»Wo bleibt die Verheißung seines Kommens?« (2. Petrus 3,4a)

Im zweiten Kapitel seines zweiten Briefes geht Petrus ausführlich auf das Fehlverhalten der Irrlehrer ein, die schon in der damaligen Zeit Eingang in der Gemeinde Jesu fanden. Mit ihren Mündern behaupteten sie, Jesus Christus sei ihr Herr, der sie mit seinem Blut erkauft hätte, während ihr Lebenswandel offenbarte, dass dies nur das Bekenntnis ihrer Lippen, nicht aber das ihres Herzens war. Diese Irrlehrer förderten sexuelle Unmoral statt gottesfürchtiger Reinheit, sie lebten die Geldliebe und nicht die Nächstenliebe; und so war Petrus genötigt, die Gemeinde davor zu warnen, dass, wenn sie sich nicht von diesen Irrlehrern trennen und im Gehorsam dem Weg der Wahrheit folgen würden, sie einen gefährlichen Weg einschlagen, dessen Ende das Verderben bedeute. Diese Warnung gilt auch heute noch allen, die das Evangelium hören aber nicht bereit sind, sich und ihr Leben voll und ganz dem Herrn Jesus zu übergeben.

Im dritten Kapitel kommt Petrus zurück zu dem Thema des ersten Kapitels nämlich die teuren und großartigen Verheißungen Gottes an sein Volk, die dazu dienen, dass es durch sie Anteil bekommt an der göttlichen Natur (vgl. 2. Petrus 1,4). Gottes Verheißungen dienen uns dazu, dass wir unsere Hoffnung darauf setzen und somit die Kraft bekommen Versuchungen zu widerstehen und ein Leben in frommer Gerechtigkeit zu führen. Die Verse 13 und 14 des dritten Kapitels zeigen uns deutlich den Zusammenhang zwischen der Hoffnung auf die Erfüllung der göttlichen Verheißungen und der Kraft ein reines und tadelloses Leben zu führen: „Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Darum, Geliebte, weil ihr dies erwartet, so seid eifrig darum bemüht, dass ihr als unbefleckt und tadellos vor ihm erfunden werdet in Frieden!“ Die sichere Erwartung von Gottes neuer Welt, in der Gerechtigkeit wohnt, gibt uns die Kraft schon in dieser Welt ein Leben der Reinheit und des Friedens zu führen.

Die Verleugnung des zweiten Kommens

Damit aber die göttliche Verheißung auf das zweite Kommen Jesu und die mit ihm erscheinende neue Welt der Gerechtigkeit und Freude in uns Hoffnung und Kraft bewirken kann, müssen wir zuerst fest davon überzeugt sein, dass Gott diese Verheißung auch erfüllen wird. Doch genau in diese Gemeinden, an die Petrus schreibt, waren Irrlehrer eingedrungen die scheinbar nicht daran glaubten, dass Gott seine Verheißung erfüllen werde. Vielleicht waren es Irrlehrer wie Hymenäus und Philetus (vgl. 2. Timotheus 2,17-18), die lehrten, dass die Auferstehung der Gläubigen schon geschehen sei. Sie behaupteten damit, dass es in Zukunft keine körperliche Auferstehung sondern nur noch eine geistliche geben würde. Vielleicht führten sie dazu eine Stelle an wie die aus Kolosser 2,12: „Da ihr mit ihm begraben seid in der Taufe, seid ihr auch  In ihm mit auferweckt worden durch den Glauben“ und behaupteten, da wir schon geistlich mit Christus auferweckt sind, sei keine körperliche Auferstehung mehr nötig. Und so missbrauchten zur damaligen Zeit Irrlehrer die wunderbare Botschaft von der mächtigen Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, um die Sünden, die sie mit ihrem Körper begangen, zu entschuldigen. Auf diese Weise wurde sexuelle Unmoral auf theologische Weise gerechtfertigt, denn der Körper konnte nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, wenn es keine leibliche Auferstehung gäbe.

