»Im Übrigen, meine Brüder, freut euch in dem Herrn! Euch immer wieder dasselbe zu schreiben, ist mir nicht lästig; euch aber macht es gewiss. Habt acht auf die Hunde, habt acht auf die bösen Arbeiter, habt acht auf die Zerschneidung! Denn wir sind die Beschneidung, die wir Gott im Geist dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen, obwohl auch ich mein Vertrauen auf Fleisch setzen könnte. Wenn ein anderer meint, er könne auf Fleisch vertrauen, ich viel mehr: beschnitten am achten Tag, aus dem Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, im Hinblick auf das Gesetz ein Pharisäer, im Hinblick auf den Eifer ein Verfolger der Gemeinde, im Hinblick auf die Gerechtigkeit im Gesetz untadelig gewesen. Aber was mir Gewinn war, das habe ich um des Christus willen für Schaden geachtet; ja, wahrlich, ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe; und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm erfunden werde, indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens, um ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichförmig werde, damit ich zur Auferstehung aus den Toten gelange.« (Philipper 3,1-11)

Immer dasselbe

Der Apostel Paulus beginnt Kapitel 3 des Philipperbriefes mit den Worten: »Im Übrigen, meine Brüder, freut euch in dem Herrn!« (V.1). Das ist der Grundton im gesamten Brief. Trotz Höhen und Tiefen soll der rote Faden im Leben Freude sein, und zwar die Freude am Herrn. Wenn auch in Fesseln, konnte sich Paulus doch freuen.

Er hatte die Philipper im Kapitel zuvor ja ermahnt, dass sie so gesinnt sein sollten, wie Jesus Christus es war. Dann hatte er ihnen zwei Personen vorgestellt, Timotheus und Epaphroditus, die sich als demütige und selbstlose Nachfolger Jesu erwiesen hatten. Wie ein Sohn dem Vater, so hatte Timotheus mit Paulus am Evangelium gedient. Und Epaphroditus hatte um Christi willen sein Leben nicht geschont. Solche Christen ohne Falsch waren für den Apostel eine große Freude, und er lud die Philipper ein, sich mit ihm zu freuen.

Aber bei aller Freude und Dankbarkeit über die positive geistliche Situation in der Philippergemeinde quälte Paulus dennoch ein Thema, über das er ihnen schon mehrfach geschrieben hatte. Und er konnte es nicht lassen, auch diesmal wieder davon zu reden. Er sieht nämlich eine große Gefahr, weshalb er ausruft: »Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch um so gewisser« (V.1).

Wir wollen meistens gerne etwas Neues hören. Aber es ist manchmal gut für uns, dieselbe Wahrheit immer und immer zu hören, sie uns einzuprägen, damit wir fest werden und vor Irrtum geschützt sind.

Die wahre Beschneidung

Was war es denn, was der Apostel immer wieder thematisierte? Es ging ihm um die Judenchristen, die zwar an Jesus glaubten, aber meinten, zur Errettung gehöre auch die Beschneidung. Vor diesen Leuten wollte Paulus die Philippergemeinde schützen. Darum wiederholte er sich in seinen Briefen und warnte immer wieder vor dieser Irrlehre. In Vers 2 wird er drastisch: »Habt acht auf die Hunde, habt acht auf die bösen Arbeiter, habt acht auf die Zerschneidung!«

»Hunde« nennt er sie und »böse Arbeiter«. Warum? Weil sie predigten, dass zur Erlösung noch religiöse Rituale gehörten. Darin sah Paulus eine Zerstörung des Evangeliums. Er konnte manches ertragen, aber wenn man anfing, Errettung auch nur teilweise auf der Grundlage von menschlichen Werken zu predigen, griff er zu starken Worten und nannte solche Lehrer »die Zerschneidung«. Sie rühmten sich der Beschneidung, aber Paulus nannte ihr Verhalten »Zerschneidung«. Sie zerschnitten nämlich die Gnade Gottes und zerrissen die Gemeinde, denn der unumstößliche Grundsatz des Evangeliums lautet: »Aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme« (Epheser 2,8-9).

Die Judaisten aber rühmten sich ihrer Werke und forderten die Beschneidung für die christliche Gemeinde. Paulus stand dem entschieden entgegen, indem er erklärte: »Ein solcher Glaube zerschneidet das Evangelium. Darum hütet euch vor dieser Lehre!« »Denn«, so fährt er im Brief an die Philipper fort, »wir sind die Beschneidung, die wir Gott im Geist dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen« (V.3).

