Gott ist sehr an unserem Ehe- und Familienleben interessiert ist und möchte, dass wir in gelingenden Beziehungen leben. Deshalb nimmt die Bibel im Blick auf diese Thematik auch kein Blatt vor den Mund und zeigt uns sowohl die Schatten- wie auch die Sonnenseiten des Ehe- und Familienlebens. Wir sollen aus den Versäumnissen und den Vorbildern, die uns die Bibel
schildert, für unser persönliches Leben lernen, wie unsere Beziehungen zur Ehre Gottes gelebt werden können.

In der Bibel finden wir ein Ehepaar, dessen Ehe eine ungewöhnliche, wenn nicht einmalige Geschichte ist. Und doch können wir eine ganze Menge daraus lernen.

Wir schreiben etwa das Jahr 760 vor Christi Geburt. Jerobeam II. saß auf dem Thron des Nordreichs Israel. Seine militärischen Erfolge hatten Israels Grenzen so erweitert, wie seit den Tagen Salomos nicht mehr. Gelder von tributpflichtigen unterworfenen Nationen flossen in die Staatskasse der Hauptstadt von Samaria, und das Volk Israel genoss eine Zeit beispiellosen Wohlstands. Wie es oft der Fall ist, kam mit dem materiellen Aufschwung eine Welle moralischen und geistlichen Zerfalls. Säkularisierung und Materialismus erfassten die Herzen des Volks und die Sünde nahm überhand. Die Aufzählung im Buch Hosea liest sich wie eine Liste aus unserer Zeit: »Als es euch immer besser ging, wurdet ihr satt und überheblich, und vergaßt mich« (Hosea 13,6). »Hört das Wort des Herrn, ihr Israeliten! Der Herr erhebt Anklage gegen die Bewohner des Landes, denn nirgends gibt es noch Treue und Liebe, niemand kennt Gott und seinen Willen. Nein, Fluch und Lüge, Mord und Diebstahl und Ehebruch machen sich breit. Ein Verbrechen reiht sich ans andere« (Hosea 4,1-2). Doch das, was das Herz Gottes mehr als alles andere verletzte, war der Götzendienst: »Mein Volk holt sich Rat bei seinen Götzenbildern aus Holz, seine Orakelstäbe sollen ihm Auskunft geben. Es lässt sich vom Geist der Hurerei verführen und in die Irre locken. Treulos wenden sich alle von mir ab, von ihrem Gott, dem sie doch gehören« (Hosea 4,12). Die goldenen Kälber, die Jerobeam I. etwa 150 Jahre früher errichtet hatte, öffneten die Schleusen für den kanaanitischen Götzendienst, mit seinen Orgien, religiöser Prostitution und sogar Menschenopfern.

Da der Herr Israel als seine Ehefrau ansah, bezeichnete er ihre Götzenverehrung als geistlichen Ehebruch. Das Alte Testament spricht häufig von Israel, das Unzucht treibt oder von der Hure, die sich mit anderen Göttern einlässt (vgl. 5. Mose 31,16; Richter 2,17). Jahwe sagte Israel von Anfang an, dass er nicht bereit war, es mit anderen zu teilen: »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir«, war das erste der zehn großen Gebote (2.Mose 20,3). Aber sie hatten sein Gebot beharrlich ignoriert, und zur Zeit Jerobeams II. war die Situation auf ihrem Tiefpunkt. Gott war entschlossen, zu handeln, aber nicht, ohne sein Volk vorher zu warnen. Und so erwählte er sich zunächst einen Propheten namens Amos. Der ehemalige Viehzüchter aus dem Dorf Tekoa verkündigte vollmächtig Gottes Warnung vor dem kommenden Gericht – aber die Nation schenkte ihm nur wenig Beachtung, tat ihn als unangenehmen Zeitgenossen ab. Deshalb sprach Gott erneut, nun durch den Propheten Hosea. Hoseas Name bedeutet: »Jahwe ist Errettung« und zeigt die Zielrichtung von Gottes Handeln.

1. Hoseas unglaubliche Eheschließung

Das erste, was Gott zu Hosea sagte, berichtet uns von einem merkwürdigen Auftrag: »Heirate eine Hure und zeuge Hurenkinder! Denn das ganze Land ist mir untreu geworden und
läuft wie eine Hure fremden Göttern nach« (Hosea 1,2). Die Umstände der Heirat Hoseas haben schon zu vielen Diskussionen geführt. Manche Ausleger glauben, dass diese Ehe nur symbolisch zu verstehen sei. Auf diese Weise möchte man der angeblich moralischen Schwierigkeit aus dem Weg gehen, dass ein heiliger Gott seinem Diener befiehlt, eine Frau zu heiraten, die sich als untreu erweist. Aber der Bericht in Hosea ist durch und durch Erzählung, kein Sinnbild.

