»Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.« (Epheser 2,8-9).

Was ist dieser Glaube, von dem gesagt wird: »Aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben«? Es gibt viele Beschreibungen des Glaubens; aber fast alle Erklärungen, die mir vorgekommen sind, bewirkten, dass ich weniger davon verstand als vorher. Jemand sagte einmal, als er ein biblisches Kapitel vorgelesen hatte, dass er nun eine Konfusion dazu geben wolle, und sehr wahrscheinlich tat er das auch, obwohl er eigentlich eine Illustration meinte. Wir können den Glauben erklären, bis ihn kein Mensch mehr versteht. Ich hoffe, ich werde mich dieses Fehlers nicht schuldig machen. Der Glaube ist die allereinfachste Sache, und vielleicht ist er eben um seiner Einfachheit willen umso schwieriger zu erklären.

Was ist der Glaube? Er besteht aus drei Dingen: Kenntnis, Fürwahrhalten und Vertrauen. Die Kenntnis kommt als Erstes. »Wie aber sollen sie glauben, wenn sie noch nie etwas von Ihm gehört haben?« (Römer 10,14b).

Kenntnis

Ich muss also zuerst von einer Tatsache in Kenntnis gesetzt worden sein, bevor es mir möglich ist, sie zu glauben. »Der Glaube kommt durchs Hören der Botschaft« (Römer 10,17). Wir müssen erst hören, um zu wissen, was geglaubt werden soll. »Darum hoffen auf dich alle, die deinen Namen kennen« (Psalm 9,11). Ein gewisses Maß an Kenntnis ist zum Glauben nötig; deshalb ist es so wichtig, Kenntnis zu erlangen. »Hört auf meine Worte und kommt her zu mir, damit eure Seele lebe« (Jesaja 55,3). Das war das Wort des alten Propheten, und es ist noch immer das Wort des Evangeliums. Forscht in der Schrift und lernt, was der Heilige Geist über Christus und Sein Heil lehrt! Sucht nach Gott, um Ihn zu erkennen! »Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen« (Hebräer 11,6). Möge der Heilige Geist euch den Geist der Kenntnis und der Furcht des Herrn geben!

Lernt das Evangelium kennen und versteht, was die gute Botschaft ist, wie sie von bedingungsloser Vergebung und von einer Veränderung des Herzens spricht, was sie über Gottes Adoption Seiner Kinder und über die damit verbundenen Segnungen sagt! Lernt ganz besonders Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Heiland der Menschen kennen, der durch seine menschliche Natur mit uns vereint und doch gleichzeitig Gott ist, was Ihn zu dem einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen macht; der die Macht hat Sünden zu vergeben und Menschen mit Gott zu vereinen! Seid bemüht, immer mehr von Jesus Christus und seinem Opfer zu lernen; denn der wesentliche Punkt des Glaubens lautet: »Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst, indem er ihnen ihre Sünde nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte« (2. Korinther 5,19). Macht euch bewusst, dass Jesus für uns zum Fluch wurde, denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!« (Galater 3,13). Nehmt tief die Lehre von dem stellvertretenden Erlösungswerk Christi in euch auf, denn darin liegt der größte Trost für schuldbeladene Menschen. Ihn hat Gott »für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zu der Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt!« (2. Korinther 5,21). Der Glaube beginnt mit Kenntnis.

Fürwahrhalten

Doch es geht noch weiter, denn der Glaubende vertraut darauf, dass diese Dinge wahr sind. Er glaubt, dass Gott existiert und dass er den Schrei des aufrichtig Suchenden hört, dass das Evangelium Gottes Heilsbotschaft ist, dass dass die Rechtfertigung durch den Glauben die Wahrheit ist, die Gott durch seinen Geist offenbart hat. Außerdem glaubt er, dass Jesus Christus unser wahrer Gott und Heiland, der Erlöser der Menschen, der Prophet, Priester und König seines Volkes ist. All das wird er als sichere Wahrheit annehmen, die er nicht infrage stellen wird. Glaubt fest, dass »das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, uns rein macht von aller Sünde« (1. Johannes 1,7), dass sein Opfer vor Gott völlig ausreicht und Er die Menschen annimmt und nicht richtet, die an Jesus Christus glauben! Glaubt diese Wahrheiten! Denn der Unterschied zwischen gewöhnlichem Glauben und rettendem Glauben liegt hauptsächlich in dem Gegenstand, auf den er sich ausrichtet! Glaubt dem Zeugnis Gottes, wie ihr dem Zeugnis eures eigenen Vaters oder Freundes glaubt! »Denn wenn wir das Zeugnis von Menschen annehmen, so ist Gottes Zeugnis noch viel größer« (1. Johannes 5,9).