Die Beschneidung war im alten Israel das äußere Bundeszeichen, das das Volk beständig an seine Verpflichtungen Gott gegenüber erinnerte. Es war ein Ausdruck davon, dass wir aufgrund unserer sündhaften Natur Reinigung vor Gott brauchen. Aber schon im Alten Testament mahnt Gott an, dass die äußere Beschneidung an der Vorhaut nicht das Entscheidende ist. Wahre Reinigung geschieht nicht am Fleisch, sondern sie muss im Geist geschehen. Darum heißt es schon in 5. Mose 10,16: »So beschneidet nun eure Herzen und seid hinfort nicht halsstarrig.« Und bei Jeremia lesen wir: »Beschneidet euch für den Herrn und tut weg die Vorhaut eures Herzens, ihr Männer von Juda und ihr Leute von Jerusalem, auf dass nicht um eurer Bosheit willen mein Grimm ausfahre wie Feuer und brenne, so dass niemand löschen kann« (Jeremia 4,4).

Ihre äußere Beschneidung rettete sie also schon damals nicht vor dem Zorn Gottes. Dazu war eine andere Beschneidung nötig, von der Paulus im Römerbrief atemberaubend schreibt:

»Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach« (Römer 2,28-29).

Nach der Lesart des Paulus sind nicht diejenigen Juden, die äußerlich beschnitten sind, sondern die, die es innerlich sind. Und das sind alle die, die aus Gnade von neuem geboren sind, die sich nicht auf äußere Handlungen verlassen, sondern die innerlich gereinigt sind und Gott aus der Tiefe ihrer Herzen, in ihrem Geist dienen und ihren Ruhm nicht in äußeren Zeichen, sondern allein in Jesus Christus finden.

Warum hat Gott denn dann den Juden dieses äußere Zeichen der Beschneidung gegeben? Weil Er ihnen und uns nachhaltig demonstrieren wollte, dass Zeremonien zwar etwas andeuten, aber nichts bewirken und wir deshalb davon für immer lassen sollten. Auch Freikirchler sollten diese Gefahren sehen. Wir werden nicht durch das Wasser der Taufe gerettet, nicht durch Brot und Wein beim Abendmahl, nicht durch das Öl, mit dem wir nach Jakobus 5 Kranke salben – auch nicht, wenn es aus Israel kommt.

Nicht durch religiöse Rituale, sondern allein aus dem Glauben an Jesus Christus werden wir gerettet. Darum behauptet Paulus mit großer Kühnheit: „Wir sind die Beschneidung.“ Seine Predigt war Errettung allein aus Gnade, allein aus Glauben. Und jedem, der diesem reinen und heiligen Evangelium irgendeine eine verdienstvolle menschliche Mitwirkung untermischen wollte, dem widersetzte er sich mit äußerster Entschiedenheit.

Hat dies etwas mit uns zu tun? Natürlich! Denn auch heute will der Mensch immer etwas zum Rühmen haben. »Edel sei der Mensch, hilfreich und gut«, dichtete Goethe. Also sind wir edel, und Gott wird schon mit uns zufrieden sein. Wir bringen Ihm unsere Vorzüge und heben hervor, dass wir niemandem etwas schuldig sind. »Wären alle so wie ich«, meint so mancher, »könnte Gott sich wirklich glücklich schätzen. Natürlich war ich auch fleißig und habe es zu etwas gebracht, ich habe meine Steuern gezahlt und zudem reichlich für mildtätige Zwecke gespendet.«

In einer Talkshow, in der es auch um die Frage der Buße ging, sagte kürzlich ein Prominenter zum andern: »Wo sündigen wir denn noch?« Nein, wir sündigen nicht mehr. Wir sind gegen
Krieg und Atomkraft, gegen Rassismus und Frauendiskriminierung, wir sind human, zivilisiert und sozial gerecht, wir sind getauft und feiern Weihnachten und Ostern, wir haben christliche Wurzeln und sind anständige Menschen, ja wir sind beschnitten. Was kann Gott noch mehr von uns verlangen? Wir glauben irgendwie noch an Christliches, aber wir glauben auch an uns selbst, an unsere guten Werke, an unseren guten Willen und gute Erziehung.

Was mir Gewinn war

Kürzlich sagte eine Frau zu mir: »Von Jugend auf bin ich christlich erzogen und habe mich mein Leben lang daran gehalten. Das wird Gott doch gewiss honorieren!« Was hätte Paulus dieser Frau geantwortet? Wir haben es hier schriftlich: »Wenn jemand meint, er könne sich auf Fleisch verlassen, so könnte ich es viel mehr, der ich am achten Tag beschnitten bin, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer, nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen« (V.4-6).