Die Ausleger, die von einer buchstäblichen Ehe ausgehen, sind sich nicht einig darüber, welche Stellung Gomer vor ihrer Ehe hatte. Stammte sie aus dem Rotlichtmilieu? Ich denke nicht. Wir können über Gomer vor ihrer Eheschließung nichts aussagen. Der ganze Zusammenhang redet ja von der Untreue Gomers als Frau des Hosea. Denken wir daran, auch Gottes Volk war dem Herrn ja am Anfang ihrer Beziehung treu und ging erst später eigene Wege. Der Befehl des Herrn ist deshalb wohl eher so zu verstehen, dass Gott hier sagt: »Geh und nimm dir eine Frau, die sich später als untreu erweisen wird, und habe mit ihr Kinder der Untreue.«

Wie auch immer, es ist offensichtlich, dass diese Frau stark von der moralischen Laxheit ihrer Gesellschaft beeinflusst war. Und Gott hatte die Absicht, die persönliche Beziehung des Propheten mit Gomer zu gebrauchen, um einen eindrucksvollen Anschauungsunterricht seiner eigenen Beziehung zu seinem treulosen Volk Israel zu geben. Wie Gomers Vergangenheit auch aussah, es muss doch eine Hinwendung zu dem lebendigen Gott gegeben haben. Vielleicht war sie durch das Zeugnis von Hosea zum Glauben gekommen, und er empfand in seinem Herzen eine tiefe und selbstlose Liebe zu ihr. Da befahl Gott ihm, sie als seine Frau zu nehmen. Und so wurde Gomer die Ehefrau des angehenden jungen Verkündigers.

Die Liebe ihrer jungen Ehe war sicher noch ungetrübt. Und Gott segnete ihre Beziehung mit einem Sohn. Wie sehr wird sich Hosea gefreut haben. Er war überzeugt, dass seine Ehe durch diesen Kleinen noch glücklicher werden würde. Gott suchte für das Baby den Namen aus, denn dieser Name sollte eine prophetische Bedeutung für die Nation haben. Gott befahl, ihn Jesreel zu nennen, weil König Jerobeams Urgroßvater Jehu bei dem Ort Jesreel durch ein grausames Massaker an die Macht gekommen war. Auch wenn seine Dynastie im Augenblick noch florierte, zeichnete sich seine Vernichtung schon am Horizont ab und diese würde im Tal von Jesreel stattfinden (vgl. Hosea 1,4-5).

2. Eine Veränderung tritt ein

Nach der Geburt von Jesreel scheint Hosea eine Veränderung bei Gomer bemerkt zu haben. Sie wurde rastlos und unglücklich, wie ein Vogel im Käfig. Er predigte weiterhin, ermunterte das widerspenstige Volk dazu, sich von seiner Sünde abzuwenden und Gott zu vertrauen. »Kehrt um zu dem Herrn, eurem Gott!«, war das Thema seiner Botschaften (vgl. Hosea 6,1; 14,2). Aber Gomer schien sich immer weniger für seinen Dienst zu interessieren. Ja, es sieht so aus, als habe sie sich über Hoseas Predigtdienst mehr und mehr geärgert. Vielleicht warf sie Hosea sogar vor, er beschäftige sich mehr mit seinen Predigten, als mit ihr. Sie wandte sich anderen Interessen zu und verbrachte immer mehr Zeit außer Haus.