Vertrauen

Nun ist noch eine Sache nötig, um den Glauben vollständig zu erklären: das Vertrauen. Vertraut auf den barmherzigen Gott; baut eure Hoffnung auf das Evangelium; vertraut euer ganzes Leben dem sterbenden und lebendigen Heiland an; lasst euch durch das Blut der Versöhnung reinigen; nehmt die vollkommene Gerechtigkeit Jesu an, dann ist nichts weiter nötig! Vertrauen ist das Wesen des Glaubens; es gibt keinen rettenden Glauben ohne Vertrauen. Die Puritaner versuchten das Wort »Glauben« mit »Abstützen« zu erklären. Das heißt: Stützt euch mit eurem ganzen Gewicht auf Christus! Noch besser wäre es zu sagen: Fallt der ganzen Länge nach hin und liegt auf dem Felsen des Heils! Werft euch auf Jesus, ruht auf Ihm an! Wenn Ihr das getan habt, dann habt ihr den errettenden Glauben. Dieser Glaube ist keine blinde Sache, denn er ist gegründet auf eine sichere Kenntnis. Er ist auch nichts Spekulatives; denn er glaubt Tatsachen, deren er sich absolut sicher ist. Er ist weder rein theoretisch noch bloße Träumerei; denn er vertraut und wagt und setzt alles auf die Wahrheit der Offenbarung. So ist wahrer Glaube!

Der Glaube besteht darin, dass man glaubt, dass Jesus Christus das ist, was Er von sich behauptete zu sein, und dass man darauf vertraut, dass Er das tun wird, was Er zu tun verheißen hat. Die Bibel spricht klar und deutlich von Jesus Christus als Gott, Gott in menschlicher Gestalt, als vollkommen sündlos in seinem ganzen Wesen, und sie spricht von Ihm als einem Sündopfer, der unsere Sünden für uns an seinem eignen Leibe ans Kreuz getragen hat. Sie sagt außerdem, dass Er die Sünde besiegt und den Glaubenden ewige Gerechtigkeit gebracht hat, indem Er von den Toten wieder auferstanden ist, und dass Er ewig lebt und für uns bittet, dass Er in die Herrlichkeit hinaufgegangen ist und den Himmel für sein Volk in Besitz genommen hat und dass Er schon bald wiederkommen wird, um auf der Erde Gerechtigkeit und Recht wieder herzustellen. Wir müssen daran glauben, dass dies alles so ist; denn Gott der Vater hat es selbst bezeugt, als Er sprach: »Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören« (Lukas 9,35). Dasselbe wird auch von Gott dem Heiligen Geist – sowohl in dem von Gott eingegebenen Wort als auch durch viele Wunder in den Herzen der Menschen – bezeugt. Dies Zeugnis sollen wir für wahr halten.

Der Glaube nimmt auch an, dass Christus tun wird, was er verheißen hat; er vertraut darauf, dass Jesus den nicht ausstoßen wird, der zu Ihm kommt, weil Er es verheißen hat. Was Jesus Christus zu tun verheißen hat, das wird Er ganz sicher tun, und wir müssen daran glauben, damit wir durch den Glauben Vergebung, Rechtfertigung, Bewahrung und ewige Herrlichkeit erhalten, wie Gott es denen versprochen hat, die an Ihn glauben.

Dies ist der errettende Glaube, und wer ihn hat, der hat das ewige Leben! Auch wenn Gefahren und Schwierigkeiten, Dunkelheit und Anfechtungen, Schwachheiten und Sünden sich euch in den Weg stellen, gilt: Wer an Jesus Christus glaubt, der wird nicht gerichtet, sondern ist vom Tod zum Leben hinüber gelangt (vgl. Johannes 5,24).

Ich bete, dass diese Darstellung des Glaubens Frucht und Veränderung bringt! Ich vertraue darauf, dass der Geist Gottes sie brauchen wird, um euch inneren Frieden zu schenken. »Fürchte dich nicht; glaube nur!« (Markus 5,36). Vertraue und sei ruhig!

Meine Befürchtung ist, dass manche sich damit zufriedengeben, zu verstehen, was zu tun ist, und es doch nie tun. Der ärmste, aber echte Glaube, der tatsächlich ans Werk geht, ist viel besser als das beste Ideal davon, das bei reiner Spekulation stehenbleibt. Es ist wichtig, jetzt an den Herrn Jesus zu glauben. Kümmere dich nicht um Unterscheidungen und Begriffsbestimmungen! Ein Hungriger isst auch dann, wenn er nicht die Zusammensetzung seiner Speise, die Anatomie seines Mundes oder den Prozess der Verdauung versteht; er lebt, weil er isst. Ein anderer, viel klügerer Mann versteht viel von Ernährung; aber wenn er nicht isst, wird er mit all seinem Wissen sterben. Ohne Zweifel gibt es viele in der Hölle, die zwar die Lehre vom Glauben verstanden, die aber nicht geglaubt haben. Aber nicht einer, von denen, die dem Herrn Jesus vertraut haben, wurde je hinaus gestoßen, weil er nicht fähig gewesen wäre, seinen Glauben verstandesmäßig zu erklären. Lieber Leser, nimm den Herrn Jesus im Glauben an und du wirst in Ewigkeit leben! Jesus Christus spricht: »Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben« (Johannes 6,47).

© Herold-Verlag, C. H. Spurgeon: „Ganz aus Gnade“, Best.-Nr. 072, € 5,90

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  1. […] Zum gesamten Artikel: Was ist rettender Glaube? […]

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Artikel, Evangelium

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