Paulus hatte Edles vorzuweisen: Als Kind jüdisch erzogen, am achten Tag beschnitten, mütterlicher- und väterlicherseits ein Jude, dann noch ein hoher Gelehrter in Israel, ein Pharisäer, dazu ein guter Kämpfer gegen christlichen Fundamentalismus und Fanatismus, aber zugleich alle jüdischen Vorschriften vorbildlich einhaltend. Paulus, das wird reichen, damit kommst du in den Himmel. So viel wie du hat kein anderer vorzuweisen!

Und tatsächlich hielt Saulus, wie anfangs sein Name war, dies alles für ausreichend. Er hielt es wörtlich »für Gewinn« (Vers 7). Er war stolz darauf und war sich sicher, dass Gott auch stolz auf ihn sein müsste. Aber eines Tages auf dem Weg nach Damaskus wurde seine Karawane jählings gestoppt – nicht von der Polizei, sondern Jesus Christus selbst zeigte ihm die rote Kelle. Ein helles Licht umleuchtete den Anführer Saulus, sodass er geblendet zu Boden fiel. Eine Stimme rief: »Saul, Saul, was verfolgst du mich?« (Apostelgeschichte 9,4). Im wahrsten Sinn des Wortes niedergeschmettert fragte der eben noch so große Theologe: »Herr, wer bist du?« Die Antwort war: »Ich bin Jesus, den du verfolgst!« (V.5).

Das war für den Apostel die Wende in seinem Leben. In Seiner souveränen und freien Art riss Christus sich einen Mann heraus, der nicht wollte. Aber Gott war stärker, Er beschnitt sein Herz, und schon war er willig. Wir wissen, dass Gott den Paulus eine lange Zeit in die Einsamkeit führte und ihm in aller Stille erklärte, was eigentlich mit ihm vorgegangen war und was Er mit ihm vorhatte.

Paulus hatte eine Offenbarung Christi erlebt und war überwältigt. Das kleidete er in seinem Brief an die Philipper in die Worte: »Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne« (V.7-8).

Als er Christus gesehen, als er Sein Heil erkannt hatte und Seine Gnade und Gerechtigkeit, da wollte er von allem anderen nichts mehr wissen. Die Offenbarung Christi war für ihn eine so überschwängliche Erkenntnis, dass er das Vorige alles für Schaden hielt, ja sogar für Dreck. Was ihm zuvor so wichtig gewesen war – nämlich Jude zu sein und Schriftgelehrter, am Fleisch beschnitten und eine moralische Instanz – war hohl und wertlos für ihn geworden im Gegensatz zur alles übersteigenden Erkenntnis Christi. Als er den Heiland erlebt hatte, verlor alles andere seinen Glanz, als er Jesu Liebe sah und die Bedeutung Seines Kreuzestodes und Seiner rettenden Gnade verstand, da war alles, wonach Menschen so trachten, für ihn nur noch Müll. Von da an wollte er nur noch eins, nämlich Christus gewinnen!

Es ging ihm wie dem Menschen, der unerwartet einen verborgenen Schatz in einem Stück Land gefunden hatte, von dem Jesus weiter erzählt: »Und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker« (Matthäus 13,44). Paulus war auch dem Kaufmann ähnlich, der schöne Perlen suchte: »Als er aber eine ganz kostbare Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie« (Matthäus 13,46).

Der Schatz ist Jesus. Und die kostbare Perle ist auch Jesus. Wenn du Ihn gefunden hast, verkaufst du alles, was du vorher besessen hast. Du gibst es alles hin, um den Einen dein eigen zu nennen. Deine Herkunft, deine Selbstgerechtigkeit, dein Stolz, deine Leistungen, deine guten Werke, deine Almosen, deine Gebetsrituale, deine Kerzen und Kruzifixe, deine Pilgerfahrten, Kreuz- und Jakobswege, deine Gewänder, Meditationen und Askese – so gut und ernst, wie alles gemeint ist, taugt es doch nicht vor Gott. Darum lass es alles fahren, wie Paulus es tat und schrieb: »Damit ich in ihm (Christus) erfunden werde, indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens« (V.9).

Darum entscheide: Willst du äußere Religion oder Christus? Willst du dein Vertrauen auf Fleisch setzen oder auf den Sohn Gottes, durch den allein du gerettet werden kannst? Willst du durch Werke selig werden oder durch Gnade? Beides geht nicht. Wer beides will, der zerschneidet, der zerstört das Evangelium des Glaubens. Darum suche nicht länger Symbole, Rituale, Zeremonien und Traditionen, sondern suche die Wirklichkeit, die Beschneidung des Herzens, die überschwängliche Erkenntnis Christi, damit du Ihn und nur Ihn gewinnst zum ewigen Leben. In Jesu Namen! Amen.

© Herold-Schriftenmission, Herold November 2012

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Pastor Wolfgang Wegert, http://www.arche-gemeinde.de

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Artikel, Gesetz & Evangelium

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