Die Gefahr ist groß, wenn ein Ehepaar wenig gemeinsame Interessen hat. Dann macht er sein Ding und sie das ihre. Jeder hat seinen eigenen Freundeskreis, und es gibt wenig Schnittpunkte, um ihre beiden Welten zusammenzubringen. Dass der Ehemann sich hauptsächlich mit seiner Arbeit beschäftigt, kann ein entscheidender Faktor sein, der zum Auseinanderdriften beiträgt. Oder es mag sein, dass sich die Ehefrau immer mehr von Zuhause abkoppelt, sich bloß noch mit anderen trifft – und ihr Mann fühlt sich, vielleicht zu Recht, vernachlässigt. Möglicherweise entwickelt sich auch bei einem der Ehepartner unmerklich ein Desinteresse am Herrn und seiner Sache. Es scheint zunächst nichts Nennenswertes zu sein, aber gerade das bereitet den Boden für eine große Katastrophe. Hier gilt es, erste Signale der Entfremdung zu erkennen! Ein Ehepaar muss Dinge gemeinsam tun – und wenn es nur das gemeinsame Einkaufen ist – und beide müssen am Leben und den Aktivitäten des anderen aktiv Anteil nehmen. In dieser biblischen Geschichte liegt, so weit wir sehen, die Schuld vor allem bei Gomer und nicht bei Hosea. Sie teilte nicht die Liebe ihres Partners zu Gott. Das führt uns zum nächsten Punkt:

3. Hoseas unerträgliche seelische Not

Die Bibel sagt uns nicht genau, was geschah, aber das, was sie sagt, lässt uns eine fortschreitende Entwicklung erkennen, die dann zu einer Tragödie führte. Gomer blieb offensichtlich immer häufiger und immer länger von Zuhause weg. Und Hosea bekam schon bald Zweifel an ihrer Treue. Tagsüber tat er schweren Herzens seinen Verkündigungsdienst. Nachts lag er wach und kämpfte mit seinen Ängsten. Sein Verdacht verfestigte sich, als Gomer erneut schwanger wurde. Diesmal war es ein Mädchen, und Hosea war sich nicht sicher, ob das Kind von ihm war. Tatsächlich steht nur vom ersten Kind ausdrücklich in der Bibel, dass Gomer Hosea einen Sohn gebar. Nun heißt es: »Gomer wurde zum zweiten Mal schwanger und gebar eine Tochter« (Hosea 1,6). Wir wissen nicht, ob ein anderer der Vater ist, doch gerade der Name, den Hosea dem Mädchen geben soll, lässt Hoseas Unsicherheit deutlich werden. Nach Gottes Weisung nannte er sie »Lo-Ruhama«, und das bedeutet, »Kein Erbarmen« oder »Sie hat kein Mitleid erhalten«. Wieder war der Name zugleich ein Symbol für Israel, das die Liebe Gottes zurückwies und dafür bald die gerechte Strafe erleben würde. Natürlich konnte das Bewusstsein der geistlichen Bedeutung des Geschehens den Schmerz des Propheten nicht lindern. Hosea litt, wie auch Gott an der Untreue seines Volkes leidet.

Kaum war die kleine Lo-Ruhama entwöhnt, wurde Gomer wieder schwanger – ein Junge. Gott sagte, Hosea solle ihn »Lo-Ammi« nennen, was bedeutet »Nicht mein Volk« oder »Kein Verwandter von mir«. Es symbolisiert Israels Abfall von Jahwe, aber es offenbart auch Gomers sündige Seitensprünge (vgl. Hosea 1,8-9).

Auch wenn man dann im zweiten Kapitel des Buches Hosea in erster Linie von Gottes Beziehung zu seiner treulosen Ehefrau Israel liest, wird man das Gefühl nicht los, dass Hoseas Beziehung zu Gomer immer wieder hindurchscheint. Es ist eine traurige, scheinbar aussichtslose Geschichte. Hosea kämpft um sie, bittet sie umzukehren: »Sie soll alles wegtun, was daran erinnert, dass sie Ehebruch getrieben hat« (Hosea 2,4b). Er droht damit, sie zu enterben (vgl. Hosea 2,5). Trotz allem brennt Gomer mit ihren Liebhabern durch, weil diese ihr Erfüllung und Glück versprechen (vgl. Hosea 2,7). Er versucht, sie zur Besinnung zu bringen (vgl. Hosea 2,8-9), aber sie ist nicht bereit, ihr egoistisches Leben aufzugeben (vgl. Hosea 2,10). Hosea will ihr dennoch vergeben, sie zurückgewinnen, möchte, dass sie es noch einmal miteinander versuchen. Vergeblich, es hielt nie lange an, schon bald war sie wieder weg mit einem neuen Liebhaber.