Petrus hatte zu Beginn seines Briefes schon jede Möglichkeit zur Verleugnung des zweiten Kommens Jesu entkräftet: „Denn wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch von der Macht und Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus erzählten, sondern wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen“ (1. Petrus 1,16). Hierbei spricht Petrus von dem Erlebnis auf dem Berg der Verklärung, als Jesus Christus sich seinen engsten Jüngern in seinem verherrlichten Leib schon vor seiner Auferstehung offenbarte und damit bekräftigte, dass er leibhaftig in seine ewige Herrlichkeit zurückkehren werde. Als Augenzeuge dieses Erlebnisses möchte Petrus unsere Hoffnung auf eine leibliche Auferstehung bekräftigen und wir sollten uns dies im Glauben wie eine hell leuchtende Lampe vor Augen halten, während wir in einer dunklen Welt auf die Erscheinung des hellen Morgensterns warten.

Petrus möchte, dass seine Geschwister sich in Erinnerung halten, was von den heiligen Propheten vorausgesagt wurde und was Jesus selbst ihnen durch die Apostel aufgetragen hatte (vgl. 2. Petrus 3,1-2). Mit den Voraussagen der heiligen Propheten meinte er solche wie von Maleachi: „Siehe, ich sende meinen Boten, der vor mir her den Weg bereiten soll; und plötzlich wird der Herr, den ihr sucht, zu seinem Tempel kommen und der Bote des Bundes, den ihr begehrt! Wer aber wird den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bestehen können, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer des Silberschmelzers und wie die Lauge der Wäscher“ (Maleachi 4,1-2). Und das, was Jesus durch die Propheten aufgetragen hatte sind Befehle wie: „Wacht, da ihr nicht wisst, in welcher Stunde euer Herr kommt“ (Matthäus 24,42).

Dann bringt Petrus wieder die Irrlehrer zur Sprache und bezeugt, dass sie und ihre Anwesenheit in der Gemeinde selbst Teil der erfüllten Prophetie sind. „Sie sagen: Wo ist die Verheißung seiner Wiederkunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so, wie es von Anfang der Schöpfung an gewesen ist“ (2. Petrus 3,4). Dieses Argument ist heute noch so aktuell wie es damals war. Man glaubt, die Natur und ihre Gesetze seien konstant und unveränderlich. Die Sonne geht morgens auf und abends unter, die Jahreszeiten kommen und gehen in ihrer gesetzten Reihenfolge, alles läuft seit tausenden von Jahren nach demselben Schema ab und so wird es auch in Zukunft bleiben. Genau dies ist die Meinung der Wissenschaft und leider auch vieler moderner Theologen und Gemeinden; und das zweite Kommen Jesu und die damit verbundenen Ereignisse, dass die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente sich vor Hitze auflösen und die Erde und alles darauf verbrennen wird, werden ignoriert und verlacht.

Gott gibt und hält sein Wort

Petrus begegnet diesem Irrglauben auf drei Weisen:

  1. In den Versen 5-7:

    „Sie übersehen aber absichtlich, dass es schon vorzeiten Himmel gab und eine Erde aus dem Wasser heraus entstanden ist und im Wasser nur bestehen kann durch Gottes Wort; und dass durch dieses Wasser die damalige Erde infolge einer Wasserflut zugrunde ging. Die jetzigen Himmel aber und die Erde werden durch dasselbe Wort aufbewahrt für das Feuer am Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen.“

    Die Irrlehrer vergessen, dass die Welt durch Gottes Wort entstand und durch dasselbe besteht. Wenn sie bereit wären diese Tatsache anzuerkennen, würden sie auch erkennen, dass alle natürlichen Ereignisse von Gott abhängig sind. Wenn Gott den Willen hat die alte Schöpfung durch eine neue zu ersetzen, dann steht es Ihm frei, dies auch zu tun. Wir müssen uns selbst immer wieder ermahnen, keine pseudo-wissenschaftlichen Meinungen zu übernehmen als wäre die Natur ein eigenständiges Wesen – denn das ist sie nicht! Die Natur ist einzig und allein eine Auswirkung des mächtigen Wortes Gottes. Wenn Er sein Wort gegen diese Welt richten wird, dann wird ihr Ende unweigerlich kommen.

  2. Eine zweite Tatsache, die von den Irrlehrern fehlgedeutet wird ist, dass die Dinge nie so blieben, wie sie von Anfang der Schöpfung an gewesen sind. Gott hatte schon einmal sein Gericht über die gesamte Schöpfung gebracht. Die Sintflut war ein eindeutiger Beweis dafür, dass Gott fähig ist, den Lauf der Weltgeschichte dramatisch zu verändern. In der Vergangenheit tat Er dies durch Wasser; in der Zukunft wird es durch Feuer geschehen. Wären die Irrlehrer nicht so sehr in ihren eigenen Begierden gefangen, dann würden sie erkennen wie lächerlich die Vorstellung ist, alles müsse so bleiben wie es seit Beginn der Schöpfung gewesen sei.

