus Gehorsam tat – aus einem freien Gehorsam gegenüber dem ewigen Plan des Vaters, der Ihn schon vor Grundlegung der Welt als Opfer zur Vergebung der Sünden bestimmt hatte (vgl. Römer 5,19; Philipper 2,8; 1. Petrus 1,18-21). Christus verließ die Herrlichkeit beim Vater, die Er bereits vor Beginn der Welt hatte, um den Plan des Vaters auszuführen (vgl. Johannes 6,38)! Dieser Plan des Vaters führte so weit, dass Christus außerhalb der Gesellschaft unter schrecklichsten Bedingungen an einem grausamen, schmutzigen und traurigen Ort hingerichtet wurde – und dies alles, um für die Ungerechtigkeit vieler zu bezahlen, den Tod zu besiegen und durch Seine Auferstehung den Gläubigen Seine Gerechtigkeit zu geben.

Wenn uns also Gottes Geist durch den Text des Hebräerbriefes dazu auffordert, hinauszugehen und außerhalb des Lagers Seine Schmach zu tragen, dann bedeutet das für uns heute konkret: Verlassen wir den sicheren und angenehmen Komfort unserer Häuser, wagen wir uns heraus aus der Ruhe christlicher Kreise und lasst uns auch zu denen gehen, die Christus noch nicht kennen. Christus sendet uns wie die Schafe unter die Wölfe, also folgen wir Ihm nach zu den gefährlichen, den schmutzigen und traurigen Orten dieser Welt. Christus sendet uns auch aus als »Licht in diese Welt« (Matthäus 5,14). Was nützt es, wenn ein Licht unter ein Gefäß gestellt wird oder nur dort leuchtet, wo bereits viel Licht vorhanden ist? Nein, unser Licht soll »vor den Leuten leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen« (Matthäus 5,16). Wo kannst Du also dieses Jahr nutzen, um Menschen, die bisher nur über Gott gespottet haben oder Ihm gegenüber gleichgültig waren, durch Gottes Hilfe dahinzubringen, dass sie Deinen Vater im Himmel preisen?

Mangelnde Sehnsucht nach Gottes Ehre, eine mögliche Ursache unseres Versagens

Ich glaube, dass wir auf diesem Gebiet häufig versagen, weil wir einen großen Mangel haben. Zum einen mangelt es uns an der Sehnsucht, Gott zu verherrlichen. Christus ging den
Weg des absoluten Gehorsams nicht aus Eigennutz, sondern um Seinen Vater zu ehren. So sagt uns auch die Bibel, dass wir nicht geschaffen und erlöst wurden, um uns selbst zu dienen, sondern »damit wir die Herrlichkeit seiner Gnade preisen«, und »damit wir die Taten dessen verkünden, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat« (Epheser 1,6.12; 1. Petrus 2,9).

Ist uns die Größe der Herrlichkeit Gottes bewusst? Wenn ja, dann muss sie uns dahin führen, dass wir Gottes Ehre mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen und anderen davon berichten. Dann dürfen wir nicht schweigen, wenn der allmächtige, treue, fürsorgliche und über alle Maßen herrliche Gott zum Inhalt von Scherzen wird, wenn Sein heiliges Wort verdreht oder aus Kompromissbereitschaft kritisiert und seines Inhalts beraubt wird. Noch schlimmer ist allerdings, dass dieser herrliche und zugleich so ehrfurchtgebietende Gott, vor dem einmal der Himmel und die Erde fliehen werden, auch zum Inhalt vieler »christlicher Scherze« wird und in christlichen Kreisen mit Seiner Ehre so leichtfertig umgegangen wird. Jedes Schweigen oder Versagen in dieser Richtung beweist nicht nur eine mangelnde Liebe zu Gott, sondern auch denen gegenüber, die mit ihrem Spott den Zorn Gottes auf sich ziehen. Dies verweist uns direkt auf den zweiten Mangel: den Mangel an der Liebe gegenüber den Verlorenen.