Dann kam es zum endgültigen Schlag. Vielleicht hatte Gomer eine Notiz hinterlassen, vielleicht kam die Nachricht durch einen Freund. Jedenfalls scheint sie Hosea übermittelt zu haben: »Ich verlasse dich für immer. Ich habe meine wahre Liebe gefunden. Ich werde nie mehr zurückkommen.« Wie sehr muss Hosea gelitten haben! Er liebte sie wirklich und trauerte um sie, als sei sie gestorben. Hosea litt darunter, dass sie ein Leben wählte, das sie mit Sicherheit ruinieren würde. Seine Freunde sagten wahrscheinlich: »Sei froh, Hosea, dass du sie los bist. Jetzt kannst du endlich ein neues Leben beginnen.« Und es ist tatsächlich so, Hosea hätte mit gutem Recht und mit der Bibel auf seiner Seite, diese Ehe beenden und ein neues Leben beginnen können. Aber Hosea empfand ganz anders. Er wünscht sich, dass Gomer zu ihm zurückkehrt.

4. Hoseas unendliche Liebe

Wir können hier der Botschaft seiner unsterblichen Liebe nicht entgehen. Hosea wollte, dass Gomer wieder zurechtkam; er wollte sie an seiner Seite haben, als seine treue Ehefrau. Und er glaubte, dass Gott mächtig genug war, dies zu tun.

Eines Tages erzählten sich die Leute hämisch, dass Gomer von ihren Liebhabern in die Wüste geschickt worden sei – und dieser Klatsch kam Hosea zu Ohren. Und sie war wirklich am Ende – auf dem Sklavenmarkt stand sie zum Verkauf. Würde Hosea nun einen Schlussstrich ziehen? Verdient hätte sie es. Doch dann ermutigt Gott ihn und sprach: »Geh noch einmal und liebe eine Frau, die von ihrem Mann geliebt wird und doch im Ehebruch lebt! Denn genauso liebe ich, der Herr, die Israeliten, obwohl sie sich anderen Göttern zuwenden« (Hosea 3,1).

Hosea liebte Gomer also immer noch, obwohl sie eine unverbesserliche Ehebrecherin war. Gott sah das und ermutigte Hosea, sie zu suchen, um ihr seine Liebe zu beweisen. Wie kann jemand nur so sehr lieben? Die Antwort finden wir in Gottes Aufforderung an Hosea: »Denn genauso liebe ich, der Herr.« Nur jemand, der die Liebe und Vergebung Gottes kennt, kann so aufrichtig lieben. Und nur wer Gottes liebevolle Vergebung erfahren hat, kann die Aufforderung der Bibel an gläubige Ehemänner befolgen: »Liebt eure Frauen! Liebt sie so, wie Christus die Gemeinde geliebt hat: Er hat sein Leben für sie hingegeben« (Epheser 5,25). Und Hosea ist ein – zugegeben, außergewöhnliches – biblisches Beispiel dieser Art der Liebe.

So fing Hosea an, sie zu suchen, getrieben von dieser unverwüstlichen göttlichen Liebe – der Liebe, von der es im 1. Korintherbrief heißt: »Sie gibt niemals jemanden auf, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand. Die Liebe vergeht niemals« (1. Korinther 13,7-8). Und er fand sie – innerlich wie äußerlich zerlumpt und zerrissen, enttäuscht und mittellos, angeboten zum Verkauf auf einem schmutzigen Sklavenmarkt. Sie war nur noch ein Schatten der Frau, die sie einmal war. Wir fragen uns, wie jemand diese Frau noch lieben konnte. Aber Hosea befreite sie aus ihrer Sklaverei, er zahlte für sie 15 Silberstücke und 250 Kilo Gerste (vgl. Hosea 3,2). Dann sagte er zu ihr: »Du wirst nun für immer bei mir bleiben. Du sollst dich mit keinem anderen Mann mehr einlassen; ebenso will auch ich mich dir gegenüber verhalten« (Hosea 3,3). Er kaufte sie tatsächlich frei, brachte sie nach Hause, und nahm sie wieder als seine Frau an. Und weil wir in der Bibel nichts Gegenteiliges über ihre Beziehung finden, können wir annehmen, dass Gott Hoseas versöhnende Liebe dazu benutzte, Gomers Herz zu gewinnen und ihr Leben zu ändern.