Ein Tag ist wie tausend Jahre

Ein weiteres Argument, das Petrus gegen die Irrlehrer anführt finden wir in Vers 8: „Das eine aber sollt ihr nicht übersehen, meine Lieben, dass ein Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag!“ Die Irrlehrer glaubten, weil Christus so lange auf sich warten lasse, würde Er bestimmt nicht wiederkommen. Doch Petrus macht deutlich, dass Gottes Zeitmaßstäbe sich von unseren deutlich unterscheiden. Ich halte es nicht für einen biblischen Gedanken, dass Gott völlig ohne Zeit lebt aber Er ist ewig, Er altert nicht und vergisst niemals; Er überblickt die ganze Menschheitsgeschichte und daher glaube ich, dass Er den Faktor Zeit anders wahrnimmt als wir es tun. Und doch gibt es einige Faktoren, die uns die Zeit aus Gottes Perspektive erleben lassen: Je älter ein Mensch wird, umso schneller scheint die Zeit zu vergehen. Immer wieder hört man ältere Menschen sagen: Wie schnell doch die Zeit vergeht. Die Kinder sind so groß geworden … mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen.

Doch nicht nur im Alter nehmen wir die Zeit schneller wahr, auch Freude lässt in uns den Eindruck entstehen als fliege die Zeit nur so dahin. Ein Tag voller Langeweile scheint endlos, während eine Woche Urlaub im Rückblick wie wenige Stunden erscheinen. Wenn Jesus einst wiederkommt und seinen Fuß auf diese Erde stellt, um über sie zu herrschen, wird es sein als hätte Er sie gestern erst verlassen. Mensch, täusche dich nicht! Niemand kann die Erwartung auf das zweite Kommen Jesu dadurch zunichtemachen, dass seit seiner Himmelfahrt fast 2000 Jahre vergangen sind – dieses Argument ist völlig haltlos! In Gottes Zeit ist es, als hätte Christus sich erst vor zwei Tagen zu seiner Rechten gesetzt.

Gottes gnädige Langmut

Als letztes macht Petrus darauf aufmerksam, dass Gott seine „Verheißung nicht hinauszögert, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe“ (2. Petrus 3:9). In Römer 11:25 spricht der Apostel Paulus von der „Vollzahl der Heiden“, die zuerst in das Reich Gottes eingehen muss, bevor das Ende der Welt kommen wird. Daher sollten wir das scheinbare Zögern Gottes als einen Akt der Gnade und Barmherzigkeit ansehen, bis Er alle seine Schafe sammelt, damit nicht eines von ihnen verloren gehe (vgl. Johannes 10:16,26-30). Die traurige Ironie ist, dass die Irrlehrer Gottes gnädiges Handeln, das ihnen selbst die Chance zur Umkehr bietet, gegen Gott verwenden möchten um zu behaupten, dass Er seine Verheißungen nicht erfülle. Wenn Gott am Tag des Gerichts die Irrlehrer aus der Zeit Petrus und die Irrlehrer unserer Zeit fragen wird: „Warum habt ihr mein geduldiges Warten als Argument für euren Unglauben missbraucht?“, werden sie keine Chance haben, Ihm etwas zu erwidern!

Es ist allein auf die Gnade Gottes zurück zu führen, dass Er sich noch heute mit seinem Wort an Zweifler richtet. Lass auch du dein Herz nicht träge werden; Christus wird kommen! Jeder Tag ist ein Tag der Gnade und sollte uns zum Staunen bringen über seine Gnade und nicht zum Zweifel an seine Verheißung. Wenn das gesamte Weltall allein durch das mächtige Wort Gottes bestehen bleibt, dann ist Er fähig und bereit Gericht auszuüben über die Unbußfertigkeit der Menschen, wie Er es in den Tagen Noahs tat. Doch alle, die bereit sind Buße zu tun, wird Er in seine ewige Herrlichkeit aufnehmen.

© Herold-Schriftenmission, Herold Mai 2012, John Piper http://www.desiringgod.org/resource-library/sermons/where-is-the-promise-of-his-appearing

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Artikel, Wiederkunft Jesu

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