Mangelnde Liebe für die Verlorenen, eine zweite mögliche Ursache unseres Versagens

Während seines Wirkens auf der Erde wurde Jesus vorgeworfen, dass Er ein Freund der Zöllner und Sünder sei. Und ganz gewiss war Er das auch! Niemand wusste besser als Er, wie schlimm der Mensch durch die Sünde verdorben und von Gott abgekommen ist; so sehr, dass der Mensch von sich aus niemals zu Gott kommen kann. Deshalb kam Christus als Licht in die Finsternis dieser Welt, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Dieses Amt Jesu beschränkte sich nicht auf die 30 Jahre seines irdischen Wirkens, Er führt es weiterhin durch alle aus, die als Botschafter Seines Evangeliums zu den Gottlosen dieser Welt gehen. »Deshalb schämen wir uns nicht des Zeugnisses unseres Herrn, sondern leiden mit für das Evangelium nach der Kraft Gottes! Der hat uns gerettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unserenWerken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben, jetzt aber offenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Retters Christus Jesus, der den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium, für das wir eingesetzt worden sind als Verkündiger (Herolde) und Lehrer« (2. Timotheus 1,8-11, frei übertragen).

Ganz besonders in diesem Punkt trete ich nicht als Richter auf, sondern als jemand, der über sein eigenes Versagen traurig ist. Dies muss aber nicht so bleiben; lasst uns deshalb hinausgehen und die »Schmach Christi« tragen, um auf diese Weise das herrliche Licht dieser besonderen Botschaft von der Rechtfertigung aus Glauben allein in die Welt zu tragen! Das höchste Gebot, das das ganze Gesetz und die Propheten umfasst, lautet: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und deinen Nächsten wie dich selbst« (Matthäus 22,38). Wenn die Gemeinde Jesu dieses Gesetz ernsthafter in ihrem Herzen tragen würde, was würde sich in unseren Familien, unseren Ortsgemeinden und unserer Nachbarschaft, in unseren Nachrichten und auf unseren Schulhöfen ändern? Die Antwort darauf gibt uns Asaf in Psalm 78: »Wir verkündigen dem kommenden Geschlecht den Ruhm des HERRN und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat […], damit sie ihre Hoffnung auf Gott setzen und die Taten Gottes nicht vergäßen, sondern seine Gebote hielten« (Psalm 78,4.7).

Der Glaube, das Leid und die Verheißung auf die ewige Herrlichkeit

Eines ist sicher: Auch wenn die Rettung ganz klar nur aufgrund der Gnade Gottes und allein durch den Glauben geschieht, so zeigt doch die Tatsache, dass die Verheißung
der ewigen Herrlichkeit denen gilt, die Christus nachfolgen, dass Glauben und Nachfolge untrennbar zusammengehören: »Denn alle, die durch Gottes Geist geführt werden, die sind auch Kinder Gottes. […] Wenn wir aber Kinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben des Christus; wenn wir wirklich mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden« (Römer 8,14.17). Unser Leben als Christen soll also in erster Linie ein Leben zu Gottes Ehre sein und in zweiter Linie einen segnenden Einfluss auf unsere Umgebung haben; doch darüber hinaus gibt Gott uns die wundervolle Verheißung der bleibenden Stadt, dem neuen Jerusalem; einer Stadt, in der Gott selbst bei uns wohnen wird und in der weder Tod noch Schmerz sein werden! Diese Verheißung der ewigen Herrlichkeit gibt uns die Perspektive, dass unsere vorübergehende Schmach einmal in unendliche Freude verwandelt werden wird. Und es war auch diese Perspektive der zukünftigen Freude, die Christus die Kraft gab, das Kreuz zu erdulden (vgl. Hebräer 12,2).

In diesem Sinne kann die zu Beginn gestellte Frage auch anders formuliert werden: Worauf warten wir? Was hält uns davon ab, das herrliche Werk auszuführen, zu dem Gott uns berufen hat? Und wenn wir im Licht der Heiligkeit Gottes den Grund für unser Versagen erkennen, dann lasst uns »jede Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat« (Hebräer 12,1b-2). »Gott rüste euch völlig aus zu jedem guten Werk, damit ihr seinen Willen tut, indem er in euch das wirkt, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus. Ihm sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen« (Hebräer 13,21).

© Herold-Schriftenmission, Herold Januar 2013

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Artikel, Evangelium, Heiligung

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