5. Lieben und verzeihen?

Wie oft sollten Ehepartner einander vergeben? Einige sind der Meinung: »Wenn ich meinem Partner einfach so vergebe, bestärke ich ihn doch nur in seinem falschen Verhalten.« Andere denken: »Wenn ich meinem Partner immer wieder vergebe, bildet er sich ein, er könnte mit allem durchkommen.« Oder man meint: »Ich kann nicht noch einmal so eine Verletzung ertragen. Wenn er so etwas wieder tut, werde ich ihn verlassen.«

Sicher gibt es Grenzfälle, wo es keinen anderen Ausweg mehr gibt. Die Bibel sagt nicht, dass man unter allen Umständen in unerträglichen Situationen leben muss. Doch zeigt sie uns auch Wege aus aussichtslosen Lagen. Wir dürfen, gerade auch in unseren Ehen, nicht sofort die Flinte ins Korn werfen. Und wenn wir die angeführten Argumente betrachten, dann merken wir, dass dies rein menschliche Reaktionen sind. Achten wir darauf, was der Herr Jesus uns sagt. Petrus hatte auch mit dem Problem des Verzeihens zu kämpfen und er fragt Jesus: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er immer wieder gegen mich sündigt? Siebenmal?« »Nein«, gab Jesus ihm zur Antwort, »nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.« (Matthäus 18,21‑22). Das ist eine ganze Menge Vergebung! Eigentlich sagt Christus hier in seiner eindrücklichen Art, dass es für Vergebung kein Limit gibt.

5.1. Vergeben im Kleinen …

Manchmal sind es nur die kleinen alltäglichen Zusammenstöße, die unsere Vergebung verlangen – ein verletzendes Wort oder die Kleider, die auf dem Boden herumliegen, die berühmte Zahnpastatube ohne Verschluss oder auch der offene Toilettendeckel. Aber wie schnell nagen diese Kleinigkeiten an uns, es kommt zu Verbitterung und Groll, die unsere Beziehung unterhöhlen.

5.2. … wie im Großen

Vielleicht ist es aber auch eine ganz schlimme Sache, so wie bei Gomer, und wir können sie nicht vergessen. Wir wollen damit fertig werden und schaffen es doch nicht. Immer wieder ertappen wir uns dabei, wie wir versuchen, unserem Partner die erlittene Verletzung heimzuzahlen. Wir möchten ja vergeben, aber einige Tage später steht die Sache uns schon wieder vor Augen. Bei großen Wunden dauert es oft lange, bis sie verheilen. Sie reißen immer wieder auf und bereiten uns Schmerzen, scheinbar gibt es keine Heilung. Aber jedes Mal wenn das geschieht, muss ich mich zunächst fragen, ob ich wirklich vergeben habe, dann muss ich mir bewusstmachen, wie viel Gott mir schon vergeben hat, und schließlich darf ich Gott bitten, mich von den destruktiven, nachtragenden Gedanken zu befreien.

5.3. Vergebung heißt nicht, alles schweigend zu ertragen

Vergebung bedeutet nicht zwangsläufig, dass wir alles schweigend ertragen müssen. In unserer Ehe ist das offene und ehrliche Gespräch das A und O einer gelingenden Beziehung. Deshalb müssen wir einander auch sagen, was wir denken und wie wir uns fühlen. Wir dürfen nicht einfach voraussetzen, dass der andere weiß, was er getan hat und wie es mir geht. Wir müssen unserem Partner sagen, wo er uns Unrecht getan hat und wie sehr er uns verletzt hat – der andere muss sich seiner Schuld ja auch bewusst werden. Und wir müssen unserem Partner den Weg zeigen, wie er uns dabei helfen kann, darüber hinwegzukommen. Selbst Gott verschweigt uns nicht, wie sehr ihn unsere Sünde verletzt. So lesen wir in der Bibel, dass Gott sagt: »Du hast mir zu schaffen gemacht mit deinen Sünden und mich mit deinen Missetaten belastet!« (Jesaja 43,24). Wenn wir die Dinge aber ansprechen, dann müssen wir sie uns liebevoll und freundlich sagen, nicht verletzend und vorwurfsvoll.

5.4. Vergebung heißt nicht, alles beim Alten zu lassen

Gewährte oder empfangene Vergebung darf uns nicht dazu verführen, dass wir die Hände in den Schoß legen. Wir dürfen nicht denken, mit der Vergebung sei alles erledigt; damit fängt es oft erst an. Wir müssen positive Schritte unternehmen und Vorkehrungen treffen, damit diese konkrete Sünde nicht wieder vorkommt. Da kann es hilfreich sein, dass man eine neutrale Person seines Vertrauens um Vermittlung bittet. Vielleicht ist es an der Zeit, dass jeder sich zunächst einmal hinsetzt und eine ehrliche Neubewertung seiner Persönlichkeit oder Gewohnheitsmuster vornimmt – keiner von uns ist ja schon fertig. Könnte es sein, dass eine Änderung unseres Verhaltens, ein Ablegen liebgewordener Gewohnheiten, ein neuer Lebensstil angesagt sind? Wir sind nicht dazu da, uns gegenseitig zu erziehen, aber wir können gemeinsam über Schritte nachdenken, die uns helfen, in Zukunft die gleichen Fehler zu vermeiden. Und Gott ist bereit, uns bei diesen positiven Schritten zu helfen, denn Er möchte ja, dass wir ein erfülltes Leben führen, das Ihm gefällt.

5.5. Vergebung heißt, Schuld nicht anzurechnen

Vergebung bedeutet, dass wir dem anderen seine Schuld nicht nachtragen, um sie bei passender Gelegenheit wieder aufzutischen. Wir werden auch nicht versuchen, dem Schuldigen seine Sünde in irgendeiner Form heimzuzahlen. Wir sprechen ihn von aller Schuld frei. Und Gott kann diese vergebende Liebe gebrauchen, um einen unzugänglichen und herzlosen Menschen schneller zu erreichen, als alles andere. Das ist die Lektion von Hosea und Gomer, die Lektion der Vergebung. Gottes Liebe und Vergebung durchzieht die ganze Prophetie Hoseas. Bitte, missversteht mich nicht. Gott hasst die Sünde; sie verletzt sein Herz; Er kann sie nicht stillschweigend übergehen; seine vollkommene Gerechtigkeit verlangt, dass Er sie verurteilt und bestraft. Dennoch liebt Er den Sünder, geht ihm nach und bietet ihm seine Vergebung an. Aus diesem Grund sandte Er seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt, dafür starb der Unschuldige am Kreuz – Er zahlte für meine Schuld, damit ich vor Gott schuldlos bin. Deshalb finden wir in der Bibel die frohe Botschaft: »Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verlorengeht« (Johannes 3,16).

6. Abschließende Gedanken

Gottes alttestamentliches Volk Israel fiel immer wieder in sein sündiges Verhalten zurück. Und was tut Gott? Er klagt: »Was soll ich nur mit dir tun, Israel, und was mit dir, Juda? Eure Treue zu mir ist so flüchtig wie ein Morgennebel, sie vergeht so rasch wie der Tau vor der Sonne« (Hosea 6,4). Spüren wir die Liebe? Ja, Gott hat nie aufgehört, sein Volk zu lieben, er sagt: »Als Israel noch jung war, gewann ich es lieb. Aus Ägypten rief ich es, wie ein Vater seinen Sohn« (Hosea 11,1). »Mit Seilen der Liebe zog ich sie heran« (Hosea 11,4). »Wie könnte ich dich aufgeben, Israel? Wie könnte ich dich im Stich lassen?« (Hosea 11,8). Und weil Gott sein Volk aufrichtig liebt, lässt Er es auch nicht einfach ins Verderben laufen: »Kehre um zu dem Herrn deinem Gott! Denn durch deine eigene Schuld bist du zu Fall gekommen« (Hosea 14,2).

So soll auch unsere Liebe sein. Genauso sollen wir vergeben. Wir müssen die Verletzungen, die man uns zugefügt hat und die unser Herz belasten, zu Christus bringen – dorthin, wo wir unsere eigene Sündenlast ablegten und wo wir Gottes liebevolle Vergebung fanden – und wir müssen sie dort auch zurücklassen. Wenn wir einander aufrichtig vergeben, werden wir befreit von Bitterkeit und Groll, die eine Mauer zwischen uns aufgerichtet haben, und wir werden befähigt, unsere Beziehung wieder neu aufzubauen. Deshalb wollen wir es zu unserem Ehemotto machen:

»Lieben statt siegen!«

© Herold-Schriftenmission, Herold Oktober 2012

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  1. Wie gerne würde ich meinem Mann noch alles vergeben können. Mein Mann ist jetzt beim Herrn und ich warte darauf ihm zu folgen. Aber es gibt ja nicht nur Ehepartner. Auch alle anderen Menschen mit denen wir es zu tun haben, müssen wir vergeben. Das ist nicht immer leicht, aber der Herr hat es auch nicht leicht mit mir. Wie oft widerstehe ich IHM und bin Wiederspenstig. Ich bitte immer wieder um Vergebung und genau so oft muß ich anderen vergeben.

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Artikel, Ehe und Familie, Evangelium

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